Im Sinne eines geordneten letzten Wegfünftels (Jubel, Jubel allerorts!!!) will ich hier und heute einige Fehler aufklären, die sich in das Bild meiner wunderbaren Wanderung eingeschlichen haben. Anbei auch die fotopittoreske Auflösung der rätselhaften Errari.
Irrtum 1: Niko Poldi ist ein lieblicher Hund.
Das ist so nicht richtig. Niko Poldi ist ein lieber Hund, kein lieblicher, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, aber ihm nicht ins Maul. Das Bild zeigt deutlich Niko Poldis unendliches Talent als Hauptrollen-Mime im gepflegten Horrorfilm. Die schwarze Bestie kann also auch anders, das ewige Good-Dog-Image ist eindimensional und unzureichend.
Irrtum 2: Axel rennt wie aufgezogen.
Ganz im Gegenteil nützt Axel jede Pause aus, um gediegen herumzulehnen. Dabei ist ihm völlig egal, ob die Last seines Nobelkörpers von einem gemeinen Wanderstock oder einem speziellen Mitwanderer getragen wird, Hauptsache Entlastung. Zwar achtet Axel immer darauf, dass dieser Akt der Faulnis (nein, nicht Fäulnis!) nie von einer Kamera gebannt wird, aber wie zu sehen, misslingt das gelegentlich.
Irrtum 3: Laszlo rennt wie aufgezogen.
Der mimische Ausdruck auf diesem Bild beweist, dass auch vierzehn Tage Alpinkur den sympathischen Ungarn noch nicht zum Hunnenkönig machen. Es gilt Ähnliches wie für Axel.
Irrtum 4: Mit knapp 79 ist man alt.
Früher wollte ich aussehen wie Clooney, heute will ich aussehen wie Ferdl. Wenn der Mann sein Hemd ablegt und barbrüstig durch die Berge zieht, dreht sich nach mir nämlich keine Kuh mehr um. Ich meine das ganz ernst: Ferdinand ist mein Beweis für den Spaß nach 66, nicht Udo Jürgends.
Irrtum 5: Der Berg ist nie kitschig.
Diesen Irrtum konnte ich bei der Rast auf dem Radmerhals schlagartig entkräften. Da gibt es diese katholische Gedenktafel und ich nehme mir die Freiheit heraus, diese als den schlimmsten Kitsch zwischen Bisamberg und Großglockner zu bezeichnen. Natürlich macht das ja nix. Aber gesagt gehört es einmal.
Irrtum 6: Wandern ist eine ernste Sache.
Mit dieser sagenhaften Falschmeldung versuchen eingefleischte Bergfexe den ulkigen Stadtwanderer von den schwindligen Höhen fernzuhalten. Denn da oben habe man immer fokussiert und ernst zu sein, wegen der Gefahr, wegen der Ehre, wegen wasweißich. Ich aber sage euch: Auch Spaß muss sein.
Irrtum 7: Die Musikanten sind im Stadl.
Die Musikanten sind immer dort, wo sich die Stimmen erheben. Denn auf Almhütten und Aplenvereinshäusern scheinen Instrumente klimatisch bestens zu gedeihen. Wer also singen will, kann singen. Im konkreten Fall die Runde auf einer Ramsauer Alm.
Was uns zu Irrtum 8 führt: Die Ramsau liegt am Dachstein-Fuß.
Das stimmt zwar an sich schon eh, aber eben nur eh auch: Auch Eisenerz hat eine Ramsau, die ist sehr familienfreundlich und perfekt für den Ausflug zwischendurch. Und als ob es einem die Ramsauen (nicht zu verwechseln mit den Schweinsschnitzerln in Rahmsauce) besonders schwer machen wollen, gibt es in der Eisenerzer ein nordisches Trainingszentrum, wo doch die Dachsteiner für das Nordische bekannt ist. Da kann man das schon verwechseln.
Irrtum 9: „Alpenverein oder Bergrettungs-Förderer? Das brauche ich nicht!“
Da war zum Beispiel dieser eine Mitwanderer, der mir erklärte, er brauche die Alpenvereins(AV)-Mitgliedschaft nicht. Auf der ersten Hütte fragte er, ob ich das Zimmer für ihn mitzahlen könne, wo ich doch den AV-Preis bekäme. Oder anderer Fall: Auf der heutigen Etappe plauderte ich mit Mitwanderern Romy und Peter über die Bergrettungsförderschaft, dass das auch eine Ehrensache sei. Und wie zur Unterstützung ratterte in dem Moment der ÖAMTC-Hubschrauber Christophorus Richtung Felswand Kaiserschild, um einen Kletterer zu bergen. Der war nicht verletzt, sondern nur erschöpft. Gutes Timing, trotzdem bleibe ich dabei: Es ist eine Frage der Ehre.
Irrtum 10: Peter sei kein Steirer.
Freunde belächeln Mitwanderer Peter seit Jahren, wenn er seine steirischen Wurzeln betont. Aber der Mann hat Recht: Wer sich den ganzen Tag auf den Steirerkas freut wie die Wüste auf den Regen und dann so eine Freude im Blick hat, muss Steirer sein. Wuff!
