G’schichtln aus dem Wienerwald. Tag achtundfünfzig.

Wanderung58_ArnsteinhöhleIch muss das hier einfach loswerden: Umso tiefer man in den Wiener Speckgürtel eindringt, umso näher man dieser Stadt kommt, desto mehr riecht das Leben nach Alltag. Mit allem was dazu gehört. Jawohl, ich darf das sagen, ich bin schließlich Vollblutwiener: Ich stehe auf urige Heurigen, bekomme beim Singsang der choralen Matrosenknaben feuchte Augen und habe schon mal am Naschmarkt Obst gekauft, dessen Namen ich nicht aussprechen kann. Wien, du liebst mir und ich liebe du. Das wissen wir beide. Aber gerade eben clasht mich deine Kultur ganz gewaltig.

Natürlich kann ich das nicht objektiv belegen, da brauchen Sie gar nicht erst weiterzulesen. Wie immer liegt es im subjektiven Detail: In Telefonaten (die jetzt übrigens wieder dauerhafter möglich sind, da wären wir beim ersten Punkt) geht es plötzlich zum Beispiel um Kleidung. Gewand. Stil beim Anziehen. Da kann man sich eh schon denken: Ich habe es in den vergangenen Wochen ganz großartig genossen, von meinen drei Leiberln, Boxershorts und Sockenpaaren Wanderung58_VorMayerlingeinfach immer die anzuziehen, die am wenigsten streng rochen. Der Stil spielte da eine Rolle so untergeordnet wie ein Sadomaso-Sklave.

Dann werden die Menschen, naja sagen wir: organisierter. Hält der Termin eh? Hatten Sie noch was aus der Minibar, ah ja Mannerschnitten, macht noch eins zwanzig bitte? Schick‘ mir das per Mail? Ich plane jetzt auch so eine Wanderung, wie kommt man denn zu Sponsoren? Irgendwie schlägt mir das alles auf den Magen. Nicht dass ich gleich einen Kübel brauche, aber hätten Sie wenigstens ein kleines Sackerl? Sie können es mir auch per Mail schicken. Aber kommen wir zu Schönerem: Die unfassbare Romantik des Wienerwalds.

Den zu durchwandern ist nun tatsächlich eine Wonne. Ich tat das heute mit der sehr lieben Freundin Susanna und ihren großartigen Kindern Hannah und Philip, dem schon gestern ausgelobten Friedrich Fritz und einem Mitwanderer, den ich hier anonym sein lasse. Er verkörperte für mich nämlich eben das Wienerische, wegen dem ich mir gerade überlege, ob ich nicht vielleicht etwas Wichtiges in Bregenz vergessen habe. Ach so ja, Romantik: Peilstein, Ruinen, Höhlen, Helenental, Mayerling, Gott ist das alles hübsch, spazieren Sie da auch mal durch!

Ich muss noch was zu Wien sagen: Bitte, meine geliebte Heimatstadt, die ich nie tauschen würde, komm mir nicht ganz so, wenn ich dich morgen wieder betrete. Nimm mich in deine schönsten Arme und streichle mir durchs Haar. Halte deine charmante Urbankomik noch ein bisschen fern, schick deine Großstadtseite auf die Donauinsel und gib mir ein, zwei Tage. Möge dein großartiger Grant mich noch ein paar Tage verschonen und deine liebenswert schlitzohrige Geschäftemacherei mich übersehen. Begrüße mich mit „Derfs a bisserl mehr sein“ und „Nur kane Welln“, sonst muss ich mich noch amoi ein bisserl über die Heisa haun. Bussi, ich freue mich auf dich.

Wanderung58_FritzNikoAxelPhilipTag 58 (27.8.2009): Weissenbach an der Triesting – Peilsteinhaus – Mayerling. Sonne und recht trockene Hitze. Das ist echtes Wanderspazieren, für die Augen, für die Beine, es ist schön. Für Kinder, Familien und Genießer. Sechs Stunden unterwegs, davon dreieinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Mit Kindern gehen, die schauen sich das anders an.

Keine Blase. Neun Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Hund Niko Poldi feierte heute sein zweites Comeback. Er will weitergehen, allerdings bei tieferen Temperaturen. Heute legte er sich zur Kühlung in eine Gatschlacke. Aber er sah so zufrieden aus, was soll ich tun?



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 Axel Halbhuber am 28.08.2009  |   6 Kommentare

Habemus Fritzam. Tag siebenundfünfzig.

Wanderung57_FritzMessradNatürlich hatte ich ein bisschen Angst vor dem Tag. Oder sagen wir: Respekt. Dem Tag, an dem Friedrich Fritz Peterka in mein Leben und mit mir auf den Weg treten würde. Ganz genau: Der Friedrich Fritz, der von einigen als Weitwanderpapst bezeichnet wird. Weit-Wander-Papst. Beim Frühstück schepperte mir das Händchen bis zum Zertrümmern des Frühstückseies. Die Füße schmierte ich mir mehrfach mit der Ringelblumensalbe ein (ich bin von Hirschtalg umgestiegen, nein ohne Grund, es gab lediglich keine Hirschtalgsalbe mehr. Naja, Ringelblumen zieht schneller ein, riecht aber besser) und zurrte das Schuhwerk besonders fest. Ich startete zu meinem Tag mit dem Mann, der im Guinness Buch der Rekorde steht: alle zehn österreichischen Weitwanderwege in 143 Tagen. Der Mann, der mir seit Beginn der Wanderung genau auf die Füße geschaut hat und durchaus kritisch kommentierte. Dieser vorvorletzte Tag würde meine Reife besiegeln, oder mein Scheitern.

Friedrich Fritz stieg aus dem Zug. Leichter Rucksack, Wadeln wie Turbolader und ein Messrad in der Hand. Dazu muss man sagen: Friedrich Fritz geht mit mir, um die Weg01-Variante nach Wien fertig zu vermessen. Denn er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, rotweißrote Wanderwege genau zu erfassen. Später sollte ich noch bemerken: Friedrich Fitz schreibt alle Daten in Tabellen, mit Höhenmeter und der Temperatur, mit genauer Gehzeit und wahrscheinlich auch Wanderung57_FritzBeimAufzeichnenmeinem äußerlichen Zustand. Natürlich machte mir Friedrich Fritz Angst. Wir marschierten los, er hinter mir. „Ich gehe mein Tempo, kümmere dich nicht.“

Ich trabte los, gestochen vom Hafer des Ehrgeizes, Friedrich Fritz im Rücken. Und nach wenigen Metern brach das Eis, weil es fast 30 Grad hatte vielleicht, ich glaube aber deswegen: Friedrich Fritz sagte trocken: „Ich werde ein bisschen langsamer gehen.“ Ich unterdrückte meinen persönlichen Jubel, zog innerlich aber die Lampionbeleuchtung auf. Ich fühlte mich wie der ehrfürchtige Knabe nach der Firmungswatschen, der höchste Hirte hatte mir soeben die Absolution erteilt. Klingt lächerlich? War es auch.

Weil Friedrich Fritz nicht nur ausgesprochen wettkampflos wandert, sondern auch einen weiten Horizont hat. Ich gebe es ja zu: Ich dachte, dieser Mann hat etwas Belehrendes und vor allem kein Verständnis für einen wie mich, der vor acht Wochen rauchend und trinkend, untrainiert auf diesen Weg aufbrach. Der sich mal mit dem Auto mitnehmen lässt, um ein paar Asphaltkilometern zu entgehen. Der den Satz „Das Wichtigste am Gehen ist das Stehen“ zum obersten Credo erhoben hat. Friedrich Fritz hat mir die Blödheit solcher Vorurteile vor Augen geführt, als ob er Lessing den Nathan diktiert hätte. „Ich finde es schön, Wanderung57_FritzRastetdass Du als Junger das Weitwandern wieder einmal bekannter machst.“ Spricht so ein Verbissener?

