Schau‘ ma mal. Ruhetag neun.

Ich will ehrlich sein: Neuberg an der Mürz begegnete mir bayrisch. Es hing ein notorisches Schau‘ ma mal, dann seh‘ ma schon in der Luft, die besonders von jenen Neubergern inhaliert werden dürfte, denen ich begegnet bin. Aber an einem Ruhetag ist dir sowas ganz wurscht, mein Zimmer und der Schanigarten des Gasthofes waren pipifein. Also lümmelte ich mit der Sonne um die Wette und machte mich daran, die Fotos der vergangenen Woche (ver-gangen, verstehen Sie…) in eine kleine Revue zu formieren, die ich für die geschätzten Leserinnen und Leser nun passieren lassen kann. Viel Spaß damit.

 

Tag 52, zugleich neunter Ruhetag (21.8.2009): Neuberg, Landgasthaus Anni Holzer. Sonne, was meiner Wäsche beim Trocknen gefiel, sie tanzte an der Wäschespinne. Mir gefiel die Sonne im feinen Gastgarten bei der Arbeit, allerdings tanzte ich nicht. Tipp des Tages: Liegt man in der Badewanne, darf man beim Kampf gegen eine Wespe nie die eingeschränkte Fluchtmöglichkeit übersehen. Sie hat mich gestochen, grummel.

Keine Blase. Elf Zigaretten geraucht, kein Alkohol (wie gesagt: ich bin schon wieder etwas marod, ich glaube das ist die Überanstrengung beim Alleine-Geh-Tempo) Hund Niko Poldi verweigert Schweinsohren. Ein altes Sprichwort sagt: „Wenn dein Hund Schweinsohren verweigert, ist er ehrlich müde.“ Aber ich mache ihm keinen Stress und mir keine Sorgen, denn was der schwarze Wau nicht weiß: Morgen wird er von Frauchen Sandra geholt, denn die kommenden Rax- und Schneeberg-Steige will ich ihm nicht zumuten. скачать скайп для андроид Er fährt derweilen auf Sommerfrische nach Alpbach und stößt Mittwoch wieder zu mir. Das wird ihm gefallen, dem Schweinsohr.



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 Axel Halbhuber am 24.08.2009  |   2 Kommentare

Musik für die Augen. Ruhetag sieben.

An Ruhetagen telefoniert Axel nach Hause. Die beiden häufigsten Fragen nach „Hallo, wie geht’s?“ sind dann „Was geht dir am meisten ab?“ und die dazugehörende Subfrage „Dein Gewand?”  Frage zwei kann ich als passionierter Modemuffel vom Tisch wischen, es ist herrlich nur drei Leiberl zu haben und immer dasjenige anzuziehen, das am wenigsten streng riecht. Auf die erste Frage antworte ich: „Mein Motorrad, meine Gitarre, aber am meisten fehlt mir Musik.“ (An dieser Stelle gestehe ich, dass mir beim Wandern permanent La pulce d’aqua von Angelo Branduardi, die englische Originalversion von Les Miserables und Wie a wüdls Wasser von den Seern ins Ohr kommt. Nein, man kann jemanden nicht nach seinem Musikgeschmack beurteilen.)

Daher probierte ich jüngst die Funktion Radio auf meinem Handy aus. Das Lied schoss mir ein wie ein Laserstrahl, ich habe getanzt, gesungen, die anderen Menschen auf der Straße schauten wie Laternen. Es grölte mir Herr Bryan Adams ins Ohr:

„Oh when I look back now  – That summer seemed to last forever – And if I had the choice – Ya – I’d always wanna be there – Those were the best days of my life.”

Herr Adams kennt mich gar nicht und wahrscheinlich auch nicht mein Wanderprojekt. Aber mein Gefühl hat er trotzdem getroffen. Lieber Bryan, hier sind meine Bilder zu deinem Song. Musik für die Augen.

