Gefühl in zivil. Ruhetag acht.

Wanderung47_BlickAusMeinemFensterEine Frage kann ich nicht mehr hören: „Freust dich schon wieder auf die Zivilisation?“ Wir besprechen in unserer heutigen Vorlesung gar nicht, ob man sich prinzipiell auf sie freuen kann, sondern widmen uns der Frage, werte Kolleginnen und Kollegen, was die Zivilisation denn genau ist? Denn zwischen Berghütten und dem Tal verschwimmen die Grenzen der Zivilisation. Oder zumindest die Grenzen ihrer Definition. Oben fehlen einem heiße Duschen, eine Schlafstätte für weniger als zwölf Menschen und selbst zu entscheiden, wann Bettruhe ist. Kommt man unten an, fehlt einem das Oben. Genau: Es ist verzwickt.

An meinem Eisenerzer Ruhetag wurde mir das wieder einmal bewusst, als ich meiner Lieblings-Zivilisations-Gewohnheit nachging: Fernsehen. Im Frühstücks-Horoskop auf Puls 4 erfuhr ich, dass Liebe und Beruf meinem Sternzeichen heute zu 62 Prozent gewogen sind. Fast zwei Drittel, zufrieden, da bin ich Minimalist. Nachmittags plätscherte neben mir eine deutsche Reality-Sendung a la „So ist das Leben, aber ganz echt wirklich, lieber Seher“. Da begann ich an der Zivilisation zu zweifeln. Und abends lieferte mir die geschätzte Elisabeth Spira via ORF volltätowierte Menschen, die über das Leben philosophierten. Da hatte ich Angst.

Und ließ meine Gedanken eine Runde Ringelspiel fahren. Mir fiel mein freundlicher Wirt Karl Prem ein, der am Nachmittag erzählt hatte, dass im schönen Eisenerz einst 18.000 Menschen lebten (im Jahr 1944), heute sind es 5260, Tendenz sinkend. Zwar werde sich das „bei 5000 scho ei’pendeln“, aber es drücke aufs Gemüt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Am Erzberg wird noch immer gleichviel abgebaut wie einst. Nur dass das heute von den zivilisierten Maschinen und 150 Menschenresten gemacht wird statt wie einst von 5000 Arbeitern. Ich sagte ihm, dass Eisenerz trotzdem noch immer schön sei, vor allem die Fassaden. Wirt Karl Prem gab mir zwei der soeben gefertigten Palatschinken, nur so. Ganz unzivilisiert in die Hand. Seine Frau wusch mir derweil die Wäsche, weil ich darum gebeten hatte. Weil „man muss halt scho selber arbeiten, wenn man verdienen will. Und Spaß daran haben, sonst geht das hier nicht mehr.“ Wirt Karl Prem hat ein sehr nettes Lächeln, das immer überraschend kommt.

Wanderung47_ErzbergZur Verabschiedung ging ich mit meinen Mitwanderern auf ein Eis. Wir überlegten, was man aus der hübschen Stadt machen könnte. Plötzlich fuhr ein hochzivilisierter Porsche durch die äußerst verlassene Stadt. Es saßen höchstziviliserte Städter darin. Sie hören unzivilisert laute Musik. Ich sehnte mich in genau diesem Moment nach einer Hütte da oben, ohne Dusche. Aber mit viel Gefühl.

Tag 47, Ruhetag acht (16.8.2009): Eisenerz, Gasthaus Zur Post. Sonne ganztags. Tipp des Tages: Die Küche des Hauses, wirklich erwähnenswert.

Keine Blase. Zehn Zigaretten geraucht, kein Alkohol, aber ein Eisbecher. Hund Niko Poldi zeigt anhand des Trockenfutters, wie Toleranz geht: Man muss sich nicht lieben, русская кухня в лучших традициях um sich zu akzeptieren. Kriegsführende dieser Welt, hört her: Dieser Hund ist weise und des Friedensnobelpreises würdig.



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 Axel Halbhuber am 19.08.2009  |   3 Kommentare

Wir Spitaler wir. Tag zweiundvierzig.

