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Archiv für das Tag: meditation

 

Recht auf Glück. Tag einundfünfzig.

Wanderung51_GrafMeranHausSchon ein paar Meter nach dem Graf Meran Haus wusste ich, dass ich den kommenden Ruhetag in Neuberg brauche. Nach ein paar Metern mehr wusste ich, wie dringend. Aber eigentlich wusste ich es ja schon gestern Abend, als mir die Frage nach einer Dusche auf dem Graf Meran Haus mit dem Satz beantwortet wurde: „Wengan Umbau hamma derzeit net amoi Wausser.“ Das war der dritte Abend en suite ohne gescheite Waschmöglichkeit, dazwischen waren Tage voll schweißtreibender Aufstiege, inklusive zweier Gipfel. Es klebte.

Auf dem Weg nach Neuberg potenzierte sich die Lust auf Dusche und Ruhe dann minütlich. Weil diese Etappe ganz grauenhaft mühsam ist. Weil es auf und ab Wanderung51_Morgennebelgeht. Weil das Ende nicht in Sicht, sondern immer in der Weite ist. Weil ich auch keine Nahrung mehr mit hatte und mich der erotische Traum der Vornacht penetrant plagte. Wenigstens diese Sorge wurde ich hinter einer Tanne los. Während diese Lust sank, wuchs jene auf eine Dusche. Doch Neuberg war noch immer weit.

Wenigstens hatte ich nach Tagen wieder durchgängigen Handyempfang. Telefonieren lenkt ab, das kennen wir ja vom Autofahren. Also penetrierte ich meinerseits Freunde mit inhaltsleeren Plaudereien. Und eine gute Freundin war bereit, sie eröffnete mir ihre Sorgen, von Jobmöglichkeiten, die ihr die Wahl schwer machen. Von ihren Lebensumständen, die sie gerne anders mag. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Sie hat einen guten Job und könnte einen anderen tollen haben. Sie lebt glücklich und sucht daher das Glücklichere. Ich warf etwas Wanderung51_Morgennebel2ein, das wie „Diese Sorgen möchten andere haben“ klang. Sie replizierte gekonnt: „Jeder hat die Sorgen, die er hat.“

Ja, solche Gespräche kennen wir. Aber diesmal stemmte ich mich gegen dieses hingenommene Schicksal, gegen das neuartige Luxussorgen-Wälzen und dagegen, dass wir diese Unzufriedenheit immer mit dem Recht auf die eigenen Probleme rechtfertigen. Diesmal widersprach ich, wahrscheinlich weil ich nach sieben Wochen Reduziertheit diesen Umstand anders sehe, ganz anders. „Wenn wir aber unsere Sorgen nie relativeren, nie versuchen, einen objektiven Blick darauf zu werfen, wie es uns geht. Wenn wir immer auf unser Recht pochen, uns Sorgen machen zu dürfen, bringen wir uns um ein anderes Recht: Das höchste, wichtigste und beste Recht auf eigenes Glücksgefühl. Glücklich kann nur sein, wer einmal Stopp zu immer neuen Sorgen sagt.“ Die gute Freundin lauschte, also schoss ich ein Beispiel nach: „Hüttenwirt Georg sitzt derzeit in seinem Graf Meran Haus mit einem gerissenen Knöchel-Band in einer einzigen Baustelle und erduldet einen richtig miesen Sommer mit schwachem Geschäft. Das berichtete er mir in jedem zehnten Satz. Die neun dazwischen waren immer voll Freude, mit einem Strahlen im Gesicht zeigte er da Fotos, die er macht, wenn Zeit, weil wenig los ist. Er erzählt von seiner leidenschaftlichen Motivation, dass ihm Gäste noch immer Neues auf seinem Berg zeigen können. Neun Sätze lang ist er glücklich. Und nur der zehnte ist eine Sorge.“ Meine gute Freundin gab mir schweigend Recht.

Wanderung51_PWegweiserIch kam, gut in der Zeit aber am falschen Ortsende, nach Neuberg. „Jetzt muss ich noch da durchlatschen“, dachte ich, rief mich aber gleich zur Ordnung. Und siehe da: Auf dem 15minütigen Weg zum sympathischen Landgasthaus Holzer wurde ich alle meine Sorgen los: Ich kaufte die nächste Wanderkarte, Lebensmittel, Hundefutter und Batterien. Es lag alles auf dem Weg und als Draufgabe stellte sich sorgenloses Glücksgefühl ein. Und jetzt werde ich in meiner Regenhose und mit nacktem Oberkörper die Wäsche holen, die auf der Wäschespinne hängt. Dazu muss ich am idyllischen Gastgarten vorbei. Die Gäste werden schauen. Was mir Glückspilz gar nichts macht.