Tag 41, Ruhetag 7 (10.8.2009): Spital am Pyhrn, Hotel Freunde der Natur. Beim Frühstück genügend Sonne, um draußen zu sitzen, zu Mittag bewölkt. Der Patzenregen setzte erst ein, als wir für einige Besorgungen draußen waren. Da reichte dann aber ein Vierminuten-Rückweg zur kompletten Nässe. Tipp des Tages: In Spital am Pyhrn trifft man Menschen. Denn ehrlich: Wenn dein Hüftgurt einen auf Seperatist macht und sich vom Rucksack zu lösen beginnt, brauchst du sonst ein Superspezialgeschäft. Hier fragst du dich durch bis jemand vom Tourismusbüro dich auf den Campingplatz führt und der dortige Drachenflieg- und Paragleitwerkstatt-Inhaber dir den Hüftgurt wieder annäht. Und wenn du ihn bezahlen willst, wischt er diese Beleidigung mit einem Lächeln vom Tisch. Ich meine ehrlich: Wie oft gibt es das denn?

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Keine Blase. Acht Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Ruhetags-Programm abseits der Waschorgie, der Rucksack-Reparatur und der Körper-Instandhaltung: Scrubs, Onkel Charlie, Grey’s Anatomy und Radio hören. Denn der Geist braucht auch mal ein bisserl Trash, wenn er ständig durch die alpine Klarheit getragen wird торговое оборудование кондитерское. Hund Niko Poldi schaut nicht viel fern. Nur bei den Radio-Nachrichten lauschte er: „Laut einer Studie sind Border Collies die intelligentesten Hunde.“ Hund Niko Poldi, Mischling mit ein bisschen Border Collie-Genmaterial schaute mich so an: „Da siehst einmal, was du an mir hast.“



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 Axel Halbhuber am 12.08.2009  |   2 Kommentare

Grenzgänger. Tag dreiunddreißig.

Der Gosaukamm ist schon besonders schön. Auch wenn er neben dem mächtigen Dachstein nur die größte Nebenrolle der Gegend abbekommen hat: Die Mischung aus wanderbaren Almen, schroffen Bergwegen und aalglatten Kletterwänden ist faszinierend. Kein Wunder, dass sich zwei Bundesländer den Gosaukamm teilen. Und so trat ich also am dreiunddreißigsten Tag über die Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich. Und in das vierte Bundesland meiner Wanderung ein. Bei der Rast auf dem Törleck schossen mir die vergangenen Bilder durch den Kopf. Bitte schön!

 

Tag 33 (2.8.2009): Stuhlalm – Törleck – über den Herrenweg nach Gosau. Sonne und Hitze kündigten an, was am Abend über uns fegte: Ein Gewitter, das alles zittern lässt, besonders Versicherungen. Der Herrenweg nach Gosau ist wirklich sehenswert schön, ein tolles Wandergebiet und kürzer als erwartet: Wieder viereinhalb Stunden unterwegs, davon vier auf den Beinen. (Ich muss sagen, die vier- bis fünf-Stunden-Tage mag ich am meisten. Da kommt man am frühen Nachmittag an und ist kaum erschöpft. Herrlich. Nur dass eben im Toten Gebirge wieder Schluss mit Frühschluss ist) Tipp des Tages: Umdrehen, immer wieder! Fast hätte ich beim forschen Schritt nach Vorne den Dachstein übersehen. Und man muss sagen: Immer eine Pracht. Wenn man auch bald einmal hinfahren sollte, denn der Gletscher schaut ein bisserl nach Sommergrippe aus.

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Bla-sen-frei! Elf Zigaretten geraucht, ein weißer Spritzer. Nein, zwei. Hund Niko Poldi scheint langsam zu akzeptieren, dass Wandern ein Dauerzustand ist Скайп для мобильного. Ich merke das an dem gleichmäßigen Trott, den er für immer weniger Ablenkungen verlässt, an seiner Bereitschaft, jeden kühlen Fleck zur Rast zu nutzen und an seiner schwanzwedelnden Freude, wenn ich in der Früh den Rucksack schultere.