Wanderung42_SpitalDomDie Wanderung von Spital am Pyhrn nach Admont muss phantastisch sein. Keine lange Etappe mit überschaubar vielen Höhenmetern und toller Streckenführung zwischen den beeindruckenden Bergen Bosruck und Großer Pyhrgas. Allein: Ich ging sie heute nicht, sondern schob einen weiteren Ruhetag ein. Weil einerseits mein Rücken wundgerieben ist und Pause braucht. Und ich andererseits zu verkühlt bin, um das noch zweieinhalb Wochen mitzuschleppen. Das Merkwürdige dran: Es ärgert mich, ich möchte gehen. Nein, das hätte ich mir vor eineinhalb Monaten nicht gedacht. Jeden zusätzlichen Tag außerhalb der Wanderschuhe werde ich mit einem Kirchenkerzerl feiern – so habe ich mir das gedacht. Aber dass ich stinksauer im Bus nach Admont sitze, nicht.

Gut, dass mir am Weg zur Bushaltestelle in Spital am Pyhrn der Herr Pfarrer über den Weg lief. Denn so kämpfte sich eine Geschichte wieder in die erste Reihe meines Hirns, die mir am Vortag zugetragen wurde: Dieser Herr Pfarrer brachte die Spitalerin Gerlinde Kaltenbrunner zum Bergsteigen, als sie bei ihm in der Jungschar und Ministrantin war. Genau: Die Gerlinde Kaltenbrunner, die schon auf urvielen Achttausendern war. Die vor einer Woche zum zweiten Mal bei der Besteigung des K2 aufgab. Und die gerade deswegen eine der erfolgreichsten Bergsteigerinnen ist: Weil sie immer zurückkommt. Weil sie Wanderung42_Rückennicht übertreibt und deswegen alles verliert. Weil sie vor der Grenze „Stopp“ sagt. Weil sie ankommt, mit oder ohne Güpfi.

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Nein, natürlich vergleiche ich mich hier nicht mit der Kaltenbrunner. Aber ich tröste mich mit ihr. Schließlich fühlte ich mich in Spital am Pyhrn auch sehr wohl.

Tag 42 (11.8.2009): Spital am Pyhrn – Admont, per Bus über Liezen. Wechselhaft, kaum Sonne, gelegentlicher Regen. Tipp des Tages: Nicht ärgern.

Keine Blase, woher auch? Einige Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Hund Niko Poldi mag nicht mehr ruhen, im Gegenteil: Er ist unruhig насос для канализации. Hund Niko Poldi will gehen, sich in Almwiesen wälzen und Seen bespringen. Ich kann dich verstehen, mein Lieber. Zum Trost bekommst du Pansensticks.

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 Axel Halbhuber am 13.08.2009  |   9 Kommentare

Musik für die Augen. Ruhetag sieben.

An Ruhetagen telefoniert Axel nach Hause. Die beiden häufigsten Fragen nach „Hallo, wie geht’s?“ sind dann „Was geht dir am meisten ab?“ und die dazugehörende Subfrage „Dein Gewand?”  Frage zwei kann ich als passionierter Modemuffel vom Tisch wischen, es ist herrlich nur drei Leiberl zu haben und immer dasjenige anzuziehen, das am wenigsten streng riecht. Auf die erste Frage antworte ich: „Mein Motorrad, meine Gitarre, aber am meisten fehlt mir Musik.“ (An dieser Stelle gestehe ich, dass mir beim Wandern permanent La pulce d’aqua von Angelo Branduardi, die englische Originalversion von Les Miserables und Wie a wüdls Wasser von den Seern ins Ohr kommt. Nein, man kann jemanden nicht nach seinem Musikgeschmack beurteilen.)

Daher probierte ich jüngst die Funktion Radio auf meinem Handy aus. Das Lied schoss mir ein wie ein Laserstrahl, ich habe getanzt, gesungen, die anderen Menschen auf der Straße schauten wie Laternen. Es grölte mir Herr Bryan Adams ins Ohr:

„Oh when I look back now  – That summer seemed to last forever – And if I had the choice – Ya – I’d always wanna be there – Those were the best days of my life.”

Herr Adams kennt mich gar nicht und wahrscheinlich auch nicht mein Wanderprojekt. Aber mein Gefühl hat er trotzdem getroffen. Lieber Bryan, hier sind meine Bilder zu deinem Song. Musik für die Augen.

