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Archiv für das Tag: lechtaler

 

Und ewig lockt das Häusl. Tag vierzehn.

wanderung14_forststraseIch habe lange überlegt, ob ich über meine erotische Ausstrahlung oder Stuhlgang schreibe, beides Abfallprodukte meiner Langwanderung. Ich hatte gestern viel Zeit zu überlegen, den ganzen langen Weg von Biberwier nach Leutasch. Der ist nämlich in der Tat ein „leichter Spazierweg”, also ohne Ablenkung, erinnert er doch in Gefälle und Ebenmäßigkeit an den Trott einer Einkaufsstraße. Das Publikum ist dementsprechend mehr Kinderwagen und Krückstock, was ich wirklich genossen habe: Nach all den Lechtaler Fexen endlich Menschen, die in die Berge gehen ohne ihre Grenzen im Tal zu lassen. Die genau dort sind, wo sie hinwollen. Und hingehören: An den Füßen der Berge, zwischen Mieminger Kette und Wettersteingebirge statt obendrauf. Menschen, die keinen Gipfel brauchen und erkannt haben, dass ein Berg auch von 1400 Höhenmetern aus imposant aussieht.

wanderung14_weidetafelFür das Thema „erotische Ausstrahlung” spricht die immer wiederkehrende gleiche Begebenheit: Ich überhole Wanderer und vor allem -innen mittlerweile, als ob sie stünden, ach was: als ob sie langsam rückwärts gingen. Wenn ich so an ihnen vorbeifliege, merke ich weibliche Blicke in meinem Sog. Erzähle ich von meinem brachialen 1200 Kilometer-Weg, schlagen Frauen auf der Hütte stellvertretend für ihr Dekolleté ihre Augen auf. Ihre bewundernden Fragen verleihen mir Heldenhaftes. Dabei rücken sie langsam und nur wenig von ihren mitwandernden Männern ab und degradieren sie zu männlichen Mitwanderern. All diese Indizien meiner gewonnen Unwiderstehlichkeit sind für das Publikum kaum zu merken, für mich aber mit jedem zusätzlichen Tag meiner sexuellen Abstinenz deutlicher. Und es kümmert mich gar nicht, ob das vor allem an meinem schweißnassen T-Shirt liegt oder an meiner Schmutzigkeit. Ob es der intellektuelle Weitblick ist, der mich umgibt oder der testosteronschwangere Dunst.

wanderung14_lusternekuheAls ich dann über die planierte Forststraße an Almen vorbeizog, schien mir sogar eine Kuh nachzublicken. Eine besonders schöne, mit besonderen Augen. Mit großen, lüsternen Augen. Da dachte ich in mir, es gibt bessere Themen: Dauergehen, werte Leserin, treibt Stoffwechsel und schlussendlich Stuhlgang zu ungeahnter Regelmäßigkeit. Bis zu zwei Sitzungen pro Tag. Unwiderstehlich.

Tag 14 (14.7.2009): Biberwier – Ehrwald – Gaistal – Leutasch. Viel Sonne, wenige Wolken, Regen erst nach der Ankunft: Gutes Wanderwetter, wenn auch etwas schwül. Idyllischer Spazierweg zwischen Wettersteingebirge und Mieminger Kette, eignet sich für Mountainbiketouren und Familien: Sechs Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen (alleine mache ich ja wanderung14_ehrwaldalmkaum Pausen). Tipp des Tages: Die Touristenbastion Ehrwalder Alm schnell verlassen! (dort wird gerade der Stausee vergrößert: „Wir bauen für Sie das neue Ausflugsziel.” Aaaaaaargh!) Dafür Zeit reservieren, um kurz vor Leutasch die Füße in die gleichnamige Ache zu hängen. Paradiesisch! Keine Blase, neun Zigaretten geraucht, abends schon wieder Wein getrunken (Willkommensachterl Mitwanderin Claudia).
Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Das wäre heute deine Strecke gewesen: Viel Bach, kaum Stein!wanderung14_leutscherache

 15.07.2009 | Tags: , , , , | 4 Kommentare
 

Über die alpine Gleichheit des Menschen. Ruhetagsrückblick.

wanderung8_hollanderBerge sind in Stein ruhende Toleranz. Sie hüpfen weder mit Demonstrationsplakaten noch vor Parlamenten herum, sie maßregeln die Intoleranten nicht. Sie sind einfach. Und sie sind tolerant. Auf eine derart unprätentiöse Weise, Lessing muss seine Ringparabel in den Bergen geschrieben haben. Es ist den Bergen völlig wurscht, wer auf ihnen latscht. Wer von ihnen fällt oder sich mit ihnen rühmt. Wer auch immer sie bezwingen mag, die Berge merken gar nichts von diesem Kampf. Sie müssen sich nicht einmal rühren, um solche Menschen abzuwerfen.