Warum ich das erzähle? Weil es wirklich schön ist, wenn zwei mit unterschiedlichen Motivationen einen Weg gehen. Einer mit Messrad, einer mit dem Lenz. Weil es wirklich schön ist, dass Friedrich Fritz sich dem Wandern derart verschrieben hat, als Papst aber noch immer mit einem kleinen Schäfchen reden kann. Weil wir beide Fremden heute etwas gemeinsam gemacht haben, obwohl wir uns so unähnlich sind. Ich behaupte: Dieses Gefühl für gelebte Toleranz bringen einem die Berge bei. Weil ehrlich: Das klingt schon ein bisschen nach Patentrezept.

Tag 57 (26.8.2009): Waidmannsfeld – Hohe Mandling – Waxeneckhaus – Auf dem Hals – Auf der Wurzen – Weissenbach an der Triesting. Sonne und feuchte Wanderung57_PilzVorMarkierungHitze. Man merkt nun deutlich, das Hochgebirge ist zu Ende: Waldwege, Wiesen und viele Föhren. Sehr idyllisch. Knapp sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Leben und leben lassen.

Keine Blase. Dreizehn Zigaretten geraucht, ein Achtel Rotwein (Zum Wildragout in meinem Herbergsgasthaus. Übrigens das erste Glas Rotwein, das ich mit zwei Fliegen darin serviert bekam. Nun ja.) Morgen kommt der Niko, lalalalala. Ich freu‘ mich auf Hund Niko, lalalala.



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 Axel Halbhuber am 28.08.2009  |   5 Kommentare

Manchmal muss man alleine sein. Tag sechsundfünfzig.

Wanderung56_SonnenaufgangFischerhütteSoll ich Ihnen was sagen: Bislang haben mich 32 Menschen beim Wandern begleiten. Und zwei Hunde. Das ist schier unfassbar. Weil mir auf diese Art 32 Menschen gezeigt haben, dass sie auch gerne Wandern. Dass sie meine Leidenschaft teilen. Dass meine Begeisterung sie begeistert. Und genau das ist es: Freude an derselben Sache. Menschen um sich zu haben, die über die gleichen Witze lachen. Bei denselben Filmen weinen. Den Sonnenuntergang genau so berührend finden. Den Weg genau so beschwerlich, den Ausblick ebenso schön. Menschen, die kommentieren wie Michi H.: „…am Schneeberg dann. Beim Kaiserstein. An der letzten großen Klippe vor Wien. Wanderung56_KaisersteinBlickWienGanz an der Kante draußen. Schneebergdörfl und Puchberg unten ganz klein. Das Wiener Becken verschwommen im morgendlichen Dunst. Der letzte, weite(!) Blick zurück auf’s VerGangene…“

Ich stand genau da. Schaute zurück, sah bis zum Hochschwab. Schaute vor, sah da ganz vorne Wien. Als ich auf dieser Klippe stand, am viertletzten Wandertag, wurde mir anders. In mir rührte sich Entschlossenheit, dabei wollte ich Rührung. Ich erwartete eine Träne. Ich stand wie versteinert da, die Augen weit offen. Aber Tränen lassen sich nicht zwingen. Dass wir uns richtig verstehen: Alles war stimmig, ich freute mich auf die vor mir liegenden Mamauwiese, Dürre Leitn, Öhler und Plattenstein. Alles gut 1000 Höhenmeter Wanderung56_AufFadensteigtiefer als mein Standort. Es ging mir gut, aber die Rührung mir fehlte wie der Suppe das Salz. Hallo! Träne!!! Sie ließ sich nicht zwingen.

Ich atmete durch und machte mich an den letzten langen Abstieg. Machte mich daran, wieder einmal einen Tag lang alleine zu gehen, mit niemandem zu reden. Mich hinzusetzen, wo mich der Hintern auf den Boden zieht. Und vor allem: Mich nur auf mich zu konzentrieren. Es gelang mir nicht gleich, mir schoss ein Email von Mitwanderin Steffi ein: „…das Glücks- und Hochgefühl, wenn man sein Ziel erreicht hat, ist unbezahlbar – was red ich, Du kennst es ja und Du wirst es bald in tausendfacher Ausführung erleben. Als Ingrid und ich im Auto Richtung Wien saßen, stellte sich bei uns sowas wie, hmm, Wehmut ein. Und es war ganz seltsam plötzlich wieder in die Stadt zu kommen. Wir wären eigentlich lieber in Wanderung56_ErstesEdelweißden Bergen geblieben. Danke, schön war’s.(Auch wenn dieser Satz schon oft verwendet wurde, er trifft es doch.)“

Plötzlich war mir klar, warum ich wieder einmal allein sein sollte. Wollte. Um dieses Gefühl wieder zu erleben, pur und unverdünnt. Meinen Blick aufs Glück wieder zu schärfen. Da lag es doch: Wien, das Ziel, das Ende einer langen Reise. Nur auf mich und mein Gefühl zu fokussieren, nicht auf das, was Mitwanderer sehen. Nicht die Ausblicke bewundern, die sie bewundern. Selber schauen. Ich roch also an Blumen. Blieb stehen, wo es mir gefiel. Und dann tatusch: Am Öhlerschutzhaus aß ich ein Würstel. розовые герберы Und nach zwanzig Minuten fiel mir auf, was sich da als Topfpflanze vor mir räkelt und was ich die ganze Zeit nicht gesehen hatte: Edelweiß. Edelweiß, das ich mir auf meiner Wanderung so lange wünschte und nie gesehen hatte. Ich schmunzelte über die List des Schicksals.

Wanderung56_PlattensteinEine Stunde später erreichte ich die geschlossene Gauermann Hütte. Die direkt neben dem felsigen Plattenstein-Gipfel liegt. Da war kein Mensch, weit und breit nicht. Ich setzte mich zum Gipfelkreuz, blickte Richtung näher gerücktem Wien. Schaute ins Tal, das tief unten an der Felswand lag. Spürte die Sonne auf meiner Haut brennen. Inhalierte die wolkenlose Luft und die Stille. Ich wusste genau, dass ich mich wieder einmal in einem der Momente befinde, die man niemandem vermitteln kann. Nicht mit Bildern, nicht am Telefon, schon gar nicht mit Worten. „Macht gar nichts“, sagte ich leise. Und wischte mir die Träne von der Wange.

Tag 56 (25.8.2009): Fischerhütte – Fadensteig – Dürre Leitn – Mamauwiese – Öhlerschutzhaus – Plattenstein – Ungerberg – Frohnberg – Waidmannsfeld. Sonne und trockene Hitze. Da der Weg nach dem Fadensteig aber großteils durch den Wald ging, ein herrliches Wanderwetter und schöne Lichtspiele. Sieben Stunden unterwegs, davon knapp sechs auf den Beinen. Wanderung56_WaldSchönTipp des Tages: Einerseits der Kaiserstein oberhalb der Fischerhütte. Andererseits der Plattenstein neben der Gauermann Hütte. Orte, um zu sich zu finden.

Keine Blase, da kommt auch keine mehr. Sieben Zigaretten geraucht, kein Alkohol (Wie auch, so alleine in Waidmannsfeld, wo es keine Lokale gibt, die offen hätten. Ich habe mir also eine Pizza aus Pernitz liefern lassen. Die erste Pizza seit langem. Mit Schinken, Salami, Pfefferoni, nah Sie wissen eh, so auf Rusticana-Style. Hieß aber Pizza Roberto. Egal.) Und, lieber vermisster Hund Niko Poldi: Du hättest auch eine Pizza bekommen. Con Carne per Cane.



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 Axel Halbhuber am 27.08.2009  |   Ein Kommentar

Weil der Mensch zählt. Tag fünfzig.