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 Axel Halbhuber am 05.08.2009  |   4 Kommentare

Mitwanderer am Wort. Tag zweiunddreißig.

Wanderung32_NachtwächterStändiger Abschied gehört dazu. Man sieht den Berg in der Ferne auftauchen, besteigt ihn und verlässt ihn, bis er wieder am vergangenen Horizont verschwindet. Oder Menschen: Man trifft sie, führt satte Gespräche und verzichtet dafür auf den Austausch von Telefonnummern. Verabschiedet sich intensiv, aber nur so herzlich wie es eben authentisch ist. Wie auf der Körner-Hütte: Den Mann mit der bemerkenswerten Frisur getroffen, ins Gespräch gekommen, von ihm zu einer Bergmesse im Druiden-Stil eingeladen worden und gestaunt, als der Ex-Gendarm von seinem heutigen Wirken als Welser Nachtwächter und seinem erfüllten Leben sprach. Dann wieder gegangen.

Mit den Mitwanderern ist das ähnlich unaufgeregt. Nur, dass ich sie beim Abschied um eine Reflexion bitte.

 

Michi H. (39 Jahre, mitgewandert von Kufstein bis Lungötz)

„Nun sitze ich im EC „Vorarlberg“ und lasse mich von ÖBB und SBB nach zehn Wandertagen mit Axel und Co. bequem nach Zürich zurück bringen. „Vorarlberg“, wo Axels langer Weg begonnen hat. Die Alternative wäre der „Transalpin“ gewesen, hätte thematisch auch ganz gut gepasst. Sei’s drum, der Zug fährt gerade an Kufstein vorbei, wo mein Mitwandern begonnen hat. Hier nutze ich nun die Zeit um das Ver-Gangene (déja vu) ein bisschen zu reflektieren.

Wie kam ich überhaupt zum Mitwandern? Die Begeisterung bei mir dazu musste Axel erst gar nicht wecken, da hätte er offene Türen eingerannt. Ich war eh’ schon geistig auf diesen Zug aufgesprungen, als er mir das erste Mal mit all seiner Leidenschaft und Intensität von diesem Projekt erzählt hat. Nur noch ein Check der Urlaubsplanung und des Wanderplans und mein Entschluss stand fest: ich gehe mit! Von Kufstein bis Lungötz. Vom Inn zur Salzach. Und noch ein Stück weiter ins Lammertal. Ich bin zwar viel in den Bergen unterwegs, aber die Ecke mit Wilder Kaiser, Waidringer Steinplatte, Steinernes Meer, Hochkönig und Tennengebirge war von mir bisher noch unberührt.

Dann bei der Anreise: Im Panorama-Wagen des EC „Transalpin“ (jetzt kommt der doch noch zum Zug) der Blick steil hinauf in die Lechtaler Alpen, im Wanderung00_MichiHAmHPZeitraffer laufen die ereignisreichen Etappen von den ersten Juli-Tagen wie ein Film ab, nur bei strahlendem Kaiserwetter halt. Dieses blieb uns auch zum Großteil von Kufstein bis Lungötz treu.

Unsere Wege in diesem Abschnitt waren geprägt von steilen, teilweise verwachsenen, dafür umso wildromantischeren Aufstiegen. Von urwaldartigen Märchenwäldern. Von viel Wasser in Bächen und in über lange Zeit im Kalkfels ausgehöhlten Whirlpool-Becken. Von unzähligen steinigen Meilen (statt den im Arbeitsalltag dominierenden Meilensteinen). Und über all dem von den Logenplätzen mit dem Blick auf die Zillertaler Alpen und die gesamten Hohen Tauern. Am beeindruckendsten die glitzernde Gletscherwelt des Großvenedigers und seiner Trabanten und die kühnen Gestalten des Großen Wiesbachhorns und unseres Höchsten – des Großglockners.