Tag 41, Ruhetag 7 (10.8.2009): Spital am Pyhrn, Hotel Freunde der Natur. Beim Frühstück genügend Sonne, um draußen zu sitzen, zu Mittag bewölkt. Der Patzenregen setzte erst ein, als wir für einige Besorgungen draußen waren. Da reichte dann aber ein Vierminuten-Rückweg zur kompletten Nässe. Tipp des Tages: In Spital am Pyhrn trifft man Menschen. Denn ehrlich: Wenn dein Hüftgurt einen auf Seperatist macht und sich vom Rucksack zu lösen beginnt, brauchst du sonst ein Superspezialgeschäft. Hier fragst du dich durch bis jemand vom Tourismusbüro dich auf den Campingplatz führt und der dortige Drachenflieg- und Paragleitwerkstatt-Inhaber dir den Hüftgurt wieder annäht. Und wenn du ihn bezahlen willst, wischt er diese Beleidigung mit einem Lächeln vom Tisch. Ich meine ehrlich: Wie oft gibt es das denn?

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Keine Blase. Acht Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Ruhetags-Programm abseits der Waschorgie, der Rucksack-Reparatur und der Körper-Instandhaltung: Scrubs, Onkel Charlie, Grey’s Anatomy und Radio hören. Denn der Geist braucht auch mal ein bisserl Trash, wenn er ständig durch die alpine Klarheit getragen wird торговое оборудование кондитерское. Hund Niko Poldi schaut nicht viel fern. Nur bei den Radio-Nachrichten lauschte er: „Laut einer Studie sind Border Collies die intelligentesten Hunde.“ Hund Niko Poldi, Mischling mit ein bisschen Border Collie-Genmaterial schaute mich so an: „Da siehst einmal, was du an mir hast.“



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 Axel Halbhuber am 12.08.2009  |   2 Kommentare

Leben in der Pause. Ruhetag sechs.

Den ersten Rasttag seit Kufstein habe ich gebraucht. Auch im Kopf, daher Kurzform:

  • Wanderung35_WäschetrocknenSchuhe zum Service, da hingen allerlei Plastikstücke weg, außerdem ist auch das dichtende Goretex am Ende. Ach ja und neue Einlagen bitte.
  • Stöcke zum Service, der eine braucht eine neue Spitze, beide brauchen neue Teller. Natürlich wären neue günstiger, aber wegen der emotionalen Nähe bitte doch.
  • Grüß Gott, schönes Hotel, sagen Sie, könnten Sie, eine Waschmaschine, mehr nicht. Haben Sie sich eh gedacht, super. Danke sehr. Ach ja und Trockner? Weil ich habe nur die eine Hose. (alternativ: Oh je, nicht, schade. Also wieder Dings aus der Tube, Waschbecken, aufhängen Fön fixieren und per Hand).
  • Jawohl! Internet-Empfang. Also gemma: Die nächsten Quartiere, Emails, Kommentare und Fotos.
  • Kekse aus dem Supermarkt.
  • Erdbeersaft aus dem Supermarkt.
  • Ein Fernseher, juchauz! Bitte also Essen erst um acht, weil davor Scrubs und Onkel Charlie schauen. Ja, das ist verdammt wichtig. Huch: Fußball heute, schau an. Salzburg kann plötzlich kicken, wurde Zeit.
  • ZIB 24, schon nach zwölf? Na geh, Frühschlaf verpasst. Wurscht, bin eh schön.

Tag 35 (4.8.2009): Bad Goisern, im sehr authentischen und heimeligen Hotel Agathawirt. Es hat fast ganztags geregnet, wie es sich für meine Wanderpause gehört. Soll der Himmel loswerden, was er zu betrauern hat, denke ich mir da. Tipp des Tages: Ein Vollbad! Ich weiß, nicht jeder ist der Badetyp, aber es gibt am Ruhetag keine größere Wonne als Wanne .

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Blasenfrei. Elf Zigaretten geraucht, grüner Veltliner ungezählt. Hund Niko Poldi bekam neben Hundefutter aus dem Supermarkt auch Schweinsohren und Pansenstücke. Es gibt in der Tat kein größeres Glück für die schwarze Flohdackn. Und dass ich mir so die Liebe erkaufe, die es am Berg zur nötigen Folgsamkeit braucht, ist womöglich nur ein Gerücht.



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 Axel Halbhuber am 06.08.2009  |   2 Kommentare

Über die alpine Gleichheit des Menschen. Ruhetagsrückblick.

wanderung8_hollanderBerge sind in Stein ruhende Toleranz. Sie hüpfen weder mit Demonstrationsplakaten noch vor Parlamenten herum, sie maßregeln die Intoleranten nicht. Sie sind einfach. Und sie sind tolerant. Auf eine derart unprätentiöse Weise, Lessing muss seine Ringparabel in den Bergen geschrieben haben. Es ist den Bergen völlig wurscht, wer auf ihnen latscht. Wer von ihnen fällt oder sich mit ihnen rühmt. Wer auch immer sie bezwingen mag, die Berge merken gar nichts von diesem Kampf. Sie müssen sich nicht einmal rühren, um solche Menschen abzuwerfen.