Wanderung50_HelgaNikoAxelWas ich am meisten vermissen werde? Immer neue Menschen zu treffen, mit immer neuen Geschichten. Sie auf dem Berg zu erleben, in dieser Einheitssituation, wo du nichts verstecken kannst. Nicht vor dir und nicht vor den Anderen. Mit jedem Meter, den ich Wien näher komme, wächst meine Erkenntnis, dass es die erlebten Menschen sind, die meine Wanderung so einzigartig und daher schön machen. Mir ist das wahrscheinlich auch heute umso bewusster, weil mich zu Mittag Mitwanderer Helga und Ferdl verlassen haben. Und wenn man wieder einmal alleine geht, sieht man die Umwelt durch eine andere Brille. (beachte: Text-Bild-Einklang, grins)

Wanderung50_PfaffingalmAuf der Pfaffingalm, am Weg zum Hochschwab, haben wir zum Beispiel niemanden getroffen, die Menschen waren zum Einkaufen ins Tal abgestiegen. Aber einen Zettel haben sie hinterlassen: Durstige Wanderer mögen sich selbst bedienen. Soviel Mensch begegnet mir daheim oft nicht einmal in der knallvollen U-Bahn.

Eine Stunde später kamen meine Mitwanderer und ich nicht aus dem Staunen, als der Kärntner Walter uns erzählte, diesen meinen Weg gerade von Ost nach Wanderung50_AndrothalmWest zu gehen. Um abzunehmen. 25 Kilo wolle er loswerden, weshalb er nichts esse. Seit neun Tagen nichts außer Suppen. Auf unsere schnöden Zweifel reagierte er mit wirrem Lächeln. Er schien uns eigen. Ihm war das egal. Er bestellte sich eine „ordentliche Brettljause.“

Auf dem Sonnschien Haus trafen wir dann zwei Paare, eines aus Graz, das andere aus Wien. Die wohnen bei mir ums Eck. Wir sprachen also über das Leben im Allgemeinen und Strebersdorfer Grätzlpolitik im Speziellen. Am nächsten Tag ergab sich aus uns allen eine Quasi-Wandergemeinschaft hin zum Hochschwab. Nein, nicht Cluburlaub, sondern ungezwungen.

Wanderung50_BlindEin menschliches Highlight war der Voisthaler Hüttenwirt Hans. Den hatten mir alle Nachbar-Hütten-Bosse und Insider als so Hunde-unlieb geschildert, dass er „sogar Zwinger vor der Hütte aufgestellt hat. Dem Hans (sprich: Hauns) kommt ka Hund in die Hüttn.“ Wie soll ich sagen: Hans, der vermeintliche Hundefresser vom Hochschwab, und ich haben das ausgeredet. Und Hunde wie Niko Poldi lässt Hans sogar im Zimmer auf dem Boden schlafen. Aber er kennt Geschichten, der Hans: von Hunden, die vom Tisch essen und Besitzern, die das verteidigen. Von trächtigen Dalmatiner-Hündinnen, die ihre Jungen auf dem Hochschwab werfen und Besitzern, die sie eben dorthin schleppen. Ich finde, Hans ist ein Michel. Ein ganz gerader.

Am Morgen machte sich übrigens ein blinder Mann am Arm seiner sympathischen Frau auf zum Hochschwab. Schlicht beeindruckend. Wir haben Wanderung50_HelgaFerdlhingegen den Weg ins Tal in Angriff genommen. Wir, das waren im konkreten Fall Helga, Ferdl, Niko Poldi, ich und die zwei Hollabrunner, die wir kennen gelernt hatten. Der eine heißt Franz und ist der Onkel des Exfreundes meiner Katrin. Solche Zufälle lassen mich natürlich längst kalt, aber auf der Voisthaler Hütte wusste ich ja auch noch nicht, dass ich zwei Tage später in Neuberg Wiener treffen werde, die bei meiner Mama ums Eck wohnen. Die eine heißt Elisabeth und war meine Kindergartentante.

Zu Mittag trennte ich mich schweren Herzens von den so lieb gewordenen Mitwanderern Helga und Ferdl. Es ist mir nämlich höchst zuwider, solch freundliche, jugendliche und wertvolle Menschen ziehen zu lassen, wenn ich sie einmal gefunden habe. Helga schickte post Trennung folgendes Mail:

„Hallo Axel!

Der Steffel ist nicht mehr fern. Nachdem Du auf den beiden letzten Etappen Wanderung50_Benedikteinen fachkundigen Wanderbegleiter hast, der Dich vorantreibt, wobei nur kurz links und rechts geschaut wird, die Bilder im Gehen geschossen werden, wirst Du bald am Ziel sein. Spaß beiseite, es ist völlig wurscht, ob Du fünf Stunden früher oder später ankommst, Hauptsache, Du hast Freude, so wie wir, die wir von Admont bis zum Seeberg mitgewandert sind.

Ferdinand und ich haben zwar das Durchschnittsalter Deiner Mitwanderer erheblich in die Höhe geschraubt, man sieht aber, auch im „Alter“ kann man fit sein. Uns hat‘s richtig gefreut!!! Wenn ich mich zurückerinnere an meinen Weitwanderweg 01, den ich im Jahr 2004 beendet habe, muss ich sagen, der bewegendste Moment war, als wir am Freschen gestanden sind und in der Ferne unser Ziel, den Bodensee, gesehen haben. Uns sind vor Freude die Tränen gekommen. Ich glaube, Dir wird es nicht anders ergehen, wenn Du die Ortstafel WIEN erblickst.

Ich wünsche Dir für die restlichen Tage nur Sonnenschein, denn Regen hast Du schon genug genossen.

Gib Niko eine Sonderstreicheleinheit von mir, er hat sichs verdient!!!

Liebe Grüße, Helga“

Am Ende des Tages wurde ich herzlich von den Wirtsmenschen des Graf Meran Hauses aufgenommen. Die machen durch ihre Art wett, dass es wegen des Umbaus da oben derzeit kaum Wasser und Strom gibt. Und der zwölfjährige Benedikt begleitete mich zum Gipfel der Hohen Veitsch. Er schnappte sich das Gipfelbuch und schrieb: „Hier ist Friede und Liebe sicher“. Das sei von ihm. Und als ob es ihm seine kindliche Weisheit befahl, ließ er mich damit alleine. In der Stunde bis zum Sonnenuntergang ging mir dann einiges durch den Kopf. Was genau? Wertvolle Leserin und Leser, das geht nun wirklich niemanden etwas an. Denn solche Momente gehören einem ganz alleine.Wanderung50_Sonnenuntergang

 

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Tag 50 (19.8.2009): Voisthaler Hütte – Reitsteig – Florlhütte – Seewiesen – mit dem Auto zum Bankomat nach Turnau und zurück zur Seeberg Alm – Göriacher Alm – Turnauer Alm – Rotsohl Alm – Teufelssteig – Graf Meran Haus. Nebel, Sonnendurchbruch , Sonne pur. Und rechtzeitig zum schönen Sonnenuntergang auf der Hohen Veitsch (ganz genau: seit gestern ist der Axel ein Gipfelfreak!) zogen hübsche Wolken auf, um sich bescheinen zu lassen. Zehn Stunden unterwegs, davon sechseinhalb auf den Beinen, zwei beim Schreiben (nach Tagen der Internet-Abstinenz wieder einmal Empfang in Seewiesen, huhuuuu!) und eineinhalb bei der Rast. Tipp des Tages: Man lasse alle Tage so wie auf dem Veitschgipfel im Sonnenuntergang ausklingen… Zumindest vom Gefühl her.

Keine Blase. Vier Zigaretten geraucht (sie gingen mir schlicht aus, was mir gut tut. Meine Lunge rebelliert seit Längerem gegen das Getschicke), zwei weiße Spritzer (man sagt dazu „weiße Mischungen“). Hund Niko Poldi machte heute auf Ghandi und versuchte erstmals den gewaltlosen Widerstand. Am der Teufelssteig, wo die Hitze mit der Steilheit um die Herrschaft buhlten, legte er sich hin und reagierte auf mein „Komm weiter“ mit einem klaren „Alter, dein Tempo reicht echt, jetzt ist Pause“-Blick. Ich sah die Sinnlosigkeit der Strenge ein und setzte mich dazu. Ein Charakterhund eben.



