Tränen lügen nie. Tag neunundvierzig.

Das muss unter uns bleiben: Ich habe heute am Hochwab-Gipfel vor Freude geweint. Natürlich so, dass es keiner mitbekommt und ich damit mein Coole Sau-Image gefährde. Aber der Blick auf die Rax hat mich überwältigt. Denn es ist doch so: Von mir aus gesehen liegt hinter der Rax mein Wien. (Machen Sie jetzt nicht alles mit dem berechtigten Einspruch kaputt, dass dazwischen noch der Schneeberg zu überschreiten ist) Und nun rede ich seit über sieben Wochen von dieser Rax wie man eben von einem letzten großen Etappenziel spricht. Für mich ist dieses Hochplateau mittlerweile wie für Kinder das Schlafengehen am 23. Dezember. Die Rax und den Schneeberg noch, dann bin ich daheim. Und heute habe ich nicht von ihr gesprochen, ich habe die Rax gesehen. Augen nass.

 

Aber diese Tränen kamen nicht überraschend. Das Wasser hat sich irgendwie mit jedem Höhenmeter gesammelt. (Ich muss an dieser Stelle einfach den Satz loswerden, der mir den ganzen Tag durch mein Hirn ging: Wenn ich so auf den Hochwab hochtrab, werden die Augen immer nasser, wengan Wasser). Es begann schon in der Früh: Der himmlische Bühnenbeleuchter hat sein sanftestes Nebelblau herausgeholt. Ein Nebel, der dich blendet und die Kulisse in einen Schimmer taucht, den kein Künstler hinbekommt, sondern eben nur die Natur. Apropos Kulisse: Das Hochschwab-Gelände habe ich vorher nicht gekannt. Und nicht damit gerechnet, dass es da oben so schön ist. Eine Schönheit, die leicht zu begehen ist, keine ausgesetzten Steige, keine unfassbaren Anstiege, sondern immer die Gelegenheit, den Blick kurz vom Weg abschweifen zu lassen.

Die entgegenkommenden Wanderer berichteten von einer Steinbock-Herde, die am Weg liegt. Sie lag da. Sie sagten, dass am Gipfel nur Nebel ist und keine Sicht. Bei mir war der Nebel weg. Sie sprachen vom Schiestl Haus unterhalb des Gipfels und dass dieser moderne Kobel Geschmacksache sei. Mir hat er dann gefallen. Sie erzählten vom Kreuz, vom Biwak am Weg. Meine Lust nach diesem Berg schoss mir in die Beine, ich wurde schneller, ohne dass ich es wollte. Ich ließ Mitwanderer Helga und Ferdl ihre Pause machen und zog mit Niko Poldi weiter. Als ich das Gipfelkreuz sah, erhöhte ich das Tempo nochmal. Es war viel zu schnell, ging sich aber für die verbleibenden zehn Minuten (statt angeschriebener 20) aus. Dann war ich oben. Überwältigt vom Blick. Eingeschüchtert von der Atemlosigkeit. Beeindruckt von dem Moment des Gipfelsieges, den ich auf meiner Wanderung so selten gesucht habe. Aber hier, am leichten Hochschwab schoss mir genug Sentiment für sieben Wochen ein.

Dann erreichten auch Helga und Ferdl den Gipfel. Und als sie mir das obligate „Berg Heil“ wünschten, spürte ich meine Dämme brechen. Ich drehte mich von Ihnen weg, aber auf der anderen Seite lachte mir wieder die Rax zu. Da musste ich weinen. Aber das muss unter uns bleiben.

Tag 49 (18.8.2009): Sonnschien Hütte – Häuselalm – Baumstall – Hirschgrube – Hundsböden – Rauchtal Sattel – Fleischer Biwak – Hochschwab Gipfel – Schiestl Haus – Graf Meran Steig – Voisthaler Hütte. In der Früh hatte es heute ein ganz eigenes Licht, schwer zu beschreiben: feuchte Luft, die himmelseitig quasi von hinten beleuchtet wird, wodurch der gesamte Nebel blendete. поют сестры колесниченко Alles in allem ein bisschen J.R.R. Tolkien. Die Stimmung passte jedenfalls zum Gelände, in das ich mich ein bisschen verliebt habe. Später setzte sich zunehmend die Sonne durch, aber nie restlos. Achteinhalb Stunden unterwegs, davon sechseinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Geh auf den Gipfel! Das Gefühl ist unfassbar.

Keine Blase. Fünf Zigaretten geraucht, zwei Achterl Rot, ein Schnaps mit den beiden Hollabrunnern, dazu morgen mehr. Und: Ein hervorragendes Gams-Gulasch auf der Voisthaler bekommen. Nur Niko Poldi speiste noch feudaler: Auf meine Frage nach einem Restl-Futter für den Hund servierte ihm Hüttenwirt Hans Steinbock-Restln mit Nudeln. Dass Hans also nicht der von allen angekündigte Hunde-Hasser sein kann, bespreche ich ebenfalls morgen.