Das färbt ab. Auch die Menschen werden in den Bergen gleicher. Der eine ist farbig, der andere Zimmermann. Die eine hat Geld, die andere schon drei Achttausender bestiegen. Sie sind alt oder viel zu jung. Siehe Memminger Hütte. Da übernachteten vergangenen wanderung10_vorderedremelscharte5Mittwoch rund 120 Menschen. Ja, das ist eine Menge: Auf dieser Hütte kreuzen sich der Europäische Weitwanderweg 4 (der in Österreich entlang meines Weitwanderwegs 01 verläuft) und der E5: Oberstdorf-Meran in sechs Tagen. Und wie soll ich sagen: Die Wiener Südosttangente ist dagegen wenig befahren. Nein, ich weiß auch nicht, ob es eine echte Gaudi ist, im Gänsemarsch die Alpen zu überqueren, da müsste man Hannibal fragen. Aber das ist jetzt gar nicht das Thema.

Das Thema sind zum Beispiel die vier hannovanischen Jugendkinder zwischen 10 und 19, die spät abends, waschelnass die Memminger erreichten. Ich kannte die Gesichter, sie waren am Vorabend auch in Bach (Lechtal). Dort hatte ich mir schon Geschichten zu ihnen überlegt: Pfadfinder, Jungschar, wanderung10_anhalterhuttehelmutmit den Eltern in Urlaub und für zwei Tage auf Erkundungstour. Für etwas Aufregenderes hatte die Szene nicht gereicht, ein Zehnjähriger, eine Dreizehnjährige, ein Bursche und ein Mädchen, die beide wie sechszehn aussehen, alle mit Rucksäcken, an denen Blechhäferl baumeln. Auf der Memminger erzählte mir Julia, dass sie 19 und wie die Lage wirklich ist: „Die beiden Kleinen und ich sind Geschwister, er (der tatsächlich 16jährige) ein Freund von uns. Wir gehen einen Monat, bis Verona.” Auf meinen geistesverwirrter Blick gepaart mit dem gestammelten Wort „Eltern” sagte sie weiter: „Ich musste sie fast ein halbes Jahr überreden.” Ja, aber, äh, ich meine, na sag mal, bearbeiten 19jährige Mädchen ihre Eltern sonst nicht eher wegen einer USA-Reise, einer Schauspielausbildung oder eines wanderung10_anhalterhuttechristoffesten Boyfriends, der in einer Dark-Heavy-Gothic-Metal-Band spielt? „Ja sicher. Aber die Berge sind doch toll.” Julia sagte das wie nebenbei.

Die anderen Jugendlichen auf der Memminger waren aus sozial schwierigen Verhältnissen, auch auf dem Weg über die Alpen und Protagonisten einer arte-Doku. Dem dazugehörigen Kamerateam gehörte auch ein Farbiger an. Der plauderte lange mit den beiden ellenlangen, drahtigen Holländern, die vor dem Essen Schach auf der Hütte spielten und danach von ihrer Wanderung erzählten: Amsterdam-Rom. Warum? Warum nicht! Die beiden waren an dem Abend die Surferboys und wurden auch so umschwärmt. Nur die beiden Rumänen schauten nicht verliebt auf sie, ich glaube, die wollten ein wanderung11_geretteteinnsbruckerbisschen von der Ehrerbietung haben. Aber mit „sechs Tage durch die Lechtaler” eroberst du auf der Memminger bestenfalls den Kameramann von arte. Das muss die beiden Rumänen demotiviert haben, denn am nächsten Tag wollten sie auch bis zur Steinsee Hütte, aber abends habe ich sie dort nicht mehr gesehen. Egal, ich unterhielt mich dort stattdessen sehr eingehend und intelligent mit dem Deutschen über den Zustand des Journalismus. Was er denn mache? „Ganz einfach erklärt: Zimmermann.” Er ging am folgenden Tag klettern und reagierte auf meine Sorgen über ausgesetzte Höhenwege wie die meisten: mild, aber mit ein bisschen „kein Problem”.

