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Archiv für das Tag: scheitern

 

Ever ending story. Tag dreiundfünfzig.

Wanderung53_BaumAmWegAxéju war traurig, dass sein treuer Gefährte Nikartax nun nicht mehr an seiner Seite war. Überall hatte er ihn begleitet, durch die nassglitzernden Almen Tirols und die grellsengende Hitze des Toten Gebirges. Über scharfe Kanten des Meeres aus Stein, rutschige Wurzelstöcke und die erschöpfenden Pässe des Gesäuses. Aber der tapfere Junge Axéju wusste genau, dass Nikartax die folgenden Tage nicht mit ihm gehen konnte, waren es doch die schwierigsten Prüfungen auf seiner langen Reise. Die Schneealpe mit ihren hohen Metern und tiefen Gräben. Das Geröll und die Drahtseile im gefürchteten Gamseck, dem Aufstieg auf die sagenumwobene Rax. Der steile Weg hinunter ins trefflich benannte Höllental. Und dann die bislang schwerste Aufgabe: Die senkrechten Eisenleitern durch die finstere Weichtalklamm. Das konnte Axéju seinem schwarzen Freund nicht zumuten.

Denn der mächtige Weg warf Axéju noch einmal seine gefürchteten Schergen vor die Füße. So leicht sollte er sein Ziel nicht erreichen. Der erste Endgegner stemmte sich erhaben vor Axéju, als er Neuberg im Tale verlassen hatte. Er hatte von diesem Farfelsteig in alten Büchern gelesen, gehört hatte er davon Wanderung53_DuschenRegennichts, denn niemand wagte den Namen diesen Steiges auszusprechen. Der mächtige Weg war sicher, dass Axeju schon am Fuße des Farfel umkehren würde. Aber der Junge ging raschen Schrittes in den dunklen Wald. Überquerte die Baumstämme, die der Weg für ihn ausgebreitet hatte, schob sich weiter hinauf auf die weiße Schneealpe. Der strömende Regen prasselte auf ihn nieder. Axéju trotzte. Der Nebel nahm ihm Sicht und Gefühl. Er trotzte. Die Kälte kroch in seine Kleider und nagte an den Knochen.

Es kam ihm keine Sekunde in den Sinn, jetzt aufzugeben. Hier, bei seinem drittletzte Aufstieg. Und das machte den Weg noch wütender. Er zog den Farfelsteig in die Höhe, ließ ihn die Zähne fletschen. Axéju war schweißnass. Aber er ging weiter und erreichte das Schneealpen Haus. Der mächtige Weg spielte weiter seine Asse aus: Keine Dusche, Axéju zog sich aus und duschte im Regen. Der Weg zürnte furchtbar und griff zu seinem gemeinsten Trick: Er sandte Axéju eine Niko Morgana. Axéju spürte die Sehnsucht nach seinem Gefährten, das Verlangen nach dessem treuen Blick. Aber er wusste, dass vor ihm nicht der wahre Nikartax winselte. Also ignorierte er den hinterlistigen Hund.

Wanderung53_NikoMorganaDer Zorn des Weges wuchs. Er riss sein Maul auf und alle Lebewesen verschwanden in dem Dunkel. Keiner glaubte nun mehr an Axéju, die Felsen verkrochen sich in der schwarzen und nebelnassen Nacht, die aus des Weges Maul strömte. Axeju trotzte. Als der Weg dann aber zu seiner gefürchtetsten Waffe griff, brach in Axéju der Glaube: Der Weg sog fest an und nahm jeden Internet-Empfang aus Raum und Zeit. Da wurde Axéju müde. Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und rief die Königin Mercury an, denn nur ihr Gesang konnte ihm nun helfen. Axéju nahm die Kampferklärung des Weges an, indem er summte: „Don’t stop me now!
I’m burning through the skies Yeah!
Two hundred degrees
That’s why they call me Mister Fahrenheit
I’m trav’ling at the speed of light…

… There’ no stopping me.“

Tag 53 (22.8.2009): Neuberg an der Mürz – Farfelsteig – Schneealpen Haus. Wanderung53_AmComputerGanztags wechselten sich nasser Nebel und starker Regen ab. Zwei Stunden zwanzig unterwegs, davon zwei zehn auf den Beinen. Tipp des Tages: 1000 Höhenmeter am Stück sind kein einfacher Gegner. Aber ein zu schneller Angriff kann leicht zu Stillstand führen.