Tag 46 (15.8.2009): Radmer an der Stube – über die Forststraße auf den Radmerhals (der Weg über den Lahngraben ist gesperrt – Eisenerzer Ramsau – Eisenerz. Diesen Weg würde ich als echten Spazierweg beschreiben, stellenweise mit tollem Blick auf die Berge. Und am Ende dieser gemütlichen Wanderung fühlt man sich am besten noch ein bisschen in der Ramsau wohl. одеваемся на выпускной Ganztags Sonnenschein. Knapp fünf Stunden unterwegs, davon vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Wissen belastet. Irren befreit!
Keine Blase. Elf Zigaretten geraucht, zwei Achterl Rot, zwei Schnäpse (Zur Verabschiedung meiner Mitwanderer Katrin, Peter, Romy und Laszlo). Hund Niko Poldi hat seine Horror-Fratze auf dem Bildschirm gesehen und träumt nun schlecht neben mir. Sich selbst zum Fürchten bringen, das ist Schauspiel vom Feinsten.
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Wenn man es vom Loser aus begeht, stirbt das Tote Gebirge langsam. Bis zur Pühringer Hütte wirkt es sogar recht lebendig, steht gut im Saft kräftiger Farben und ist sanft im Gelände. Erst eine halbe Stunde nach der hübschen Hütte am See wird es älter. Die Steine werfen Falten und erinnern an die Gesichter des Alters. Das lebendige Grün weicht einem schalen Weiß. Und bei der mächtigen Steigung Richtung Rotkogelsattel weiß man nicht, ob die Berge röcheln oder man selbst.
Fleischbank vorbei, die vereinzelt durchschimmernden Blumen sind bestenfalls ein letztes Geleit. Und am Temelbergsattel ist alles aus.
Später wandere ich zum Priel Schutzhaus und gebe mir zum Leichenschmaus ein Tellerfleisch. An das Tote Gebirge denke ich den ganzen mühsamen Abstieg zurück. Und dann am Ende beginnt das Leben wieder, an einem Sandstrand an der Krummen Steyr. Wo wieder Vögel zwitschern. Wo sich im Wasser unfassbares Blau einen eindrucksvollen Kampf mit durchsichtiger Klarheit liefert. Wo Hund Niko Poldi jauchzt und bellt. Als möchte er die Erinnerung hochhalten.
auch so nicht raus: Hier der Dach-, dort der Traunstein. Neun Stunden unterwegs, davon siebeneinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Nach dem mühsamen Abstieg vom Priel Schutzhaus kommt man auf die Forststraße und sollte den Blick stur nach links richten. Da sieht man urplötzlich einen buchtartigen Platz an der Krummen Steyr, sowas hat man noch nicht gesehen. Wer hier nicht rastet, rastet nie. Quasi rastlos.
durch scharfkantige und heiße Steine läuft? Genau: Einen kleinen Fluss, ein geworfenes Stockerl, Sand zum Wälzen und Zeit für sich.
In Gosau habe ich die Abzweigung auf den Wanderweg Richtung Iglmoos Alm verpasst. Ich weiß nicht, ob es an meiner morgendlichen Wirre lag oder an mangelnder Beschilderung. Ist auch egal. Jedenfalls habe ich bald gemerkt, dass die flache Forststraße, der ich folgte, nur parallel zu dem richtigen Weg verläuft. Umkehren wollte ich nicht, man schenkt auf dem Berg keine Höhenmeter her. Ich habe auf dem Plan schon gesehen, dass meine Straße demnächst mitten im Wald ein einsames Ende finden wird, aber der abenteuerliche Schelm in mir meldete sich inbrünstig: „He Alter, jetzt gehen wir seit dreiunddreißig Tagen immer auf dem Weg, den Blick immer nach der nächsten Markierung suchend, da werden wir doch in flachem Gelände ein paar hundert Meter durch das Dickicht pirschen können.“ „Ja aber“, entgegnete ich „am Berg niemals den Weg verlassen!“ „Und immer warm anziehen, nie ohne Schirm aus dem Haus, zur Vorsorgeuntersuchung rennen und abends schon das
Gewand herrichten. Lass uns einmal Piraten sein!“ Wir erreichten das Ende der Forststraße und zogen querfeldein Richtung Berg.
Aha, das ist jetzt eine Kurve nach links, na das wird wahrscheinlich der, naja, vielleicht aber doch, da oder nein, weiß nicht, na glaube schon.
Nein, werte Leserin und werter Leser, diese Fragen haben kaum mit mir zu tun. So schnell öffne ich mein Innerstes nicht. Wobei, und das möchte ich auch einmal sagen: Wir kennen uns schon ganz gut.
schön, besonders die unfassbar idyllische Schartenalm faszinierte mich. Gleich danach fiel der Nebel ein, aus dem die sehr schöne, angeblich auch mit herrlichem Ausblick gesegnete Goiserer Hütte auftauchte. Die Menschen dort waren so nett, dass sie es locker zum Tipp des Tages bringen würden. Wenn sie nicht eine so leckere Wildsuppe kochen würden, dass nur mehr Platz 2 frei ist .