All das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen, interessante Begegnungen lebendig wieder zu geben, das ist wohl Axels Profession. Emotional geht er dabei überall mit. Sei es mit einem sentimentalen Blick auf das Ver-Gangene. Mit glänzenden Augen auf die hohen Berge nah und fern. Mit Respekt vor tiefen Abgründen. Fluchend, wenn mal was nicht klappt. Vor Glück jauchzend, wenn’s wieder mal “afoch schee is” Скайп для мобильного. Unermüdlich und einfallsreich beim Organisieren der Unterkünfte bzw. beim Umdisponieren, falls es mal nicht so geht wie geplant. Zweifelnd und unruhig, wenn er mit seinem Blog in Rückstand gerät (es ist wirklich hart, so viel zu gehen und täglich darüber einen ausgereiften Blog zu verfassen). Hart zu sich selbst, vor allem dann, wenn es um die Zahnwurzel geht. Nachgebend, wenn eine Lösung für die Zahnschmerzen unumgänglich wird (Axel hat sich lange dagegen gewehrt). Wieder voll da (yesssss!), wenn sich derartige Probleme in Wohlgefallen auflösen. Traurig, wenn sich Mitwanderer verabschieden (müssen) – when it’s over, it’s over. Begeistert, wenn Niko Poldi ins Wasser springt und sich nachher in der Wiese wälzt (Axel überlegt sich dann, wieso er das nicht auch tut). Und überhaupt: dieser Hund Niko Poldi ist Klassenkasperl und Gruppenzusammenhalt in einem.

Gemeinsam haben wir wohl in den vergangenen zehn Tagen oder rund zweihundert Kilometern unsere Liebe zu den Bergen anständig und kräftig ausgelebt. Die Wellenlänge hat eindeutig gepasst. Und jetzt, zum Abschluss meiner Nachbetrachtung, eröffnet sich gerade wieder ein grandioser Blick in die Lechtaler Alpen …

Vielen Dank, lieber Axel! Komm gut nach Wien. Vielen Dank auch an die anderen Mitwanderer Iga, Laszlo, Manu, Marc und Michi F., welche ich alle als liebenswerte Menschen kennen gelernt habe. Jeden auf seine Art.

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PS: Als Nachtrag noch der (Bier-)Tipp des letzten Juli-Drittels am Weitwanderweg 01. Einerseits wird im Tiroler Unterland ein hervorragendes Huber-Bräu aus St. Johann ausgeschenkt. Man kann sozusagen getrost “A Hoibe Huba” (!) bestellen. Andererseits gilt im Salzburger Land: immer nach der S-Klasse Ausschau halten: Stiegl. Wohl bekomm’s!

PPS: Keine Blasen.“

 

Michi F. (36 Jahre, mitgewandert von Lofer bis Werfenweng)

Der heilige Jakob am Berg

Letztes Jahr im Herbst war ich Jakobspilger. 800 lange Kilometer in 28 Tagesetappen, von den Pyrenäen nach Santiago de Compostella. Zu Fuß, Wanderung00_MichiFAmHPversteht sich. Die Erleuchtung will schließlich verdient sein.

Erlangt hab ich sie trotzdem nicht. Drei Dinge aber habe ich unter anderem am Jakobsweg gelernt: erstens, beurteile niemanden nur aufgrund seines Aussehens oder seines augenscheinlichen Alters; zweitens, teile dir den Weg zu einem weit entfernten Ziel gut ein und überschätze dich dabei nicht; und drittens, glaub ja nicht, dass Frauen weniger schrecklich schnarchen können als Männer.

Nein, keine Erleuchtung, nur ein wenig mehr Reife hat mir der Jakobsweg gebracht. Ein paar einfache Erkenntnisse über mich selbst, die Menschen und das Leben an sich. Und ein paar magische Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Wieder zuhause war der Alltag schnell wieder da. 60-Stunden-Woche, Großstadt-Hektik, Lifestyle-Hedonismus, alles wie gehabt. Geblieben ist die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach Kontemplation auf langen Wegen.