Bei Hosenschissern wie mir stößt nämlich selbst die montane Toleranz an ihre Grenze, siehe Alois. Dabei habe ich es so klar gesagt: Ich gehe wandern. Das ist in meinem Gedankenlexikon: „Wandern, das. Begehen der Berge auf Wegen, die wanderung11_romanschaferhuttePlatz für beide Füße bieten und aufrechtes Stehen und Gehen erlauben.” Punkt punkt punkt! Und was soll ich sagen: Der Freitag Abend auf der Anhalter Hütte gab mir auf traurige Art recht. (Wo ich übrigens ein vergnügliches Dinner mit den beiden Schwaben Helmut und Christof hatte, die zwei sind Freunde und ehemalige Kollegen, aber in manchen Dinge so unterschiedlich, dass das Gespräch etwas von Kabarett hatte, da Helmut der pragmatische Familienmensch mit ausgeprägter Konsensneigung, dort der investigative No-Kids-Fan Christof mit dem Drang zum widersprechenden anderen Standpunkt) Die unglaublich lebensfrohe und freundliche Hüttenwirtin Carmen (es geht nicht anders: Prädikat abgedrehte Nudel) ist Hamburgerin und vor 21 Jahren wegen eines Pitztalers nach Tirol gezogen. Die Fotos von ihm, mitten im Speisesaal, zeigen den Vollbärtigen als echten Alpinisten, wie ein Double von Reinhold Messner. Auf hohen Gipfeln steht er, das mutig Alpinistische ihm ins Gesicht geschrieben. Unter einem Foto steht „2002″ und „Lawine”. Da hörte ich zwischen all dem Menschenlärm im Saal die Radionachrichten: „Nanga Parpat” und „Österreicher vermisst”. Und der tolerante Hosenschisser in mir dachte sich: Mit mir nicht, liebe Berge, nur mit den Anderen, nicht mit mir! Auch weil er in diesem Moment noch nicht wusste, dass er am nächsten Tag ungewollt und verzweifelt in einem Erdhang hängen und die Berge sagen hören wird: „Anders? Ha, ihr seid doch alle gleich!”wanderung11_tarrentonalmmenschen

(Anmerkung: Die Menschen auf den Fotos zeigen nicht unbedingt die Protagonisten der Geschichten. Weil einerseits nicht alle davon plakativ dargestellt werden sollen. Und weil die Fotos anderer Menschen, die ich treffe, auch Geschichten haben. Solche, die man nicht gar nicht erst beschreiben muss.)

Ruhetage 2 und 3 (12. und 13.7.2009). Hotel Cube (erfrischend anders, wenn auch mit Schönheitsfehlern) in Biberwier: Zimmer – Frühstück – Lobby mit WLAN – Sonnenterrasse mit Blick auf die Zugspitze – Waschraum mit Trockner – Bar – Zimmer. Tipp des Tages: Wenn die Waschmaschine nicht funktioniert, ärgere dich nicht alleine. Sondern mit dem hessischen Pärchen ohne hessischen Akzent. Keine Blase mehr (!), zu viele Zigaretten geraucht, einige Achtel Rotwein getrunken, Zeit wieder auf den Weg zu kommen.
Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Bist du schon wieder fit? Wie wäre denn dein Comeback in Kufstein?

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 14.07.2009 | Tags: , , , , , | Keine Kommentare
 

Funklecher. Tage 9-11.

Die Funklöcher der Lechtaler Alpen haben mich endlich ausgespuckt. Kurz bevor ich heil am Fernpass angekommen bin, meldete mein Handy rund achttausendzweihundertvierundzwölfzig Millionen Nachrichten. Ein deutliches Signal, dass ich wieder zurück in gemäßigterer Lage bin, nachdem die vergangenen drei Tage seilversicherte Scharten und haltlose Erd-Unwege mit sich brachten. Jetzt bin ich da. Die Erlebnisse dieser Bergwandertage forme ich jetzt zu einem Rückblick, der der Lechtaler Alpen würdig ist: so durchtrieben wie der Wettergott, so unumgänglich wie das Leben und immer nur so dramatisch, wie das Auge des Betrachters es sieht. Vor diesen Geschichten aber hier der schnöde Prolog: Die Kurzbeschreibungen der Tage 9 bis 11. Mit Fotos.