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 Axel Halbhuber am 22.08.2009  |   2 Kommentare

Tränen lügen nie. Tag neunundvierzig.

Das muss unter uns bleiben: Ich habe heute am Hochwab-Gipfel vor Freude geweint. Natürlich so, dass es keiner mitbekommt und ich damit mein Coole Sau-Image gefährde. Aber der Blick auf die Rax hat mich überwältigt. Denn es ist doch so: Von mir aus gesehen liegt hinter der Rax mein Wien. (Machen Sie jetzt nicht alles mit dem berechtigten Einspruch kaputt, dass dazwischen noch der Schneeberg zu überschreiten ist) Und nun rede ich seit über sieben Wochen von dieser Rax wie man eben von einem letzten großen Etappenziel spricht. Für mich ist dieses Hochplateau mittlerweile wie für Kinder das Schlafengehen am 23. Dezember. Die Rax und den Schneeberg noch, dann bin ich daheim. Und heute habe ich nicht von ihr gesprochen, ich habe die Rax gesehen. Augen nass.

 

Aber diese Tränen kamen nicht überraschend. Das Wasser hat sich irgendwie mit jedem Höhenmeter gesammelt. (Ich muss an dieser Stelle einfach den Satz loswerden, der mir den ganzen Tag durch mein Hirn ging: Wenn ich so auf den Hochwab hochtrab, werden die Augen immer nasser, wengan Wasser). Es begann schon in der Früh: Der himmlische Bühnenbeleuchter hat sein sanftestes Nebelblau herausgeholt. Ein Nebel, der dich blendet und die Kulisse in einen Schimmer taucht, den kein Künstler hinbekommt, sondern eben nur die Natur. Apropos Kulisse: Das Hochschwab-Gelände habe ich vorher nicht gekannt. Und nicht damit gerechnet, dass es da oben so schön ist. Eine Schönheit, die leicht zu begehen ist, keine ausgesetzten Steige, keine unfassbaren Anstiege, sondern immer die Gelegenheit, den Blick kurz vom Weg abschweifen zu lassen.

Die entgegenkommenden Wanderer berichteten von einer Steinbock-Herde, die am Weg liegt. Sie lag da. Sie sagten, dass am Gipfel nur Nebel ist und keine Sicht. Bei mir war der Nebel weg. Sie sprachen vom Schiestl Haus unterhalb des Gipfels und dass dieser moderne Kobel Geschmacksache sei. Mir hat er dann gefallen. Sie erzählten vom Kreuz, vom Biwak am Weg. Meine Lust nach diesem Berg schoss mir in die Beine, ich wurde schneller, ohne dass ich es wollte. Ich ließ Mitwanderer Helga und Ferdl ihre Pause machen und zog mit Niko Poldi weiter. Als ich das Gipfelkreuz sah, erhöhte ich das Tempo nochmal. Es war viel zu schnell, ging sich aber für die verbleibenden zehn Minuten (statt angeschriebener 20) aus. Dann war ich oben. Überwältigt vom Blick. Eingeschüchtert von der Atemlosigkeit. Beeindruckt von dem Moment des Gipfelsieges, den ich auf meiner Wanderung so selten gesucht habe. Aber hier, am leichten Hochschwab schoss mir genug Sentiment für sieben Wochen ein.

Dann erreichten auch Helga und Ferdl den Gipfel. Und als sie mir das obligate „Berg Heil“ wünschten, spürte ich meine Dämme brechen. Ich drehte mich von Ihnen weg, aber auf der anderen Seite lachte mir wieder die Rax zu. Da musste ich weinen. Aber das muss unter uns bleiben.

Tag 49 (18.8.2009): Sonnschien Hütte – Häuselalm – Baumstall – Hirschgrube – Hundsböden – Rauchtal Sattel – Fleischer Biwak – Hochschwab Gipfel – Schiestl Haus – Graf Meran Steig – Voisthaler Hütte. In der Früh hatte es heute ein ganz eigenes Licht, schwer zu beschreiben: feuchte Luft, die himmelseitig quasi von hinten beleuchtet wird, wodurch der gesamte Nebel blendete. поют сестры колесниченко Alles in allem ein bisschen J.R.R. Tolkien. Die Stimmung passte jedenfalls zum Gelände, in das ich mich ein bisschen verliebt habe. Später setzte sich zunehmend die Sonne durch, aber nie restlos. Achteinhalb Stunden unterwegs, davon sechseinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Geh auf den Gipfel! Das Gefühl ist unfassbar.

Keine Blase. Fünf Zigaretten geraucht, zwei Achterl Rot, ein Schnaps mit den beiden Hollabrunnern, dazu morgen mehr. Und: Ein hervorragendes Gams-Gulasch auf der Voisthaler bekommen. Nur Niko Poldi speiste noch feudaler: Auf meine Frage nach einem Restl-Futter für den Hund servierte ihm Hüttenwirt Hans Steinbock-Restln mit Nudeln. Dass Hans also nicht der von allen angekündigte Hunde-Hasser sein kann, bespreche ich ebenfalls morgen.



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 Axel Halbhuber am 21.08.2009  |   5 Kommentare

Errare Fexum est. Tag sechsumvierzig.

Im Sinne eines geordneten letzten Wegfünftels (Jubel, Jubel allerorts!!!) will ich hier und heute einige Fehler aufklären, die sich in das Bild meiner wunderbaren Wanderung eingeschlichen haben. Anbei auch die fotopittoreske Auflösung der rätselhaften Errari.

Irrtum 1: Niko Poldi ist ein lieblicher Hund.

Das ist so nicht richtig. Niko Poldi ist ein lieber Hund, kein lieblicher, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, aber ihm nicht ins Maul. Das Bild zeigt deutlich Niko Poldis unendliches Talent als Hauptrollen-Mime im gepflegten Horrorfilm. Die schwarze Bestie kann also auch anders, das ewige Good-Dog-Image ist eindimensional und unzureichend.

 

Irrtum 2: Axel rennt wie aufgezogen.

Ganz im Gegenteil nützt Axel jede Pause aus, um gediegen herumzulehnen. Dabei ist ihm völlig egal, ob die Last seines Nobelkörpers von einem gemeinen Wanderstock oder einem speziellen Mitwanderer getragen wird, Hauptsache Entlastung. Zwar achtet Axel immer darauf, dass dieser Akt der Faulnis (nein, nicht Fäulnis!) nie von einer Kamera gebannt wird, aber wie zu sehen, misslingt das gelegentlich.

Irrtum 3: Laszlo rennt wie aufgezogen.

Der mimische Ausdruck auf diesem Bild beweist, dass auch vierzehn Tage Alpinkur den sympathischen Ungarn noch nicht zum Hunnenkönig machen. Es gilt Ähnliches wie für Axel.

Irrtum 4: Mit knapp 79 ist man alt.

Früher wollte ich aussehen wie Clooney, heute will ich aussehen wie Ferdl. Wenn der Mann sein Hemd ablegt und barbrüstig durch die Berge zieht, dreht sich nach mir nämlich keine Kuh mehr um. Ich meine das ganz ernst: Ferdinand ist mein Beweis für den Spaß nach 66, nicht Udo Jürgends.

Irrtum 5: Der Berg ist nie kitschig.

Diesen Irrtum konnte ich bei der Rast auf dem Radmerhals schlagartig entkräften. Da gibt es diese katholische Gedenktafel und ich nehme mir die Freiheit heraus, diese als den schlimmsten Kitsch zwischen Bisamberg und Großglockner zu bezeichnen. Natürlich macht das ja nix. Aber gesagt gehört es einmal.

Irrtum 6: Wandern ist eine ernste Sache.