Axel pilgert nicht, er wandert. Sagt er. Ohne große Erwartungen hat er sich einfach aufgemacht und geht von Bregenz nach Wien. Für die Österreich-Werbung. Nachzulesen täglich neu im Internet. So erzählt er es zumindest mehrmals am Tag all den fremden Menschen, die ihm am Weg begegnen. Die staunen dann zumeist und die Frage nach dem Warum wird erst gar nicht gestellt. Aber er erzählt es niemals ohne einen gewissen Stolz, und das lässt vermuten, dass es vielleicht doch nicht einfach so einfach ist, dass vielleicht doch mehr dahintersteckt als der Sommer-Job eines freien Journalisten im Web 2.0 Zeitalter.

5 Tage hab ich Axel bei seinem „Projekt“ begleitet. Von Lofer über Maria Alm bis nach Pfarrwerfen. Durch wilde Schluchten und über grüne Almen, durch das Steinerne Meer und entlang des Hochkönig-Massivs.

5 Tage volle Kanne Österreich, seine Berge und den damit verbundenen Tourismus, oder Fremdenverkehr, wie es früher einmal hieß. 5 Tage Speckbrot und Kas´pressknödel, Buttermilch und Soda-Radler, Lederhosen und Dirndlkleider, spartanische Alpenvereinshütten und Berghotels mit Vollausstattung. Das klingt zwar auch nicht nach Erleuchtung, doch auch hier gab es sie, die magischen Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Das Glühen der Berge, wenn die Sonne untergeht; der grenzenlose Blick auf schneebedeckte Gipfel in weiter Ferne; der frische Schluck aus eiskalten Bächen; Sterne, die ungestört vom schmutzigen Licht der Städte vor sich hin funkeln, dass einem der Mund offen stehen bleibt; die treuen Augen des besten Hundes der Welt (Niko Poldi, ich liebe dich auch!); tiefgehende Gespräche mit den Wanderkollegen (wenn auch nach mehreren Runden Schnaps). Tourismus (fast) ohne Hedonismus, Kontemplation im wahrsten Sinne des Wortes, weil hoch über dem Meeresspiegel. Nach diesen 5 Tagen bin ich mir jedenfalls sicher: Axel wandert nicht nur. Er pilgert doch. Spätestens am Ziel seiner Reise wird er das auch wissen.

Boun Camino, lieber Axel! Dein Michi F.“

Tag 32 (1.8.2009): Lungötz – Scherlreith – Pommer Parkplatz – Stuhlalm – Theodor Körner-Hütte – zurück zur Stuhlam. Ganztags sonnig, sehr heiß, abends bewölkt, die angekündigten Gewitter blieben schon wieder aus. Ich wählte den kürzesten Weg von Lungötz zur Körner Hütte, wo ich schlussendlich eh keinen Platz bekam (dazu muss man sagen: Ich hatte zwar reserviert, aber aufgrund der Ruhetagsverschiebung von Lungötz nach Bad Goisern war ich einen Tag zu früh dran) Gut, dass auf der fünf Minuten entfernten Stuhlalm noch Platz war. Wie alle praktischen Dinge war auch dieser Weg zweckdienlich kurz, aber nicht erstrebenswert schön, weil viel Forststraße. Viereinhalb Stunden unterwegs, davon knapp vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Auf der Stuhlalm kommt der Kaiserschmarrn mit marinierten Erdbeeren. Ja, das ist ebenso lecker wie es ungewöhnlich klingt.

Die klitzekleine Blase (linke große Zehe oben) kann sich nicht zum Durchbruch entscheiden. Sieben Zigaretten geraucht, zwei Achterl Wein gezwitschert. Hund Niko Poldi durfte gestern ganz ausnahmsweise im Lager der Stuhlalm schlafen. Und obwohl da drei leere Matratzen gewesen wären, blieb er die ganze Nacht im ihm zugewiesenen Holzboden-Eckerl. Braaaver Niko!

Wanderung32_Abschied



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 Axel Halbhuber am 03.08.2009  |   2 Kommentare

Good bye, Tirol! Tag fünfundzwanzig.