Tag 51 (20.8.2009): Graf Meran Haus – Veitschalmhütte – Veitschbach Törl – Hallegg – Neuberg an der Mürz. Gespenstischer Morgennebel, dann zunehmend klares Wetter, schlussendlich viel Sonne, was die Wäsche beim Trocknen freute. Sechseinhalb Stunden unterwegs, davon fünf auf den Beinen in den Bergen, eine halbe im Ort. Tipp des Tages: Geht man meinen Weg, muss man in Eisenerz Geld und Lebensmittel aufladen wie ein Esel. Denn bis Neuberg Wanderung51_Neuberggibt es weder Bankomat, noch Supermarkt. Im übrigens auch keine Duschen auf den Hütten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Mini-Blase (Ferse rechts). Elf Zigaretten geraucht, kein Alkohol (ich fühle mich ein bisserl krank) Hund Niko Poldi scheint sich ein bisschen an das Tempo der letzten Gemeinschafts-Wanderwochen gewöhnt zu haben und mag mein jetziges Solo-Marschtempo offenbar nicht. Er ist diszipliniert und trottet nach, aber: Es ist gut, wenn wieder Mitwanderer kommen und mich einbremsen.

 22.08.2009 | Tags: , , | 2 Kommentare
 

Dialog im Dunkeln. Tag zweiundzwanzig.

wanderung22_karteAn sich wollte ich heute schreiben, dass der nun dominierende Sonnenschein natürlich auch Probleme beim Wandern macht. Aber, ganz genau: Das darf sich einer, der seit drei Wochen über das schlechte Wetter jammerbloggt, nicht erlauben. Idee zwei war eine Hommage an das wunderschöne und erst seit kurzem erschlossene Kaisertal, etwa so: Alle schönen Täler auf meinem Weg scheinen mit K zu beginnen, von Karwendeltal bis Kroßes Walsertal. Sie sehen schon: Da wäre ich nicht weit gekommen, rein humoristisch.

Also habe ich mich nach dem Leeren eines üppigen Rotweinglases zu Bett begeben. Und konnte mich nicht entscheiden: Auf der rechten Seite liegend sah ich aus dem Fenster und Richtung Westen, wo ich zuvor, bei Sonnenuntergang, die vergangenen Gebirgsetappen wiedererkannte. Auf der linken Seite liegend sah ich nur die Wand, fad genug um einzuschlafen. Genau daran war aber ohnehin nicht zu denken, denn mein Kopf war voll mit folgendem Gespräch.

Rotwein: „Gute Nacht, alle miteinander!”
Sentiment: „Moment noch! Der Blick vorhin auf die vergangenen Etappen war toll. Versteht ihr: Wir haben das Ver-Gangene gesehen. Wow!”
Unterschenkel: „Total super. Gute Nacht!”
Sentwanderung22_blickzuruckiment: „Das Ver-Gangene, versteht ihr!”
Schultern: „Jaja, alle haben es verstanden.”
Augen: „Mir gefällt das. Wir sehen jetzt das Vergangene, in dem wir uns Gott sei Dank nicht vergangen haben.”
Knöchel: „Weil wir sonst beim Vergehen vergangen wären. Schlaft gut!”
Unterschenkel: „Ruhe, sonst komm ich rauf.”
Rotwein: „Guten Abend, gut Nacht.”
Sentiment: „Dann wären wir nie hierher gekommen, was morgen übrigens auch schon wieder Vergangen ist.”
Knie: „Nicht, wenn es hier noch länger laut bleibt.”
Rotwein: „Trink ma noch ein Glaserl Wein.”
Sentiment: „Heut kommen d’Engerl auf…”
Kreislauf: „Meint ihr nicht, dass uns ein wenig Schlaf gut täte?
Sentiment: „Großhirn, dreht ihn nochmal zum Fenster, wegen des Blicks!”
Augen: „Ich glaube, es ist schon zu dunkel draußen.”
Unterschenkel: „Hauen wir das Weichei doch einfach raus!”
Augen: „Und für wen schau ich dann? Du Klotz interessierst dich ja für nix außer Protein.”
wanderung22_tunnelmitwandererUnterschenkel: „Oh Gott, was mache ich hier? Ich geh ein!”
Sentiment: „Ver-Gangen, verstehst du?”
Unterschenkel: „Komm, geh ma vor die Tür!”
Kreislauf: „Ruhig, das löst ja nichts. Aber langsam sollten wir zu Ende kommen, nicht?”
Milz: „Ist die Party hier?”
Knöchel: „Nix Party!”
Sentiment: „Ver-Gangen…”
Unterschenkel: „Es reicht, du fliegst raus! Dann bist du auch vergangen.”
Sentiment: „Jetzt hast du es. He: Er hat es.”
Unterschenkel: „Umpf.”
Großhirn: „An alle: Es reicht.”
Sentiment: „Hihi, Ver…”
Rotwein: „…gang ich zum Brunnen vor dem Tore!”
Magen: „Vorsc hlag zur Güte: Hauen wir den Rotwein raus!”
Blase: „Ich bin dabei! Unterschenkel, kriegen wir dich nochmal hoch?”
Unterschenkel: „Dafür schon!”
Knöchel: „Ich geh auch mit!”
Großhirn: „Nix da, liegen bleiben, schlafen.”