Keine Blase. Fünf Zigaretten geraucht, abends zwei weiße Spritzer und zwei Schnäpse, mit Mitwanderinnen Steffi und Ingrid. Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Aber der heutige Aufstieg wäre dir nicht geheuer gewesen. Eher Ungeheuer.

Wanderung53_BöseNacht

 25.08.2009 | Tags: , , | 6 Kommentare
 

Wir Spitaler wir. Tag zweiundvierzig.

Wanderung42_SpitalDomDie Wanderung von Spital am Pyhrn nach Admont muss phantastisch sein. Keine lange Etappe mit überschaubar vielen Höhenmetern und toller Streckenführung zwischen den beeindruckenden Bergen Bosruck und Großer Pyhrgas. Allein: Ich ging sie heute nicht, sondern schob einen weiteren Ruhetag ein. Weil einerseits mein Rücken wundgerieben ist und Pause braucht. Und ich andererseits zu verkühlt bin, um das noch zweieinhalb Wochen mitzuschleppen. Das Merkwürdige dran: Es ärgert mich, ich möchte gehen. Nein, das hätte ich mir vor eineinhalb Monaten nicht gedacht. Jeden zusätzlichen Tag außerhalb der Wanderschuhe werde ich mit einem Kirchenkerzerl feiern – so habe ich mir das gedacht. Aber dass ich stinksauer im Bus nach Admont sitze, nicht.

Gut, dass mir am Weg zur Bushaltestelle in Spital am Pyhrn der Herr Pfarrer über den Weg lief. Denn so kämpfte sich eine Geschichte wieder in die erste Reihe meines Hirns, die mir am Vortag zugetragen wurde: Dieser Herr Pfarrer brachte die Spitalerin Gerlinde Kaltenbrunner zum Bergsteigen, als sie bei ihm in der Jungschar und Ministrantin war. Genau: Die Gerlinde Kaltenbrunner, die schon auf urvielen Achttausendern war. Die vor einer Woche zum zweiten Mal bei der Besteigung des K2 aufgab. Und die gerade deswegen eine der erfolgreichsten Bergsteigerinnen ist: Weil sie immer zurückkommt. Weil sie Wanderung42_Rückennicht übertreibt und deswegen alles verliert. Weil sie vor der Grenze „Stopp“ sagt. Weil sie ankommt, mit oder ohne Güpfi.

Nein, natürlich vergleiche ich mich hier nicht mit der Kaltenbrunner. Aber ich tröste mich mit ihr. Schließlich fühlte ich mich in Spital am Pyhrn auch sehr wohl.

Tag 42 (11.8.2009): Spital am Pyhrn – Admont, per Bus über Liezen. Wechselhaft, kaum Sonne, gelegentlicher Regen. Tipp des Tages: Nicht ärgern.

Keine Blase, woher auch? Einige Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Hund Niko Poldi mag nicht mehr ruhen, im Gegenteil: Er ist unruhig. Hund Niko Poldi will gehen, sich in Almwiesen wälzen und Seen bespringen. Ich kann dich verstehen, mein Lieber. Zum Trost bekommst du Pansensticks.

Wanderung42_FalterImHotelzimmer

 13.08.2009 | Tags: , , , , | 9 Kommentare
 

Wie geht es Axel? Tage acht- und neunundzwanzig.

Wanderung28_AxelUndNikoIch bin im Steinernen Meer ertrunken und dem Schicksal wirklich dankbar, dass ich dieses Bild anbringen kann. An sich wollte ich auf den Wellen dieses Gebirges surfen, in seine Kargheit eintauchen oder es leichtfüßig durchschwimmen. Aber eben, sehen Sie: Nichts ist so schön wie im Steinernen Meer zu ertrinken.

Dass mir die Steine bis zum Hals stehen, wurde mir bewusst, als eine liebe Freundin am Telefon zögerlich sagte: „Axel, du klingst grantig, das macht mir Sorgen.“ Das war der Ursprung einer Welle, die mich im Laufe des Tages überrollen sollte. Dazu mischte sich die Ruhe (umpf, ich muss es einfach sagen: vor dem Sturm) des Wanderns im Steinernen Meer. Die flache Steinwüste Wanderung28_SteinernesMeerdüsterschluckt an sich schon jeden Laut, kombiniert mit dem dämpfenden Hochnebel an diesem Tag, herrschte Stille. Selten hörst du einen Stein unter deinen Füßen wackeln. Noch seltener reißt dich der schrille Schrei eines Murmeltiers aus den Gedanken, den der Nebel aber sofort schluckt. Sonst Stille.