Tag 9 (9.7.2009): Memminger Hütte – Oberlahms Joch – Alblit Joch – Gufelgras Joch – Steinsee Hütte. Fast nur Sonne, einige Wolken, zählbare Tropfen: Perfektes Wanderwetter, Regen erst nach der Ankunft. Langer und wunderschöner, unfrequentierter Wanderweg: Neun Stunden unterwegs, davon gut sieben auf den Beinen. Tipp des Tages: Alte Wege neu entdecken statt dem Mainstream zu folgen. Fast keine Blase mehr (große Zehe Unterseite links), sechs Zigaretten geraucht. Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Aber du hättest dich mit der Steinbock-Herde, der ich heute berührend nahe kam, nicht verstanden!

Tag 10 (10.7.2009): Steinsee Hütte – Vordere Dremelscharte – Hanauer Hütte – Boden – Hanntennjoch – Anhalter Hütte. Leichter Regen am Morgen, Schnee auf der Scharte, mehr Regen, wenig Sonne, viel Sonne, viel Regen. Abenteuer Scharte, Gaudium Schneefeld-Abstieg, Spazierweg: Acht Stunden unterwegs, davon sechs auf den Beinen, eineindreiviertel bei Rast, Essen und Kaffee und 15 Minuten im Auto (Boden – Hanntennjoch). Tipp des Tages: In der Steinsee Hütte übernachten, an der Hanauer vorbeigehen, sich dazwischen auch als Wanderer durchaus über die Dremelscharte trauen. Fast gar keine Blase mehr (große Zehe Unterseite links), acht Zigaretten geraucht. Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Aber so sehr dir der Schnee heute getaugt hätte, so übel hättest du mir das Geröll genommen.

Tag 11 (11.7.2009): Anhalter Hütte – Hinterberg Joch – Tarrenton Alm – Tegestal – Fernstein – Biberwier. Viel Sonne, zwischendurch ein wenig Regen: Gutes Wanderwetter. Schöne Wanderung mit dem Hang zum gepflegten Irrweg: Sieben Stunden unterwegs, davon gut fünf auf den Beinen. Tipp des Tages: Manchmal kommt man mit jedem weiteren Schritt dem Verderben näher als dem Ziel. (Zur Erklärung: Der Weg war heute einfach aus. Dafür war ein grauslicher Erdhang ohne Halt da. Ich habe mir einen ordentlichen Adrenalinschub dabei abgeholt und schlussendlich einen urdreckigen Hosenboden, weil ich den Hang nach unten abrutschen musste. Quasi abrutschen statt ausrutschen. Die Einheimischen haben diese Stelle später als „berüchtigte schwarze Erd, da kugeln immer wieder ein paar runter” beschrieben. Ah ja.) Eine sich auflösende Blase (große Zehe Unterseite links), fünfzehn Zigaretten geraucht, vier Achtel Rotwein (erster Alkohol auf der Wanderung). Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Auch weil alle Almhunde dir so ähnlich sehen.

 13.07.2009 | Tags: , , , | Ein Kommentar
 

Dienstag war kein Tag für Freytag

Reden wir Tacheles: Meine aktuelle Karte von freytag & berndt (WK 372) ist gemeingefährlich. Mir ist das schon in der Planung der Wanderung aufgefallen: Wo der Wanderführer die Wortgruppen „absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit”, „Schwierigkeitsgrad F” (das ist der höchstmögliche, G c2a9lendl_axel2gibt es nicht mehr) und „extrem hochalpines Gelände” verwendet, malt man bei freytag & berndt eine durchgängige rote Linie in die Karte. Das bedeutet „leicht begehbarer Spazier- od. Wanderweg”. Aber gestern und heute wurde dieser Schwachsinn konkret, bitte denken Sie mit:

Von der Bergstation des Rüfikopfes zur Stuttgarter Hütte strichliert f & b die Wanderlinie, was einen „Bergwanderweg” kennzeichnet. Hollodaro, denkt man da, der Weg ist gar kein Problem für mich, dabei ist der sogar schwieriger als der durchgängig Rote. Gut ist das, denkt man sich, weil ja die Wege danach, von der Stuttgarter zur Leutkircher und weiter zur Kaiserjoch Hütte, dann sogar wieder durchgängig sind, also von f & b als leichte Spaziergänge klassifiziert. Ich behaupte, das ist falsch. Mein entscheidendes Argument: Ich bin die Wege gegangen, die von f & b offenbar nicht. Sicherungsseile, kleine Kletterstufen und winzig schmale Gratstücke mit beiderseits steilen Abhängen sind weder leicht, noch Spaziergang. Sondern schlicht furchtbar & bescheiden, wenn man nicht darauf eingestellt ist.

Meine Mitwanderer und ich sind gut drüber gekommen, aber wir haben uns schon gewundert. Familien mit Kindern, gehschwächere Menschen oder Berg-Neulinge wären nicht mehr zum Wundern gekommen. Die hätten Angst, würden fürchten & beten.

Uns hat die merkwürdige Liniengestaltung nur verunsichert, weshalb wir am siebenten Tag schon wieder vom Höhenweg abgestiegen sind. Um am achten dann wieder auf- und nach dem für uns unsicheren Stück wieder in den Wanderweg einzusteigen. Aber ich gebe zu: An dieser Verunsicherung ist nicht nur frei erfunden & bedrohlich schuld. Es gibt noch eine Sache, die unzuverlässig ist.

c2a9lendl_axel1Womit wir noch einmal Tacheles reden: Scheiß Regen! Ja ich weiß, dass ich mich angesichts versinkender Landeshauptstädte und ausgelöschter Existenzen nicht über nasse Füße aufregen darf. Aber ehrlich, langsam zerfließe ich in gepflegter Zermürbtheit. Ich habe das heute beim leichten Spaziergang für mich so erklärt: Die drei Feind-Elemente der Wanderung sind Schweiß, Adrenalin und Wasser. Mit der schweißtreibenden Anstrengung komme ich zu Recht, wie gesagt, die Gelenke halten, was die Muskeln versprechen. Das Adrenalin bei steilen und schwierigen Stellen halte ich mit Testosteron-Salven in Schach. Aber Wasser attackiert an drei Fronten: Mit Blasen an den Füße, mit Kälte und Starrheit an den Knochen und mit der Rutschigkeit des Untergrundes.
Schon gut, ich höre auf zu jammern. Nur ein Satz noch: Grauslich daran ist die Routenumplanerei, die ständigen Rauf und Runters, weil ich gewisse Wegstücke im Zweifel lieber nicht gehe. Wer jetzt Weichei sagt, hat wahrscheinlich recht. Aber wie sagen meine Freunde von der Bergrettung so gerne: Die Mutigen sind alle schon im Himmel. Ich habe mich damit abgefunden, dass die Lechtaler Alpen (der gewaltigste und sakrischste Gebirgszug meiner Wanderung) bei diesem unbeständigen Wetter nicht ohne Modifikationen zu machen sind. Zumindest für mich nicht.

Im Übrigen: Meine Mitwanderin Nore hat eine Karte von Kompass. Die scheinen die Verteilung von durchgängigen, strichlierten und gepunkteten (Steige) Linien nicht zu würfeln. Fazit: Vergesst f & b. Und die Watthose in den Bergen nicht.

Tag 7 (7.7.2009): Leutkircher Hütte -Kaiserjoch Hütte – Abstieg nach Kaisers – Bus nach Bach (im Lechtal, das ist übrigens echt unbetastet, na bitte nicht widersprechen, oder wem wären die Orte Kaisers und Bach bei „Stadt, Land, Fluss” eingefallen?) Sanfter Regen, starker Regen, unbedeutende Regenpause, beim Abstieg starker Regen. Neun Stunden unterwegs, davon viereinhalb auf den Beinen und gut drei mit Überlegungen beschäftigt, ob und wie man weitergehen könnte. Tipp des Tages: Die Käseknödel-Suppe auf der Kaiserjoch Hütte! Eine böse Blase (große Zehe Unterseite links), sieben Zigaretten geraucht. Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Aber es ist besser für dich, diese Wege nicht zu gehen!

 09.07.2009 | Tags: , , | 15 Kommentare