wanderung22_nikoTag 22 (22.7.2009): Kufstein – Kaisertal – Stripsenjoch Haus. Durchgehend äußerst sonnig, meist ohne Wolken. Nach der Ankunft lag ich also erstmals bei meiner Wanderung auf einer Sonnenterrasse. Trotzdem: Gegen Abend regnete es. Zwar nur gezählte vier Tropfen, aber genug, um weiterhin sagen zu können: Es gab noch keinen gänzlich trockenen Wandertag seit 1. Juli. Herrliche Wanderung durch ein herrliches Tal, der Hitze trotzte der herrliche Bach. Einzig die letzten beiden Stunden waren von einem sakrischen Anstieg geprägt. Tipp des Tages: Einkehr beim Hans Berger Haus ja. Kaspressknödel-Suppe dort nein. Jegliche üppige Kost dort nein, weil der Anstieg zum Stripsenjoch jeden Schweinsbraten als sündigen Fehler entlarvt.
Reden wir nicht mehr über die zwei Blasen. Acht Zigaretten geraucht, vor dem Bettgang ein Vierterl Rot.
Hund Niko Poldi ist super drauf. Und er ist so gescheit: Jede Lacke, jeden Zugang zum Bach nützt er, um seine Pfoten zu kühlen.

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 24.07.2009 | Tags: , , , | 9 Kommentare
 

Big Berge, Big Talks. Tage achtzehn und neunzehn.

wanderung18_busfahrt-regenIn den Bergen ist die Luft für Small Talk zu dünn. Das passt gut für mich, weil ich solches Sinnlosgerede auf Wiener Sinnlosveranstaltungen manchmal nach einer Minute mit den Worten „Das ist ein Scheiß-Gespräch, nicht wahr?” beende. Mein Gegenüber schaut dann meist böse, eigentlich immer. Ganz so, als ob es nicht der gleichen Meinung wäre. Lächerliche Situationen sind das.

In den Bergen braucht es kein verbales Warmwerden. Nach „Griaß di”, „Servus” oder „Hallo” geht es immer gleich zur Sache. Am äußerst verregneten Samstag nämlich so:
Ich (steige in den Bus, der mich von Achenkirch nach Steinberg führt, ein Minibus mit neun Sitzen, ich der einzige Fahrgast): „Servus!”
Er (der Busfahrer, legt die Zeitung weg): „Hallo!”
Ich: „Wann fahren Sie denn?”
Er: „Ich bin Anton, wohin musst du?”
Ich: „Nach Steinberg.”
Anton (fährt los): „Wohin genau?”
wanderung18_fuse-regenIch: „In die ASI-Lodge. Kommen wir da noch bei einem Supermarkt vorbei?”
Anton: „Nein. Aber was brauchst du?”
Ich: „Batterien.”
Anton: „Musst du mir genau sagen, welche. Ich kann sie dir besorgen und dann um fünf Uhr ins Hotel bringen.”
Ich: „Äh, wirklich?”
Anton: „Ist kein Problem. (reicht mir einen Apfel) Gerade ist nicht viel los, da habe ich Zeit. Wohin gehst du?”
Ich: „Von Bregenz bis Wien, morgen bis Kufstein. Du bist nicht von hier, oder?”
Anton: „Nein, Kroatien.”
Ich: „Aber schon lange hier? Du sprichst gut deutsch.”
Anton: „Ja, seit zwölf Jahren. In Kroatien bin ich nur ein Monat im Jahr.”
Ich: „Und deine Familie ist auch hier?”
Anton: „Ich habe nur Mutter und Bruder und so. Aber keine Frau.”
Ich: „Wieso nicht?”
Anton (atmet langsam und tief aus): „Ach, weißt du: Ist nicht leicht. Verdiene nicht viel, ist schwierig. (hebt die Hand und zeigt geradeaus) Da schau, das ist ASI-Lodge. Und hier in Steinberg leben ungefähr 295 Menschen. Und das ist das Dorfwirtshaus, Waldhäusl. Und hier ist die Feuerwehr.”
Ich: „Du kennst dich gut aus.”
Anton (lächelt): Ja, habe ich einmal Bürgermeister hergeführt. Der ist ein netter Mensch, war der jüngste Bürgermeister Österreichs, als er begonnen hat. Und der hat gesagt, wenn mich jemand über Steinberg fragt, soll ich das erzählen.”
Ich (schon beim Aussteigen, bedeutsam): „Danke, Anton. Und danke, dass du mir die Batterien besorgst.”
Anton (gibt mir noch einen Apfel): „Ah, gerne. Und pass auf dich auf. Wenn Gewitter ist, schalte Gerät aus. Wegen Magnetfeld.” (lächelt offen, fast bedeutsam)