Meine Gedanken wurden also nicht extern gestört, sondern intern. Durch das regelmäßige, abschwellende und aufbrandende Schmerzen meines linken oberen Sechsers. Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht. Am nächsten Morgen sollte mir dann der Maria Almer Dentist Schwaiger eröffnen, dass mein linker oberer Sechser den Nerv völlig weggeschmissen hat und seine Wurzel dringend Behandlung Wanderung28_NikoBeimAbstiegbraucht. Ganz genau: Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht.

Zwischen den Zahnschmerzen (ich kann es nicht sagen: ja, sie waren ziehend, nein, nicht pochend, keine Warm-Kalt-Süß-Empfindlichkeit, kein Druckschmerz, wasweißich) holte mich mein Großhirn zum Rapport: „Junger Freund“, fing es freundlich an „wir haben da was zu besprechen. Ich halte seit einem Monat die ganze Meute zusammen, Knöchel und Knie ganz besonders, aber es zeichnet sich eine mächtige Revolte ab. Das Immunsystem bereitet einen nächtlichen Fieberschub vor, der Kreislauf will dich Schach Mattheit setzen, und der Zahn spielt auch nicht grundlos das Lied vom Tod. Und ganz ehrlich, mein Freund“, jetzt machte es auf verbündet „ich scheiß‘ langsam auch aufs tägliche kreative Mitdenken.“

Diese Worte hallten auf der nebelschwangeren Bühne des Steinernen Meers gewaltig lange nach. Und wie ein Horn dröhnte ein Satz in meinem Kopf: Ich Wanderung28_Riemannhaushabe einen Einbruch der allerfeinsten Güte. Erste Hilfe: Abstieg ins zivilisierte Maria Alm, statt einer weiteren Hüttennächtigung in der Höhe, noch dazu im wenig einladenden und nebelumschwärmten Riemann-Haus.

In der Nacht spulte mein Körper das angekündigte Programm ab. Am Morgen ließ ich meine Mitwanderer alleine ziehen, ging zum Schwaiger-Doktor und ließ mich wurzelbehandlungstechnisch entjungfern. Er war sanft. Dann rastete ich. Ich nahm den Bus zu dem Punkt auf der Straße, der am nächsten zur Erich-Hütte liegt. Und wanderte, spazierte, nein: Ich schlenderte eine halbe Stunde zum Etappenziel. Jetzt sitze ich auf der Terrasse, Blick auf Großglockner, Dachstein und Hochkönig. Die Sonne streichelt mich gesund. Der Text schreibt sich wie von selbst. Der Zahn ist wieder Untertan. Die Mitwanderer sind noch am Weg. Erfolgreiche Gegenmaßnahmen.

Und ja: Ich bin mir bewusst, dass ich hiermit Schwäche zeige. Aber erstens wundert es mich seit einem Monat, wo die bleibt. Zweitens muss man ganz allgemein immer hinhören, wenn Freunde einen „grantig“ nennen. Und in der Ruhe des Steinernen Meers kommt man im Speziellen drittens gar nicht umhin.

Tag 28 (28.7.2009): Ingolstädter Haus – Riemann Haus – Maria Alm. Bewölkung, was im Steinernen Meer gut tut, bei vollem Sonnengleiß fühlt man sich zwischen den Felsen wie eine Backofenpizza. Leichte Nieseltropfen beim Abstieg nach Maria Alm, über den wir gesondert reden sollten. Acht Stunden Wanderung28_AbendstimmungErichhütteunterwegs, davon sechseinhalb gegangen. Tipp des Tages: Das Riemannhaus wirkt wenig einladend, daher Abstieg nach Maria Alm! Das ist ein unfassbar malerisches Örtchen. Keine Blasen, fünf Zigaretten, zwei Achterl Rot. Ach ja: Und zwei Parkemed 500, was nichts gebracht hat. Hund Niko Poldi liebt Schneefelder mehr als mich, mehr als uns alle, glaube ich.

Tag 29 (29.7.2009): Maria Alm Zentrum – Praxis Dr. Schwaiger – Maria Alm Zentrum – Bus nach Dienten – Bus nach Erich-Hütte Parkplatz – Erich Hütte. Leise treten und das nur eine halbe Stunde lang. Keine Wolke am blauen Himmel. Tipp des Tages: Alles daran setzen, die Erich-Hütte zu kaufen, hier einziehen und jeden Tag nur schauen. Zwölf Zigaretten, drei Achterl Weißwein (meinen geliebten Grünen Veltliner). Hund Niko Poldi genoss den Quasi-Ruhetag und tat nicht einmal so, als ob er lieber am Berg wäre.