Mit dieser sagenhaften Falschmeldung versuchen eingefleischte Bergfexe den ulkigen Stadtwanderer von den schwindligen Höhen fernzuhalten. Denn da oben habe man immer fokussiert und ernst zu sein, wegen der Gefahr, wegen der Ehre, wegen wasweißich. Ich aber sage euch: Auch Spaß muss sein.

Irrtum 7: Die Musikanten sind im Stadl.

Die Musikanten sind immer dort, wo sich die Stimmen erheben. Denn auf Almhütten und Aplenvereinshäusern scheinen Instrumente klimatisch bestens zu gedeihen. Wer also singen will, kann singen. Im konkreten Fall die Runde auf einer Ramsauer Alm.

Was uns zu Irrtum 8 führt: Die Ramsau liegt am Dachstein-Fuß.

Das stimmt zwar an sich schon eh, aber eben nur eh auch: Auch Eisenerz hat eine Ramsau, die ist sehr familienfreundlich und perfekt für den Ausflug zwischendurch. Und als ob es einem die Ramsauen (nicht zu verwechseln mit den Schweinsschnitzerln in Rahmsauce) besonders schwer machen wollen, gibt es in der Eisenerzer ein nordisches Trainingszentrum, wo doch die Dachsteiner für das Nordische bekannt ist. Da kann man das schon verwechseln.

Irrtum 9: „Alpenverein oder Bergrettungs-Förderer? Das brauche ich nicht!“

Da war zum Beispiel dieser eine Mitwanderer, der mir erklärte, er brauche die Alpenvereins(AV)-Mitgliedschaft nicht. Auf der ersten Hütte fragte er, ob ich das Zimmer für ihn mitzahlen könne, wo ich doch den AV-Preis bekäme. Oder anderer Fall: Auf der heutigen Etappe plauderte ich mit Mitwanderern Romy und Peter über die Bergrettungsförderschaft, dass das auch eine Ehrensache sei. Und wie zur Unterstützung ratterte in dem Moment der ÖAMTC-Hubschrauber Christophorus Richtung Felswand Kaiserschild, um einen Kletterer zu bergen. Der war nicht verletzt, sondern nur erschöpft. Gutes Timing, trotzdem bleibe ich dabei: Es ist eine Frage der Ehre.

Irrtum 10: Peter sei kein Steirer.

Freunde belächeln Mitwanderer Peter seit Jahren, wenn er seine steirischen Wurzeln betont. Aber der Mann hat Recht: Wer sich den ganzen Tag auf den Steirerkas freut wie die Wüste auf den Regen und dann so eine Freude im Blick hat, muss Steirer sein. Wuff!

Tag 46 (15.8.2009): Radmer an der Stube – über die Forststraße auf den Radmerhals (der Weg über den Lahngraben ist gesperrt – Eisenerzer Ramsau – Eisenerz. Diesen Weg würde ich als echten Spazierweg beschreiben, stellenweise mit tollem Blick auf die Berge. Und am Ende dieser gemütlichen Wanderung fühlt man sich am besten noch ein bisschen in der Ramsau wohl. одеваемся на выпускной Ganztags Sonnenschein. Knapp fünf Stunden unterwegs, davon vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Wissen belastet. Irren befreit!

Keine Blase. Elf Zigaretten geraucht, zwei Achterl Rot, zwei Schnäpse (Zur Verabschiedung meiner Mitwanderer Katrin, Peter, Romy und Laszlo). Hund Niko Poldi hat seine Horror-Fratze auf dem Bildschirm gesehen und träumt nun schlecht neben mir. Sich selbst zum Fürchten bringen, das ist Schauspiel vom Feinsten.



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 Axel Halbhuber am 19.08.2009  |   2 Kommentare

Meuchlings! Tag dreiundvierzig.

Wanderung43_BlickHochtorJetzt habe ich es geschafft: Mitwanderer Helga und Ferdl kannte ich nicht, bevor sie mir heute Früh um halbneun vor dem Stift in Admont die Hand gaben. Helga liest meinen Blog seit dem ersten Tag und fragte vor Wochen zögerlich an, ob ich sie und ihre 66 Jahre ein paar Tage mitnehmen würde. Weil sie den 01er-Weitwanderweg nämlich vor Jahren schon gegangen sei. Und wie ich würde, gerne auch noch! Das Alter von Ferdl verriet sie mir erst gar nicht, aber unter uns: Wenn ich mit 79 so aussehe und alpin so drauf bin, bewerbe ich mich beim Jungbauern-Kalender. Weil also nun zwei beim Projekt mitmachen, weil sie dieses Wandern mögen und nicht zwangsläufig mich, fühle ich mich als Sieger.

Wanderung43_MitwandererFredlAber darum geht es nicht, sondern um einen, der mich mögen muss, weil er ein Freund ist, nämlich Harald. Der wandert auch seit heute mit und im Laufe des Tages sprachen wir über Beethoven. Das ist hier jetzt ebenso nicht wichtig wie die Tatsache, dass die heutige Wanderung mich an dessen 6. Sinfonie erinnerte, dass die Pastorale heißt und wie kaum ein anderes klassisches Stück Tonmalerei mit einer melodisch echten Geschichte daherkommen lässt statt wie sooft einfach nur Kulisse ohne Handlung zu sein. (Verzeihung, das musste an dieser Stelle raus, diesen Standpunkt trage ich als inneren Disput mit meinem Musiklehrer seit der Matura mit mir herum) Aber auch darum geht es gar nicht.

Denn beim Sinnieren über Beethovens Naturbetrachtungen, so irgendwo im zweiten Satz, näherte sich uns eine Gedenktafel: „Auf einem Wanderung43_GedenktafelWildererReviergang am 10.Sept.1926 wurde hier der Jäger Karl Steiner von Wildererhand meuchlings (Anm.: Tolles Wort!) erschossen. Der Liebe zu seinem Beruf und seiner vorbildlichen Pflichttreue ist er zum Opfer gefallen.“ Assoziativ schoss mir die Frage ein, was eigentlich aus diesen sympathischen Wilderer-Kerlen in den Heimatfilmen wurde, die Feschen ohne Furcht, mit viel Tadel. Diese Clooneys der Nachkriegszeit wurden im echten Leben rar. Wir brauchen wieder mehr Piraten, dachte ich mir und gleich darauf, wie pietätlos es ist, sich genau das vor der ehernen Erinnerung an Karl Steiner zu denken. Aber ehrlich: Beethoven war bekannt für seine Pietätlosigkeit.

Ich lenkte meine sonderbaren Gedanken um, auf eine andere Gedenktafel, gesehen in Vorarlberg, am Beginn meiner Wanderung (vor gefühlten zehn Jahren): „Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen, barmherzig ausgespannt. Gewidmet zu Ehren des Thomas Göppel, Wanderung43_MitwandererHaraldMinistrant. Mit 17 Jahren tödlich verunglückt am 22.5.1982.“ Damals dachte ich mir: Wer hat denn da den Zynismus mit der Schöpfkelle gefuttert? Wer stellt so was auf, wenn ein Liebster verunglückt ist? Dochdoch, ich habe für Gott viel über, liebe Leserin und lieber Leser. Aber wenn einer in den Tod stürzt, kann er nicht tiefer fallen als in Gottes Hand? So eine Tafel hätte nicht einmal Beethoven da oben aufgestellt, meuchlings.

Oh Berge, oh Sitten, wann werde ich euch verstehen?

Tag 43 (12.8.2009): Admont – Kematengraben – Scheiblegger Hochalm – Oberst-Klinke-Hütte – Flitzengraben – Mödlinger Hütte. Bewölkt, ab mittags zunehmend mit Sonnensprenkeln. Leider nie wolkenlos, sonst wäre das ein prächtiger Sonnenuntergang in den Kalbling hinein gewesen, samt tollem Alpenglühen auf dem Hochtor. An sich aber gutes Wanderwetter. Achteinhalb Stunden unterwegs, davon sieben auf den Beinen. Tipp des Tages: Wanderung43_MitwanderinHelgaMitwanderer! Sie helfen, sie überraschen, sie sind abwechslungsreiche Sympathie. Ich mag diese Menschen auf meinem Weg.