Seit gestern bin ich in Salzburg. Tirol war 18 Tage lang und wunderbar. Zeit, auf das Vergangene zurückzuschauen.

Tag 25 (25.7.2009): Loferer Alm – Wasserfallweg – Loderbichl – mit der Gondel nach Lofer. Bewölkt mit Leichtregen-Schauern. Und noch immer kein gänzlich trockener Wandertag seit 1. Juli. Eineinhalb Stunden bergab gewandert, zehn Minuten zu Tal gefahren, eine Stunde Besorgungen erledigt. Tipp des Tages: Wer einen Weg geht, der Wasserfallweg heißt, kann unmöglich an der Stelle vorbeirennen, die dem Wasserfall am nächsten ist. Im Gegenteil: Rucksack runter und hinter den Wasserfall gehen, so muss das sein. Die Blase an der rechten Ferse ist ein Spaziergang. Dreizehn Zigaretten geraucht, kein Alkohol.
Hund Niko Poldi zahlte im heutigen Quartier (dem wirklich empfehlenswerten, weil wunderschönen, von freundlichen und sehr hilfsbereiten Menschen geführten Haus Dankl in Lofer) vier Euro. Dafür gab es heute Dosenfutter für ihn. Er genoss es лучшие лилии.



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 Axel Halbhuber am 27.07.2009  |   7 Kommentare

Tag siebzehn ohne Worte.

Ich habe erzählt, wie schön das Karwendelgebirge ist.
Jetzt zeige ich es her.

Tag 17 (17.7.2009): Eng – Binsalm (völlig ungeplanter 40 Minuten-Aufenthalt, weil die Chefin so nett ist) – Binssattel – Gramaialm – Falzthurn – Pertisau – Maurach (zehn Minuten mit dem Bus). Sonne, Bewölkung, Nieselregen, abends Heavy Metall-Regen. Acht Stunden unterwegs, davon gut fünf auf den Beinen. Tipp des Tages: Nach drei Tagen Gebirge ist die Schotter- und Asphaltautobahn von der Gramaialm nach Pertisau wie Fegefeuer. Gehen Sie das nicht, fahren Sie mit dem Bus.
Die drei bösebösen Blasen (zwei große Zehe links, eine Zeigezehe rechts) bekomme ich in den Griff. Zwölf Zigaretten geraucht (in Europas größtem Almdorf Eng akzeptiert man allerlei Bankomat- und Kreditkarten).

In eigener Sache: Wer fährt dieser Tage zufällig von Wien Richtung Tirol und kann den großartigen Hund Niko Poldi, den ich sehr vermisse, mitnehmen?



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 Axel Halbhuber am 18.07.2009  |   3 Kommentare

Über die alpine Gleichheit des Menschen. Ruhetagsrückblick.

wanderung8_hollanderBerge sind in Stein ruhende Toleranz. Sie hüpfen weder mit Demonstrationsplakaten noch vor Parlamenten herum, sie maßregeln die Intoleranten nicht. Sie sind einfach. Und sie sind tolerant. Auf eine derart unprätentiöse Weise, Lessing muss seine Ringparabel in den Bergen geschrieben haben. Es ist den Bergen völlig wurscht, wer auf ihnen latscht. Wer von ihnen fällt oder sich mit ihnen rühmt. Wer auch immer sie bezwingen mag, die Berge merken gar nichts von diesem Kampf. Sie müssen sich nicht einmal rühren, um solche Menschen abzuwerfen.