wanderung19_sanfte-hugelAm Sonntag wanderte ich dann die bislang mühsamste Etappe, stundenlang nur Forststraße. Und was soll ich sagen: Erstmals zog sich der Weg und mir gewaltig den Nerv. Aber erstmals ging ich mich in eine Trance, jetzt verstehe ich, warum die Menschen am Jakobsweg alle irgendwann einen brennenden Dornbusch oder Erscheinungsäquivalent sehen: Die Ödheit macht dich einfach wukiwuki. Ich beschloss, nie den Jakobsweg zu gehen. Eine Erscheinung hatte ich trotzdem, eine handfeste:

(Szene: altes Wochenendhaus mitten im Wald, davor Auto mit Münchner Kennzeichen. Eine junge Schäferhündin läuft mir entgegen, wild bellend)
Ich (unsicher): „Ja hallo, bist du eine liebe?”
Hündin (bellt unbeirrt)
Ich (motivierend): „Sicher bist du eine liebe!”
Er (bayrischer Akzent, aus dem Off): „Flora, gib a Ruh!” (kommt um die Ecke) Die tut nix, will nur g’streichelt werden.”
Ich: „Ah so. (streichle Flora) Schön haben Sie es hier.”
Er: „Ja, ich bin ja schon seit zwanzig Jahren da. Wo sind Sie her?”
Ich: „Aus Wien.”
wanderung19_forststraseEr: „Da ist mein Sohn gestorben. Da war er 34 Jahre. Herzinfarkt.”
Ich (sprachlos): „…”
Er: „Vor fünfzehn Jahren. Heuer wäre er 50 geworden.”
Ich (unbeholfen): „Au weh. Ihr einziges Kind?”
Er (auch unbeholfen, blickt in die Luft): „Die Tochter hat sich von uns abgewendet. Weil meine Frau liegt im Heim, sie hat Altzheimer, kennt mich gar nicht mehr richtig. Und seit es ihr so schlecht geht, hat die Tochter den Kontakt eingestellt.”
Ich (völlig sprachlos)
Er: „Naja. Aber ich bin im Sommer halt viel da.”
Ich: „Ist schön da.”

wanderung19_forststrase2Tag 18 (18.7.2009): Maurach – Steinberg am Rofan mit dem Bus. Als ich in der Früh aus dem Fenster sah, hat es geschüttet, als ob Wasser nix wert wäre. Ab 1400 Meter aufwärts dominierte Nebel, aus dem nur wenige Bergspitzen hervorblitzten. Sie waren schneebedeckt. Folglich wurde aus meiner geplanten Überquerung des Rofan-Gebirges samt Abstieg über einen seilversicherten Steig eine 40minütige Busfahrt. Ach ja: Es regnete bis 23.48 Uhr in der Nacht durch. Gute Entscheidung also, wenn es mir auch um das Rofan leid tat. Tipp des Tages: Die Zimmer in der ASI-Lodge in Steinbgerg haben ein unglaublich gelungenes Innen- und Licht-Design. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, ein Lob dem Innenarchitekten.
Aus drei bösebösen Blasen (zwei große Zehe links, eine Zeigezehe rechts) wurden zwei urmegabösebösen (die auf der linken Zehe fusionierten). Neun Zigaretten geraucht (nicht viel für einen Tag im Tal), zum Abendessen einen halben Liter Rotwein genossen.