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Keine Blase. Sieben Zigaretten geraucht, zwei Achterl Rot. Hund Niko Poldi war heute sichtlich sehr froh darüber, dass er nach den zwei Ruhetagen endlich wieder auf dem Berg tollen darf. Einzig die Sache mit den Stockerln hat er schlicht nicht im Griff, weil im Wald soviele davon sind. Er nimmt eines, tragt es ein paar Meter, sieht ein anderes, wechselt, schaut aber kurz so, als ob es ihm um das alte leid täte. Das hört nie auf und die Verzweiflung steht ihm deutlich ins Gesicht geschrieben скачать бесплатно на андроид на русском. Aber eben: Er trägt beides mit Fassung, Stock und Stolz.

Wanderung43_NikoMitStockerl



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 Axel Halbhuber am 14.08.2009  |   2 Kommentare

Mitwanderer am Wort. Tag vierzig.

Manchmal übersehe ich schon fast, was den Berg ausmacht. Ich übersehe die Mühe, den Schweiß. Ich übersehe das Glücksgefühl am Ende der Etappe. Auch deswegen ist es so wichtig, dass Freunde mitgehen und mich wieder daran erinnern. Wenn mich eine große Gruppe über das Warscheneck (oder sagen wir fast ganz darüber) begleitet, klingt das dann so.

Sandra: „Beherrsche ich mich. Oder beherrscht mich der Berg. Ich weiß es auch nach dieser Wanderung nicht ganz genau. Ein paar Dinge habe ich wieder mal gelernt: Stöcke sind eine große Hilfe. Studentenfutter ist ein superguter Energielieferant – am Berg schmecken sogar die Rosinen. Niko Poldi ist der beste Berghund – gämsenartig, trittsicher, fröhlich, und ein guter Gruppenhüter. Und am allerschönsten ist es, wenn nur noch der nächste Schritt zählt, der nächste Atemzug. Und der Kopf ganz leer wird. Ich kenn’ kein schöneres Runterkommen (obwohl ich aufs Runtergehen locker verzichten könnt, das geht auf die Psyche. Und auf die Knie. Aber ich weiß’ eh: Das gehört schon auch dazu :-)“

Gerti: „Nirgendwo liegen Verzweiflung und Glück so dicht beieinander wie am Berg. Die letzten Schritte zum Gipfel sind unbeschreiblich: Endlich ankommen. Endlich geschafft. Jetzt weiß ich, es geht viel mehr im Leben als man glaubt. Am Berg gibt es kein Umdrehen. Und manchmal braucht man jemanden, der einen zum Gipfel führt (Danke Julia!). Heute bin ich froh, dass ich weitergegangen bin. Und sehr glücklich und stolz über diesen Gipfelsieg!“

Robert: „Wer rauf geht, muss runter gehen – auch wenn es bergab gar nicht lustig ist. Wenn man unten aber in den Rückspiegel schaut und die Wand sieht, ist das das größte Glücksgefühl. Zugegeben: Zwischendurch hat es keinen Spaß gemacht. Aber jetzt weiß ich: Ich hab’s geschafft und will es wieder erleben.“

Marc: „Ich war goschert am Anfang und hab mir gedacht: kleine Wanderung, kein Problem. Die Anstrengung und den Berg habe ich total unterschätzt – nie hätte ich mir gedacht, dass das so schwierig sein kann. Jetzt bin ich stolz, es als Nicht-Sportler geschafft zu haben. Und habe großen Respekt vor Axels Leistung und seiner Motivation. Am Berg da oben hat mich die Stille überrascht.“

Tom: „Ich liebe die Action und brauche Adrenalin. Beim Abstieg vom Toten Mann war‘s mir dann schon fast zuviel – wenn mal die Hüttenwirtin von „ausg’setzt“ spricht, verspricht das keinen Spaziergang. Mein neues Motto beim Wandern lautet ab sofort: Lieber zwei Mal rauf als ein Mal runter.“

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Julia: „Herrliches Naturerlebnis, eine tolle Wandergruppe – ein unvergessliches Erlebnis, das vor allem eine nachhaltige Erkenntnis brachte: Ich hasse bergab gehen!“

 

Tag 40 (9.8.2009): Zeller Hütte – Toter Mann – Speikwiese – Brunnsteiner See – Wurzer Alm – mit der Standseilbahn bergab – Spital am Pyhrn. Nebelig, nieselig, regnerisch, erst am Nachmittag ein wenig Sonne: Kein gutes Wetter für einen felsig-anspruchsvollen Abstieg. Acht Stunden unterwegs, davon sechseinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Man unterschätze nie den Abstieg vom Toten Mann Richtung Speikwiese. Das ist bei Regen durchaus eine alpine Sache. Trotzdem: Überwinden, man fühlt sich danach stark!

Keine Blase. Sechs Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Am Abend wartete übrigens meine Freundin im Hotel auf mich. Und da fiel mir auf, wie sehr körperliche Nähe einem nach über einem Monat abgeht. Nein, da reden wir jetzt gar nicht blöd kichernd über das Sexuelle, sondern über das Kuscheln, werte Leserin und werter Leser. Ja, das kann einem ganz schön fehlen, lassen Sie das nicht zu! Hund Niko Poldi war es aber recht wurscht, der suchte sich das beste Eck des Zimmers aus und träumte nochmal das Tote Gebirge durch новости дом 2. Es war ein tiefer Schlaf mit gelegentlichen Seufzern. Ich sage Ihnen: Es ist sehr süß, wenn ein Hund im Schlaf tief seufzt.



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 Axel Halbhuber am 12.08.2009  |   2 Kommentare

Mitwanderer am Wort. Tag zweiunddreißig.

Wanderung32_NachtwächterStändiger Abschied gehört dazu. Man sieht den Berg in der Ferne auftauchen, besteigt ihn und verlässt ihn, bis er wieder am vergangenen Horizont verschwindet. Oder Menschen: Man trifft sie, führt satte Gespräche und verzichtet dafür auf den Austausch von Telefonnummern. Verabschiedet sich intensiv, aber nur so herzlich wie es eben authentisch ist. Wie auf der Körner-Hütte: Den Mann mit der bemerkenswerten Frisur getroffen, ins Gespräch gekommen, von ihm zu einer Bergmesse im Druiden-Stil eingeladen worden und gestaunt, als der Ex-Gendarm von seinem heutigen Wirken als Welser Nachtwächter und seinem erfüllten Leben sprach. Dann wieder gegangen.

Mit den Mitwanderern ist das ähnlich unaufgeregt. Nur, dass ich sie beim Abschied um eine Reflexion bitte.

 

Michi H. (39 Jahre, mitgewandert von Kufstein bis Lungötz)

„Nun sitze ich im EC „Vorarlberg“ und lasse mich von ÖBB und SBB nach zehn Wandertagen mit Axel und Co. bequem nach Zürich zurück bringen. „Vorarlberg“, wo Axels langer Weg begonnen hat. Die Alternative wäre der „Transalpin“ gewesen, hätte thematisch auch ganz gut gepasst. Sei’s drum, der Zug fährt gerade an Kufstein vorbei, wo mein Mitwandern begonnen hat. Hier nutze ich nun die Zeit um das Ver-Gangene (déja vu) ein bisschen zu reflektieren.

Wie kam ich überhaupt zum Mitwandern? Die Begeisterung bei mir dazu musste Axel erst gar nicht wecken, da hätte er offene Türen eingerannt. Ich war eh’ schon geistig auf diesen Zug aufgesprungen, als er mir das erste Mal mit all seiner Leidenschaft und Intensität von diesem Projekt erzählt hat. Nur noch ein Check der Urlaubsplanung und des Wanderplans und mein Entschluss stand fest: ich gehe mit! Von Kufstein bis Lungötz. Vom Inn zur Salzach. Und noch ein Stück weiter ins Lammertal. Ich bin zwar viel in den Bergen unterwegs, aber die Ecke mit Wilder Kaiser, Waidringer Steinplatte, Steinernes Meer, Hochkönig und Tennengebirge war von mir bisher noch unberührt.