Das färbt ab. Auch die Menschen werden in den Bergen gleicher. Der eine ist farbig, der andere Zimmermann. Die eine hat Geld, die andere schon drei Achttausender bestiegen. Sie sind alt oder viel zu jung. Siehe Memminger Hütte. Da übernachteten vergangenen wanderung10_vorderedremelscharte5Mittwoch rund 120 Menschen. Ja, das ist eine Menge: Auf dieser Hütte kreuzen sich der Europäische Weitwanderweg 4 (der in Österreich entlang meines Weitwanderwegs 01 verläuft) und der E5: Oberstdorf-Meran in sechs Tagen. Und wie soll ich sagen: Die Wiener Südosttangente ist dagegen wenig befahren. Nein, ich weiß auch nicht, ob es eine echte Gaudi ist, im Gänsemarsch die Alpen zu überqueren, da müsste man Hannibal fragen. Aber das ist jetzt gar nicht das Thema.

Das Thema sind zum Beispiel die vier hannovanischen Jugendkinder zwischen 10 und 19, die spät abends, waschelnass die Memminger erreichten. Ich kannte die Gesichter, sie waren am Vorabend auch in Bach (Lechtal). Dort hatte ich mir schon Geschichten zu ihnen überlegt: Pfadfinder, Jungschar, wanderung10_anhalterhuttehelmutmit den Eltern in Urlaub und für zwei Tage auf Erkundungstour. Für etwas Aufregenderes hatte die Szene nicht gereicht, ein Zehnjähriger, eine Dreizehnjährige, ein Bursche und ein Mädchen, die beide wie sechszehn aussehen, alle mit Rucksäcken, an denen Blechhäferl baumeln. Auf der Memminger erzählte mir Julia, dass sie 19 und wie die Lage wirklich ist: „Die beiden Kleinen und ich sind Geschwister, er (der tatsächlich 16jährige) ein Freund von uns. Wir gehen einen Monat, bis Verona.” Auf meinen geistesverwirrter Blick gepaart mit dem gestammelten Wort „Eltern” sagte sie weiter: „Ich musste sie fast ein halbes Jahr überreden.” Ja, aber, äh, ich meine, na sag mal, bearbeiten 19jährige Mädchen ihre Eltern sonst nicht eher wegen einer USA-Reise, einer Schauspielausbildung oder eines wanderung10_anhalterhuttechristoffesten Boyfriends, der in einer Dark-Heavy-Gothic-Metal-Band spielt? „Ja sicher. Aber die Berge sind doch toll.” Julia sagte das wie nebenbei.

Die anderen Jugendlichen auf der Memminger waren aus sozial schwierigen Verhältnissen, auch auf dem Weg über die Alpen und Protagonisten einer arte-Doku. Dem dazugehörigen Kamerateam gehörte auch ein Farbiger an. Der plauderte lange mit den beiden ellenlangen, drahtigen Holländern, die vor dem Essen Schach auf der Hütte spielten und danach von ihrer Wanderung erzählten: Amsterdam-Rom. Warum? Warum nicht! Die beiden waren an dem Abend die Surferboys und wurden auch so umschwärmt. Nur die beiden Rumänen schauten nicht verliebt auf sie, ich glaube, die wollten ein wanderung11_geretteteinnsbruckerbisschen von der Ehrerbietung haben. Aber mit „sechs Tage durch die Lechtaler” eroberst du auf der Memminger bestenfalls den Kameramann von arte. Das muss die beiden Rumänen demotiviert haben, denn am nächsten Tag wollten sie auch bis zur Steinsee Hütte, aber abends habe ich sie dort nicht mehr gesehen. Egal, ich unterhielt mich dort stattdessen sehr eingehend und intelligent mit dem Deutschen über den Zustand des Journalismus. Was er denn mache? „Ganz einfach erklärt: Zimmermann.” Er ging am folgenden Tag klettern und reagierte auf meine Sorgen über ausgesetzte Höhenwege wie die meisten: mild, aber mit ein bisschen „kein Problem”.