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 Axel Halbhuber am 21.08.2009  |   5 Kommentare

We have a dream. So yes, we can.

Ich wollte gestern an sich über meine finale Pack-Schlacht schreiben. Ich wollte. Den ganzen Tag über. Aber was soll ich sagen: Wenn man die Behausung auflöst. Wenn man den Rucksack, den man seit Wochen vor sich herschiebt wie einen kasachischen Kärntenurlauber mit schiefer Nase (sprich: von einem Eck ins andere stellt), endlich doch packt, aber nur weil man muss. Wenn man noch eine Reservierung für die ersten Hütten am Weg und noch ein Rezept für ein entzündungshemmendes und schmerzmilderndes Medikament ertelefonieren muss. Dann kommt man nicht zum Schreiben.

Auch nicht zum Luftholen, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bin dann gestern Richtung Kärnten gefahren, aber nur bis Graz. Auf dem Weg noch Freunde besuchen, quasi letztes Abendmahl. (Das ist jetzt stilistisch ein bisserl von Wolf Haas gestohlen, quasi Entschuldigung) Und jetzt kommt es: Ich schreibe gar nicht übers Einpacken. Gar nix über meine unfassbare große Freude, dass mein hin-, her- und fast abgeschobener Rucksack samt Technik (digitale Spiegelreflexkamera, GPS, Handy und Mini-Laptop – hier übrigens ein kurzes aber inbrünstiges Hoch auf das HP 2140 Mini-Notebook: formvollendet, federleicht und saugut, sowie auf den Datenstick von Orange: formvollendet, federleicht und saugut. Natürlich alles samt stromversorgendem Kabelsalat) völlig überraschend nur unfassbar leichte 12,3 Kilo wiegt. (also pro Wandertag nur 0,246 Kilo, ja natürlich ist das falsch gerechnet, liebes Lesermathegenie, es sind vielmehr 615 Tageskilo, aber ehrlich, was macht da jetzt mehr Lust aufs Wandern?) Gar nix über die 15 Zentimeter Restplatz im Rucksack, obwohl sogar die schwereren Bergschuhe und das gesamte Notfallsbiwak-Klettersteig-Sicherheitshalber-Das-Auch-Noch-Equipment schon drin sind. Ich schreibe lieber über besuchte Freunde.

bauernhof_harald1Die haben sich dereinst kompliziert verliebt, er Wien, sie Graz. Er pendeln, sie doppelt alleine erziehend. Er Lehrer, sie Doktoressa. Er frische Trennung für die Liebe. Dann haben sie gemeinsam einen alten Bauernhof gekauft. Alt im Sinne von Planierraupe, nicht im Sinne von Roseggers Waldheimat. Damals war Herbst 2006. Jetzt gibt es dort Pferd, Gänse, Hühner, eine Kuh (die übrigens am Muttertag kalbte), aber auch neue Wandteile (wo das alte Holz vermorschte), ein repariertes Dach, ein Badezimmer, eine Stube mit mühsam eingezogenem uralten Holzpfosten als Deckenträger, Pflastersteine vor der Türe, eine schnieke Edelstahl-Küche. Aber nicht, dass man jetzt glaubt: Beide arbeiten nach wie vor in ihren Jobs, sie gehen allen Pflichten total nach. Aussteiger sind sie höchstens nach Dienstschluss. Ach ja: Und davor, manchmal ab fünf Uhr morgens.

Der Punkt ist: Sie machen es. Sie leben den Traum. Sie haben den Bauernhof nicht nur gekauft, sie machen ihn zu ihrem Leben. Andere wollen es machen und reden am Ende davon, wie toll es gewesen wäre. Einen Bauernhof kaufen, eine Weltreise machen, mit den Walen schwimmen, ein Iglu bauen, ein Instrument oder eine fremde Sprache lernen, wasauchimmer: Im eigenen Wunsch vollkommen und restlos aufzugehen, das ist doch mal ein Motto fürs Stammbuch.

Proklamation: Ich verabscheue das Könnte und plädiere für das Tun.

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Jetzt sitze ich wieder im Auto, diesmal bis Kärnten. Das verwirklichte Idyll hinter mir. Meinen eigenen Traum vor mir. Der Rucksack neben mir. Er ist derzeit fast mein bester Freund. Wäre da nicht Hund Niko Poldi. Der tut übrigens so, als ob ihm wurst wäre, was da auf uns beide zukommt, daher auch nichts dazu sagt. Aber das Glänzen in den Augen, das verrät ihn.



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 Axel Halbhuber am 28.06.2009  |   13 Kommentare