Tag 19 (19.7.2009): Steinberg am Rofan – Thiersee – per Anhalter nach Kufstein. Sonne mit sanfter Bewölkung. Der Dauerregen des Vortages hatte die Wiesen getränkt, weshalb meine Hose nach einer Stunde patschnass war, und die Bäche anschwellen lassen, weshalb ich bei einer Überquerung in einen solchen hineinstieg. Ich war also nass, keine gute Voraussetzung für zehn Stunden Gehzeit und über 40 Kilometer Weg. Nach 36 war ich in Thiersee und konnte dem Ruf der überaus freundlichen Tirolerin nicht widerstehen: „Ein Saft?” lockte sie zuerst und dann: „Wir fahren dann Richtung Kustein, sollen wir dich mitnehmen?” Tipp des Tages: Unterschätze nie die Macht der monotonen, erschlagenden, demotivierenden und die Füße stets an denselben Druckstellen belastenden Forststraße. Weite ohne Ausblick ist des Wanderers jüngstes Gericht.
Die zwei Blasen entwickeln sich zu Massengräbern (eine große Zehe links, eine Zeigezehe rechts) und schmerzen. Elf Zigaretten geraucht, um gegen die Fadesse der Forststraße anzukämpfen.

In eigener Sache: Danke für alle, die sich anboten, Hund Niko Poldi zu chauffieren! Er wird ab morgen wieder dabei sein. Yipieh!

 21.07.2009 | Tags: , , , , | 4 Kommentare
 

Reaktionen

Assoziatives Denken, anders ist das nicht zu erklären. Mein Satz ist ja seit Monaten gleich: “Ich wandere im Sommer von Bregenz nach Wien.” Die Reaktionen sind meist unterschiedlich, wenn es auch Häufungen gibt. Und irgendwann habe ich ein System erkannt: Hinter der Antwort steht eine Assoziation, hinter der Assoziation eine Haltung, dahinter ein Typ. Quasi: Sag’ etwas auf „Ich wandere im Sommer von Bregenz nach Wien“ und ich sage dir, wer du bist.

   1. „Axel N., du spinnst“

Typus: Der ängstliche Antithesen-Freak. Denkt sich „Bist-du-deppert” und träumt zugleich vom zweimonatigen Aussteigen. Würde aber nie im Leben den eigenen Alltag dafür eintauschen. Und schon gar nicht gegen einen Rucksack, bestenfalls gegen den blendend weißen Sandstrand. Findet im weiteren Gespräch tausend Gründe gegen die Wanderung, aber keinen dafür.

   2. „Der Otto-Motor ist schon erfunden“

Typus: Scheiß Benzinpreise. Hat seinen Sonnenbrand von langen Cabrio-Ausfahrten und nennt sein Auto bei Namen. Sagt „Ich stehe ums Eck”, wenn das Auto dort parkt. Macht Termine in der Ferne vor allem wegen zu fahrender Romy Gala/12.4.08Kilometer aus und wird sich eine Veloursleder-Polsterung leisten, sobald die Kinder aus dem Auto sind.

   3. „Expedition Österreich?“

Typus: Der ORF-Nostalgiker. Hat sich in Mirjam Weichselbraun verliebt, als sie ihre ORF-Karriere als Außenposten in der legendär erfolglosen Sendung begonnen hatte. Ist oft alleine, weil sich mittlerweile weniger an die Sendung erinnern als an den ersten Dancing Star. Die Liebe zu Weichselbraun wurde später von der zu den WG-Girls von „Mitten im Achten” abgelöst.

   4. „Jakobsweg?“

Typus: Der Beseelte. In Krisenzeiten wendet man sich gerne an spirituelle Instanzen, Schnaps oder Gott. Wenn der Verein Gottes selber in der Krise steckt bleiben nur Volksgottheiten, etwa das deutsche Komiker-Ass Hape Kerkeling. Seine Bibel Ich bin dann mal weg” ist in den Bestsellerlisten noch immer da. Der Beseelte überhört „Bregenz – Wien“ und ignoriert, dass der Jakobsweg in Spanien ist. (Ja, werter Leser, der Jakobsweg ist ein Netz durch ganz Europa, aber wer kennt jemanden, der ihn nicht in Spanien gegangen ist?)

   5. „Warum?“

Typus: Mein Unfallchirurg. Trockener Metzgerschmäh, morgen mehr.

 21.06.2009 | Tags: , , , , , | 11 Kommentare