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Bei Hosenschissern wie mir stößt nämlich selbst die montane Toleranz an ihre Grenze, siehe Alois. Dabei habe ich es so klar gesagt: Ich gehe wandern. Das ist in meinem Gedankenlexikon: „Wandern, das. Begehen der Berge auf Wegen, die wanderung11_romanschaferhuttePlatz für beide Füße bieten und aufrechtes Stehen und Gehen erlauben.” Punkt punkt punkt! Und was soll ich sagen: Der Freitag Abend auf der Anhalter Hütte gab mir auf traurige Art recht. (Wo ich übrigens ein vergnügliches Dinner mit den beiden Schwaben Helmut und Christof hatte, die zwei sind Freunde und ehemalige Kollegen, aber in manchen Dinge so unterschiedlich, dass das Gespräch etwas von Kabarett hatte, da Helmut der pragmatische Familienmensch mit ausgeprägter Konsensneigung, dort der investigative No-Kids-Fan Christof mit dem Drang zum widersprechenden anderen Standpunkt) Die unglaublich lebensfrohe und freundliche Hüttenwirtin Carmen (es geht nicht anders: Prädikat abgedrehte Nudel) ist Hamburgerin und vor 21 Jahren wegen eines Pitztalers nach Tirol gezogen. Die Fotos von ihm, mitten im Speisesaal, zeigen den Vollbärtigen als echten Alpinisten, wie ein Double von Reinhold Messner. Auf hohen Gipfeln steht er, das mutig Alpinistische ihm ins Gesicht geschrieben. Unter einem Foto steht „2002″ und „Lawine”. Da hörte ich zwischen all dem Menschenlärm im Saal die Radionachrichten: „Nanga Parpat” und „Österreicher vermisst”. Und der tolerante Hosenschisser in mir dachte sich: Mit mir nicht, liebe Berge, nur mit den Anderen, nicht mit mir! Auch weil er in diesem Moment noch nicht wusste, dass er am nächsten Tag ungewollt und verzweifelt in einem Erdhang hängen und die Berge sagen hören wird: „Anders? Ha, ihr seid doch alle gleich!”wanderung11_tarrentonalmmenschen

(Anmerkung: Die Menschen auf den Fotos zeigen nicht unbedingt die Protagonisten der Geschichten. Weil einerseits nicht alle davon plakativ dargestellt werden sollen. Und weil die Fotos anderer Menschen, die ich treffe, auch Geschichten haben. Solche, die man nicht gar nicht erst beschreiben muss.)

Ruhetage 2 und 3 (12. und 13.7.2009). Hotel Cube (erfrischend anders, wenn auch mit Schönheitsfehlern) in Biberwier: Zimmer – Frühstück – Lobby mit WLAN – Sonnenterrasse mit Blick auf die Zugspitze – Waschraum mit Trockner – Bar – Zimmer. Tipp des Tages: Wenn die Waschmaschine nicht funktioniert, ärgere dich nicht alleine. Sondern mit dem hessischen Pärchen ohne hessischen Akzent. Keine Blase mehr (!), zu viele Zigaretten geraucht, einige Achtel Rotwein getrunken, Zeit wieder auf den Weg zu kommen.
Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Bist du schon wieder fit? Wie wäre denn dein Comeback in Kufstein?

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 Axel Halbhuber am 14.07.2009  |   Keine Kommentare

Zeitenblicke

Der erste Rasttag war in Lech und eigentlich nicht notwendig. Denn, tatusch: Es geht mir blendend! Keine Blasen, intakte Gelenke, weniger Schmerzen als bei einer Niederlage der Vienna. Und genau das ist der richtige Zeitpunkt, denn wenn man es soweit kommen lässt, dass man einen Ruhetag unbedingt nötig hat, reicht einer allein eh nicht mehr aus. Nur nicht übergehen!

Noch drei Vorteile brachte dieser herrliche Rasttag in der herrlichen Hotel-Pension Roggal mit ihren herrlich netten Gastgebern: eine Badewanne, eine Massage und ein bisschen Zeit, via Fotos auf den Weg zurückzuschauen. (Nur ausnahmsweise, denn an sich ist dieser Einbahnwanderung so toll, weil der Start immer im Rücken und das Ziel immer vor den Augen, also nix mit Weg nochmal gehen und sehen.)



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 Axel Halbhuber am 06.07.2009  |   13 Kommentare