Das färbt ab. Auch die Menschen werden in den Bergen gleicher. Der eine ist farbig, der andere Zimmermann. Die eine hat Geld, die andere schon drei Achttausender bestiegen. Sie sind alt oder viel zu jung. Siehe Memminger Hütte. Da übernachteten vergangenen wanderung10_vorderedremelscharte5Mittwoch rund 120 Menschen. Ja, das ist eine Menge: Auf dieser Hütte kreuzen sich der Europäische Weitwanderweg 4 (der in Österreich entlang meines Weitwanderwegs 01 verläuft) und der E5: Oberstdorf-Meran in sechs Tagen. Und wie soll ich sagen: Die Wiener Südosttangente ist dagegen wenig befahren. Nein, ich weiß auch nicht, ob es eine echte Gaudi ist, im Gänsemarsch die Alpen zu überqueren, da müsste man Hannibal fragen. Aber das ist jetzt gar nicht das Thema.

Das Thema sind zum Beispiel die vier hannovanischen Jugendkinder zwischen 10 und 19, die spät abends, waschelnass die Memminger erreichten. Ich kannte die Gesichter, sie waren am Vorabend auch in Bach (Lechtal). Dort hatte ich mir schon Geschichten zu ihnen überlegt: Pfadfinder, Jungschar, wanderung10_anhalterhuttehelmutmit den Eltern in Urlaub und für zwei Tage auf Erkundungstour. Für etwas Aufregenderes hatte die Szene nicht gereicht, ein Zehnjähriger, eine Dreizehnjährige, ein Bursche und ein Mädchen, die beide wie sechszehn aussehen, alle mit Rucksäcken, an denen Blechhäferl baumeln. Auf der Memminger erzählte mir Julia, dass sie 19 und wie die Lage wirklich ist: „Die beiden Kleinen und ich sind Geschwister, er (der tatsächlich 16jährige) ein Freund von uns. Wir gehen einen Monat, bis Verona.” Auf meinen geistesverwirrter Blick gepaart mit dem gestammelten Wort „Eltern” sagte sie weiter: „Ich musste sie fast ein halbes Jahr überreden.” Ja, aber, äh, ich meine, na sag mal, bearbeiten 19jährige Mädchen ihre Eltern sonst nicht eher wegen einer USA-Reise, einer Schauspielausbildung oder eines wanderung10_anhalterhuttechristoffesten Boyfriends, der in einer Dark-Heavy-Gothic-Metal-Band spielt? „Ja sicher. Aber die Berge sind doch toll.” Julia sagte das wie nebenbei.

Die anderen Jugendlichen auf der Memminger waren aus sozial schwierigen Verhältnissen, auch auf dem Weg über die Alpen und Protagonisten einer arte-Doku. Dem dazugehörigen Kamerateam gehörte auch ein Farbiger an. Der plauderte lange mit den beiden ellenlangen, drahtigen Holländern, die vor dem Essen Schach auf der Hütte spielten und danach von ihrer Wanderung erzählten: Amsterdam-Rom. Warum? Warum nicht! Die beiden waren an dem Abend die Surferboys und wurden auch so umschwärmt. Nur die beiden Rumänen schauten nicht verliebt auf sie, ich glaube, die wollten ein wanderung11_geretteteinnsbruckerbisschen von der Ehrerbietung haben. Aber mit „sechs Tage durch die Lechtaler” eroberst du auf der Memminger bestenfalls den Kameramann von arte. Das muss die beiden Rumänen demotiviert haben, denn am nächsten Tag wollten sie auch bis zur Steinsee Hütte, aber abends habe ich sie dort nicht mehr gesehen. Egal, ich unterhielt mich dort stattdessen sehr eingehend und intelligent mit dem Deutschen über den Zustand des Journalismus. Was er denn mache? „Ganz einfach erklärt: Zimmermann.” Er ging am folgenden Tag klettern und reagierte auf meine Sorgen über ausgesetzte Höhenwege wie die meisten: mild, aber mit ein bisschen „kein Problem”.