Almhütte zur Rast. Sie waren vergnügt und lachten. Sie wirkten zufrieden mit dem Wetter, den Bergen und sich selbst. Sie sangen einfach so ein Lied, mehrstimmig und kunstvoll, dabei vollkommen unprätentiös und zum Panorama der klaren Hochkönig-Felsen passend. (höre dazu den Phonecast Nummer 12) Sie störten die anderen Gäste nicht, aber nahmen sie durch das Singen ohne Gesten in ihre Runde auf. Sie genossen die Welt und ließen sie an sich teilhaben.
Sooft ich ältere Menschen auf meinem Weg treffe, sooft habe ich das Gefühl, sie sagen mit etwas, ohne es auszusprechen. (Simon & Garfunkel nennen das in „Sound of Silence“ „talking without speaking“) Sie prahlen nicht mit ihrer Weisheit. Auch weil es dieser Weisheit innewohnt, nicht zu bekehren. Sondern einfach zu singen, ohne Rücksicht auf peinliches Gekicher. Dem wiederum der Neid innewohnt, dass man selber nicht auch manchmal einfach lossingt. Sie nehmen sich heraus, auf der Alm zu sitzen und die Gipfel anderen zu überlassen. Weil sie durch ihre Augen eine größere Fernsicht haben als von da oben.
Tag 30 (30.7.2009): Erich Hütte – Arthur Haus – Pfarrwerfen – mit dem Taxi nach Werfenweng. Sonnenschein bis mittags, dann zunehmend bewölkt und windig, fast bis stürmisch, Regengüsse ab 17.05 Uhr. Um 17 Uhr hatten wir Pfarrwerfen und das dortige Wirtshaus erreicht, grins. Sehr malerischer und einfacher Hangweg, ab dem Arthur Haus teils wilder Hangabstieg. Acht Stunden unterwegs, davon sechs auf den Beinen. Tipp des Tages: Der gute Schnaps im Wenger Alpenhof, Werfenweng. Das erinnert mich an einen Nachtrag: Auch der Enzian-Honig-Schnaps am Ingolstädter Haus ist einen Ausrutscher wert. Schmeckt wie Hustensaft für Große. Toll.
und jetzt einfach auf der Terrasse des Ingolstädter Hauses ums Eck bog. Der Laszlo, dessen Liebesgeschichte in meinem Blog so viele neugierig gemacht hatte, wer dieser Laszlo denn ist. Nun, was ich sagen kann: Er ist einer, der nach Lofer fährt, auch wenn er mich telefonisch nicht erreicht. Der auf den Berg geht, auch wenn er nicht sicher ist, ob er mich dort trifft. Und der durch diese sympathisch sture Überzeugung zur Überraschung des Tages werden kann. Dieser Laszlo ist wieder dabei, womit wir nun fünf wandernde Freunde sind: Laszlo, Michi F., Michi H., Axel und Niko, der Hund.
nächtigen bei Bauern, im Rucksack fast nur getrocknete Melanzani. Wenig wunderlich, dass wir mit ihm reden wollten. Hier die Essenz des Gesprächs.
zu Ende und ich hatte dort die letzte Person, bei der ich nächtigen konnte. Dann habe ich mir gedacht: Jakobsweg.“
Ohne Geld, angewiesen auf Andere, der eigene Weg ohne Kompromisse – dein Gehen strotzt vor Egoismus. Hast du keine Angst, dass deine Freundin sich trennt?
Der Wirt der schnieken Stallenalm grinste das Grinsen des Einheimischen. Er stand in seiner fleckenlosen Leserhose vor uns, das Flinserl blitzte am Ohrläppchen. Der Klemmerichsteig zur Loferer Alm, das sei kein Weg. Die Forststraße sei bekömmlicher. Wir mögen keine Forststraßen, also gingen wir den Klemmerichsteig. Und wie soll ich sagen: Der blanke Urwald, wunderschön. Genau das suchen Stadtmenschen auf dem Berg. Beschwerlich? Nicht, solange man den Blick hat, wo er hingehört. Zwischen regelmäßigen Schönheitsbekundungen dachte ich über den Wirt nach: Wieso sagen dir die Tiroler im Oberland beim seilversicherten Weg über Felsen, man könne ihn mit dem Rollstuhl rauffahren? Und im Gegenzug wird man hier unterländisch auf die Forststraße empfohlen, sobald der Weg nicht Turnschuh-tauglich ist? Hätte ich mir jüngst nicht den Superlativ an sich verboten, wäre der Klemmerichsteig nun der schönste Weg meiner Alpin-Historie. In meiner Welt gehörte er unter Natur- und Denkmalschutz gestellt und als wahres Naturerlebnis beworben, warum ist er dem Stallen-Chef ein Hindernis? Und dann fiel es mir ein: Wegen des Blickwinkels.
Laurent. Jaja, das musste einfach mal sein. Aber darum geht es jetzt nicht.






Die haben sich dereinst kompliziert verliebt, er Wien, sie Graz. Er pendeln, sie doppelt alleine erziehend. Er 