Dann bei der Anreise: Im Panorama-Wagen des EC „Transalpin“ (jetzt kommt der doch noch zum Zug) der Blick steil hinauf in die Lechtaler Alpen, im Wanderung00_MichiHAmHPZeitraffer laufen die ereignisreichen Etappen von den ersten Juli-Tagen wie ein Film ab, nur bei strahlendem Kaiserwetter halt. Dieses blieb uns auch zum Großteil von Kufstein bis Lungötz treu.

Unsere Wege in diesem Abschnitt waren geprägt von steilen, teilweise verwachsenen, dafür umso wildromantischeren Aufstiegen. Von urwaldartigen Märchenwäldern. Von viel Wasser in Bächen und in über lange Zeit im Kalkfels ausgehöhlten Whirlpool-Becken. Von unzähligen steinigen Meilen (statt den im Arbeitsalltag dominierenden Meilensteinen). Und über all dem von den Logenplätzen mit dem Blick auf die Zillertaler Alpen und die gesamten Hohen Tauern. Am beeindruckendsten die glitzernde Gletscherwelt des Großvenedigers und seiner Trabanten und die kühnen Gestalten des Großen Wiesbachhorns und unseres Höchsten – des Großglockners.

All das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen, interessante Begegnungen lebendig wieder zu geben, das ist wohl Axels Profession. Emotional geht er dabei überall mit. Sei es mit einem sentimentalen Blick auf das Ver-Gangene. Mit glänzenden Augen auf die hohen Berge nah und fern. Mit Respekt vor tiefen Abgründen. Fluchend, wenn mal was nicht klappt. Vor Glück jauchzend, wenn’s wieder mal “afoch schee is” Скайп для мобильного. Unermüdlich und einfallsreich beim Organisieren der Unterkünfte bzw. beim Umdisponieren, falls es mal nicht so geht wie geplant. Zweifelnd und unruhig, wenn er mit seinem Blog in Rückstand gerät (es ist wirklich hart, so viel zu gehen und täglich darüber einen ausgereiften Blog zu verfassen). Hart zu sich selbst, vor allem dann, wenn es um die Zahnwurzel geht. Nachgebend, wenn eine Lösung für die Zahnschmerzen unumgänglich wird (Axel hat sich lange dagegen gewehrt). Wieder voll da (yesssss!), wenn sich derartige Probleme in Wohlgefallen auflösen. Traurig, wenn sich Mitwanderer verabschieden (müssen) – when it’s over, it’s over. Begeistert, wenn Niko Poldi ins Wasser springt und sich nachher in der Wiese wälzt (Axel überlegt sich dann, wieso er das nicht auch tut). Und überhaupt: dieser Hund Niko Poldi ist Klassenkasperl und Gruppenzusammenhalt in einem.

Gemeinsam haben wir wohl in den vergangenen zehn Tagen oder rund zweihundert Kilometern unsere Liebe zu den Bergen anständig und kräftig ausgelebt. Die Wellenlänge hat eindeutig gepasst. Und jetzt, zum Abschluss meiner Nachbetrachtung, eröffnet sich gerade wieder ein grandioser Blick in die Lechtaler Alpen …

Vielen Dank, lieber Axel! Komm gut nach Wien. Vielen Dank auch an die anderen Mitwanderer Iga, Laszlo, Manu, Marc und Michi F., welche ich alle als liebenswerte Menschen kennen gelernt habe. Jeden auf seine Art.

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PS: Als Nachtrag noch der (Bier-)Tipp des letzten Juli-Drittels am Weitwanderweg 01. Einerseits wird im Tiroler Unterland ein hervorragendes Huber-Bräu aus St. Johann ausgeschenkt. Man kann sozusagen getrost “A Hoibe Huba” (!) bestellen. Andererseits gilt im Salzburger Land: immer nach der S-Klasse Ausschau halten: Stiegl. Wohl bekomm’s!

PPS: Keine Blasen.“

 

Michi F. (36 Jahre, mitgewandert von Lofer bis Werfenweng)

Der heilige Jakob am Berg

Letztes Jahr im Herbst war ich Jakobspilger. 800 lange Kilometer in 28 Tagesetappen, von den Pyrenäen nach Santiago de Compostella. Zu Fuß, Wanderung00_MichiFAmHPversteht sich. Die Erleuchtung will schließlich verdient sein.

Erlangt hab ich sie trotzdem nicht. Drei Dinge aber habe ich unter anderem am Jakobsweg gelernt: erstens, beurteile niemanden nur aufgrund seines Aussehens oder seines augenscheinlichen Alters; zweitens, teile dir den Weg zu einem weit entfernten Ziel gut ein und überschätze dich dabei nicht; und drittens, glaub ja nicht, dass Frauen weniger schrecklich schnarchen können als Männer.

Nein, keine Erleuchtung, nur ein wenig mehr Reife hat mir der Jakobsweg gebracht. Ein paar einfache Erkenntnisse über mich selbst, die Menschen und das Leben an sich. Und ein paar magische Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Wieder zuhause war der Alltag schnell wieder da. 60-Stunden-Woche, Großstadt-Hektik, Lifestyle-Hedonismus, alles wie gehabt. Geblieben ist die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach Kontemplation auf langen Wegen.

Axel pilgert nicht, er wandert. Sagt er. Ohne große Erwartungen hat er sich einfach aufgemacht und geht von Bregenz nach Wien. Für die Österreich-Werbung. Nachzulesen täglich neu im Internet. So erzählt er es zumindest mehrmals am Tag all den fremden Menschen, die ihm am Weg begegnen. Die staunen dann zumeist und die Frage nach dem Warum wird erst gar nicht gestellt. Aber er erzählt es niemals ohne einen gewissen Stolz, und das lässt vermuten, dass es vielleicht doch nicht einfach so einfach ist, dass vielleicht doch mehr dahintersteckt als der Sommer-Job eines freien Journalisten im Web 2.0 Zeitalter.

5 Tage hab ich Axel bei seinem „Projekt“ begleitet. Von Lofer über Maria Alm bis nach Pfarrwerfen. Durch wilde Schluchten und über grüne Almen, durch das Steinerne Meer und entlang des Hochkönig-Massivs.

5 Tage volle Kanne Österreich, seine Berge und den damit verbundenen Tourismus, oder Fremdenverkehr, wie es früher einmal hieß. 5 Tage Speckbrot und Kas´pressknödel, Buttermilch und Soda-Radler, Lederhosen und Dirndlkleider, spartanische Alpenvereinshütten und Berghotels mit Vollausstattung. Das klingt zwar auch nicht nach Erleuchtung, doch auch hier gab es sie, die magischen Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Das Glühen der Berge, wenn die Sonne untergeht; der grenzenlose Blick auf schneebedeckte Gipfel in weiter Ferne; der frische Schluck aus eiskalten Bächen; Sterne, die ungestört vom schmutzigen Licht der Städte vor sich hin funkeln, dass einem der Mund offen stehen bleibt; die treuen Augen des besten Hundes der Welt (Niko Poldi, ich liebe dich auch!); tiefgehende Gespräche mit den Wanderkollegen (wenn auch nach mehreren Runden Schnaps). Tourismus (fast) ohne Hedonismus, Kontemplation im wahrsten Sinne des Wortes, weil hoch über dem Meeresspiegel. Nach diesen 5 Tagen bin ich mir jedenfalls sicher: Axel wandert nicht nur. Er pilgert doch. Spätestens am Ziel seiner Reise wird er das auch wissen.