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Bei Hosenschissern wie mir stößt nämlich selbst die montane Toleranz an ihre Grenze, siehe Alois. Dabei habe ich es so klar gesagt: Ich gehe wandern. Das ist in meinem Gedankenlexikon: „Wandern, das. Begehen der Berge auf Wegen, die wanderung11_romanschaferhuttePlatz für beide Füße bieten und aufrechtes Stehen und Gehen erlauben.” Punkt punkt punkt! Und was soll ich sagen: Der Freitag Abend auf der Anhalter Hütte gab mir auf traurige Art recht. (Wo ich übrigens ein vergnügliches Dinner mit den beiden Schwaben Helmut und Christof hatte, die zwei sind Freunde und ehemalige Kollegen, aber in manchen Dinge so unterschiedlich, dass das Gespräch etwas von Kabarett hatte, da Helmut der pragmatische Familienmensch mit ausgeprägter Konsensneigung, dort der investigative No-Kids-Fan Christof mit dem Drang zum widersprechenden anderen Standpunkt) Die unglaublich lebensfrohe und freundliche Hüttenwirtin Carmen (es geht nicht anders: Prädikat abgedrehte Nudel) ist Hamburgerin und vor 21 Jahren wegen eines Pitztalers nach Tirol gezogen. Die Fotos von ihm, mitten im Speisesaal, zeigen den Vollbärtigen als echten Alpinisten, wie ein Double von Reinhold Messner. Auf hohen Gipfeln steht er, das mutig Alpinistische ihm ins Gesicht geschrieben. Unter einem Foto steht „2002″ und „Lawine”. Da hörte ich zwischen all dem Menschenlärm im Saal die Radionachrichten: „Nanga Parpat” und „Österreicher vermisst”. Und der tolerante Hosenschisser in mir dachte sich: Mit mir nicht, liebe Berge, nur mit den Anderen, nicht mit mir! Auch weil er in diesem Moment noch nicht wusste, dass er am nächsten Tag ungewollt und verzweifelt in einem Erdhang hängen und die Berge sagen hören wird: „Anders? Ha, ihr seid doch alle gleich!”wanderung11_tarrentonalmmenschen

(Anmerkung: Die Menschen auf den Fotos zeigen nicht unbedingt die Protagonisten der Geschichten. Weil einerseits nicht alle davon plakativ dargestellt werden sollen. Und weil die Fotos anderer Menschen, die ich treffe, auch Geschichten haben. Solche, die man nicht gar nicht erst beschreiben muss.)

Ruhetage 2 und 3 (12. und 13.7.2009). Hotel Cube (erfrischend anders, wenn auch mit Schönheitsfehlern) in Biberwier: Zimmer – Frühstück – Lobby mit WLAN – Sonnenterrasse mit Blick auf die Zugspitze – Waschraum mit Trockner – Bar – Zimmer. Tipp des Tages: Wenn die Waschmaschine nicht funktioniert, ärgere dich nicht alleine. Sondern mit dem hessischen Pärchen ohne hessischen Akzent. Keine Blase mehr (!), zu viele Zigaretten geraucht, einige Achtel Rotwein getrunken, Zeit wieder auf den Weg zu kommen.
Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Bist du schon wieder fit? Wie wäre denn dein Comeback in Kufstein?

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 Axel Halbhuber am 14.07.2009  |   Keine Kommentare

Zeitenblicke

Der erste Rasttag war in Lech und eigentlich nicht notwendig. Denn, tatusch: Es geht mir blendend! Keine Blasen, intakte Gelenke, weniger Schmerzen als bei einer Niederlage der Vienna. Und genau das ist der richtige Zeitpunkt, denn wenn man es soweit kommen lässt, dass man einen Ruhetag unbedingt nötig hat, reicht einer allein eh nicht mehr aus. Nur nicht übergehen!

Noch drei Vorteile brachte dieser herrliche Rasttag in der herrlichen Hotel-Pension Roggal mit ihren herrlich netten Gastgebern: eine Badewanne, eine Massage und ein bisschen Zeit, via Fotos auf den Weg zurückzuschauen. (Nur ausnahmsweise, denn an sich ist dieser Einbahnwanderung so toll, weil der Start immer im Rücken und das Ziel immer vor den Augen, also nix mit Weg nochmal gehen und sehen.)



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 Axel Halbhuber am 06.07.2009  |   13 Kommentare