Aus der Sicht meiner Mitwanderer Michi H., Michi F. Laszlo war der Tag anders: Maria Alm – mit der Gondel zur Natrun Hütte – Hinterthal – Mußbachalm – Pichlalm – Erich Hütte. Sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Besonderheiten: Heidelbeerwald und Walderlebnis-Parcours am Natrun. Schöner Weg mit tollem Blick auf die Silhouette des Steinernen Meers, den Sonnblick und den Großglockner.

 30.07.2009 | Tags: , , , , , | Ein Kommentar
 

Erste Änderung…

wanderung1_spiegel… am ersten Tag. Und: Ja, ich fühle mich dabei ausgezeichnet. Es ist auch ganz leicht gewesen, nämlich weil das Leben einem manchmal wirklich zur Hilfe eilt. In etwa so:
Meine Etappengefährten und ich sind um 17 Uhr in Kehlegg (die Vorarlberger variieren zwischen „der Weg nach Kehlegg”, „der Weg ins Kehlegg” und „der Weg aufs Kehlegg” als ob es völlig wurscht wäre, ob Kehlegg nun ein Ort, eine geografische Einheit oder ein Berg ist. Und ehrlich: Ist es auch.) im herrlichen Gasthaus Firstblick (weil Blick auf den Dornbirner Fist) gesessen, sie im Kampf mit dem Hungergefühl, ich im Kampf mit meinem Blog. Der guten Stimmung stand im Weg, dass wir noch über drei Stunden Weg vor uns hatten. (Die einheimische Gasthaus-Chefin nennt das „naja, gut zwei Stunden”) Und dann kawumm. Ein Wolkenbruch, dass du die Tropfen für Hagelkörner hältst. Und so sehr uns das Gewitter den ganzen Tag mit Abwesenheit geärgert hatte (weil sein mühsamer Stellvertreter, die Schwüle, dominierte) – wir tanzten innerlich. Äußerlich wechselten wir gegenseitig Bekundungen aus, wie traurig das jetzt aber auch ist. Aber nur bis wir Zimmer bei der einheimischen Frau Wirtshaus erbeten und bei unserer eigentlichen Zieletappe storniert hatten.

Natürlich ist eine Art Scheitern: Planänderung, Etappenverkürzung, das alles am ersten Tag. An dieser Stelle mögen sich die Zyniker an jene wenden, die mir seit Wochen einimpfen: Nix übertreiben, langsam angehen, gerade am Anfang nicht erzwingen, das gefährde das gesamte Projekt. Liebe Freunde, ihr habt recht, ich beuge mich. Weil den ganzen ersten Tag (der im übrigen mit drei Stunden Gehsteig-Wanderung beginnt, so ist das halt zwischen Bregenz und Dornbirn) die hämmernde Frage „Warum” auf mich eindrosch. Sie ist wie eine lästige Fliege: Sie schwirrt dir um den Kopf und geht dir mächtig am Popo. In jedem verdammten Moment, auf jedem vermaledeiten Höhenmeter und nährt ihre Kraft aus jedem ekelhaften Kilo in meinem Rucksack. Warum macht die Romantik am ersten Tag einer Wanderung eigentlich immer blau?

Die Frage im Gewand der Fliege lässt sich nicht vertreiben, nur in Schach halten. Durch das Absingen von Liedern. „Wie beim ersten Mal”. „First Cut is the deepest”. „Beim ersten Mal tats noch weh”.

Ich sage es offen: Es war für den ersten Tag einfach genug und einen solchen Firstblick tritt man nicht mit Füßen. Schon gar nicht mit geschwollenen. Ich dusche jetzt, lege mich ins Kuschelbett. Und summe „Die erste große Liebe” von Wolfgang Ambros.

wanderung1_nikoTag 1 (1.7.2009): Bregenz Hauptbahnhof – Kehlegg (statt Bregenzer Hütte). Grauenhaft schwül, spätes Gewitter. Sieben Stunden unterwegs, davon fünf neben der Straße. Tipp des Tages: von Bregenz bis Dornbirn nimmt man den Bus, basta! Eine Blase (kleine Zehe links), zwölf Zigaretten geraucht.

 02.07.2009 | Tags: , , | 3 Kommentare