Boun Camino, lieber Axel! Dein Michi F.“

Tag 32 (1.8.2009): Lungötz – Scherlreith – Pommer Parkplatz – Stuhlalm – Theodor Körner-Hütte – zurück zur Stuhlam. Ganztags sonnig, sehr heiß, abends bewölkt, die angekündigten Gewitter blieben schon wieder aus. Ich wählte den kürzesten Weg von Lungötz zur Körner Hütte, wo ich schlussendlich eh keinen Platz bekam (dazu muss man sagen: Ich hatte zwar reserviert, aber aufgrund der Ruhetagsverschiebung von Lungötz nach Bad Goisern war ich einen Tag zu früh dran) Gut, dass auf der fünf Minuten entfernten Stuhlalm noch Platz war. Wie alle praktischen Dinge war auch dieser Weg zweckdienlich kurz, aber nicht erstrebenswert schön, weil viel Forststraße. Viereinhalb Stunden unterwegs, davon knapp vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Auf der Stuhlalm kommt der Kaiserschmarrn mit marinierten Erdbeeren. Ja, das ist ebenso lecker wie es ungewöhnlich klingt.

Die klitzekleine Blase (linke große Zehe oben) kann sich nicht zum Durchbruch entscheiden. Sieben Zigaretten geraucht, zwei Achterl Wein gezwitschert. Hund Niko Poldi durfte gestern ganz ausnahmsweise im Lager der Stuhlalm schlafen. Und obwohl da drei leere Matratzen gewesen wären, blieb er die ganze Nacht im ihm zugewiesenen Holzboden-Eckerl. Braaaver Niko!

Wanderung32_Abschied



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 Axel Halbhuber am 03.08.2009  |   2 Kommentare

Wie geht es Axel? Tage acht- und neunundzwanzig.

Wanderung28_AxelUndNikoIch bin im Steinernen Meer ertrunken und dem Schicksal wirklich dankbar, dass ich dieses Bild anbringen kann. An sich wollte ich auf den Wellen dieses Gebirges surfen, in seine Kargheit eintauchen oder es leichtfüßig durchschwimmen. Aber eben, sehen Sie: Nichts ist so schön wie im Steinernen Meer zu ertrinken.

Dass mir die Steine bis zum Hals stehen, wurde mir bewusst, als eine liebe Freundin am Telefon zögerlich sagte: „Axel, du klingst grantig, das macht mir Sorgen.“ Das war der Ursprung einer Welle, die mich im Laufe des Tages überrollen sollte. Dazu mischte sich die Ruhe (umpf, ich muss es einfach sagen: vor dem Sturm) des Wanderns im Steinernen Meer. Die flache Steinwüste Wanderung28_SteinernesMeerdüsterschluckt an sich schon jeden Laut, kombiniert mit dem dämpfenden Hochnebel an diesem Tag, herrschte Stille. Selten hörst du einen Stein unter deinen Füßen wackeln. Noch seltener reißt dich der schrille Schrei eines Murmeltiers aus den Gedanken, den der Nebel aber sofort schluckt. Sonst Stille.

Meine Gedanken wurden also nicht extern gestört, sondern intern. Durch das regelmäßige, abschwellende und aufbrandende Schmerzen meines linken oberen Sechsers. Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht. Am nächsten Morgen sollte mir dann der Maria Almer Dentist Schwaiger eröffnen, dass mein linker oberer Sechser den Nerv völlig weggeschmissen hat und seine Wurzel dringend Behandlung Wanderung28_NikoBeimAbstiegbraucht. Ganz genau: Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht.

Zwischen den Zahnschmerzen (ich kann es nicht sagen: ja, sie waren ziehend, nein, nicht pochend, keine Warm-Kalt-Süß-Empfindlichkeit, kein Druckschmerz, wasweißich) holte mich mein Großhirn zum Rapport: „Junger Freund“, fing es freundlich an „wir haben da was zu besprechen. Ich halte seit einem Monat die ganze Meute zusammen, Knöchel und Knie ganz besonders, aber es zeichnet sich eine mächtige Revolte ab. Das Immunsystem bereitet einen nächtlichen Fieberschub vor, der Kreislauf will dich Schach Mattheit setzen, und der Zahn spielt auch nicht grundlos das Lied vom Tod. Und ganz ehrlich, mein Freund“, jetzt machte es auf verbündet „ich scheiß‘ langsam auch aufs tägliche kreative Mitdenken.“

Diese Worte hallten auf der nebelschwangeren Bühne des Steinernen Meers gewaltig lange nach. Und wie ein Horn dröhnte ein Satz in meinem Kopf: Ich Wanderung28_Riemannhaushabe einen Einbruch der allerfeinsten Güte. Erste Hilfe: Abstieg ins zivilisierte Maria Alm, statt einer weiteren Hüttennächtigung in der Höhe, noch dazu im wenig einladenden und nebelumschwärmten Riemann-Haus.

In der Nacht spulte mein Körper das angekündigte Programm ab. Am Morgen ließ ich meine Mitwanderer alleine ziehen, ging zum Schwaiger-Doktor und ließ mich wurzelbehandlungstechnisch entjungfern. Er war sanft. Dann rastete ich. Ich nahm den Bus zu dem Punkt auf der Straße, der am nächsten zur Erich-Hütte liegt. Und wanderte, spazierte, nein: Ich schlenderte eine halbe Stunde zum Etappenziel. Jetzt sitze ich auf der Terrasse, Blick auf Großglockner, Dachstein und Hochkönig. Die Sonne streichelt mich gesund. Der Text schreibt sich wie von selbst. Der Zahn ist wieder Untertan. Die Mitwanderer sind noch am Weg. Erfolgreiche Gegenmaßnahmen.

Und ja: Ich bin mir bewusst, dass ich hiermit Schwäche zeige. Aber erstens wundert es mich seit einem Monat, wo die bleibt. Zweitens muss man ganz allgemein immer hinhören, wenn Freunde einen „grantig“ nennen. Und in der Ruhe des Steinernen Meers kommt man im Speziellen drittens gar nicht umhin.

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Tag 28 (28.7.2009): Ingolstädter Haus – Riemann Haus – Maria Alm. Bewölkung, was im Steinernen Meer gut tut, bei vollem Sonnengleiß fühlt man sich zwischen den Felsen wie eine Backofenpizza. Leichte Nieseltropfen beim Abstieg nach Maria Alm, über den wir gesondert reden sollten. Acht Stunden Wanderung28_AbendstimmungErichhütteunterwegs, davon sechseinhalb gegangen. Tipp des Tages: Das Riemannhaus wirkt wenig einladend, daher Abstieg nach Maria Alm! Das ist ein unfassbar malerisches Örtchen. Keine Blasen, fünf Zigaretten, zwei Achterl Rot. Ach ja: Und zwei Parkemed 500, was nichts gebracht hat. Hund Niko Poldi liebt Schneefelder mehr als mich, mehr als uns alle, glaube ich.

Tag 29 (29.7.2009): Maria Alm Zentrum – Praxis Dr. Schwaiger – Maria Alm Zentrum – Bus nach Dienten – Bus nach Erich-Hütte Parkplatz – Erich Hütte. Leise treten und das nur eine halbe Stunde lang. Keine Wolke am blauen Himmel Скайп для мобильного. Tipp des Tages: Alles daran setzen, die Erich-Hütte zu kaufen, hier einziehen und jeden Tag nur schauen. Zwölf Zigaretten, drei Achterl Weißwein (meinen geliebten Grünen Veltliner). Hund Niko Poldi genoss den Quasi-Ruhetag und tat nicht einmal so, als ob er lieber am Berg wäre.

Aus der Sicht meiner Mitwanderer Michi H., Michi F. Laszlo war der Tag anders: Maria Alm – mit der Gondel zur Natrun Hütte – Hinterthal – Mußbachalm – Pichlalm – Erich Hütte. Sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Besonderheiten: Heidelbeerwald und Walderlebnis-Parcours am Natrun. Schöner Weg mit tollem Blick auf die Silhouette des Steinernen Meers, den Sonnblick und den Großglockner.



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 Axel Halbhuber am 30.07.2009  |   Ein Kommentar