Urlaub in Österreich  |  Presse  |  Kontakt  |  RSS

Archiv für das Tag: kehlegg

 

Zweiter Tag: Gratwanderung.

wanderung2_freschen„Einen Gipfel zu bezwingen ist schöner als ein Orgasmus”, hat eine Freundin einmal gesagt. Und so verdutzt ihr Freund ¬ ihr damaliger ¬ da geschaut hat, so recht hatte sie. Sie widersprechen, werter Leser? Waren Sie gestern am Hohen Freschen dabei, als fünf Menschen aus dem Flachen den Binnelgrat bezwungen hatten oder ich? Adrenalin und Endorphin machen Liebe und das alles ganz langsam und zum Genießen. Bis man auf den Gipfel kommt.

Na eben.

wanderung2_freschen2Dass der Weg von Kehlegg zum Binnelgrat für durchschnittliche Zu-Fuß-Menschen der geschmeidigere ist als jener über Bödele – Dornbirner First – Mörtzelspitze – undundund, verschweigen die Vorarlberger. Verständlich, sie sehen im Binnelgrat auch nicht mehr als einen hohen Gehsteig. Dabei ist er uh ah, beiderseits geht es tief genug hinunter, dass unten die Hölle beginnen könnte. Ein Schritt nach dem anderen. Konzentration auf den Weg, keine Ablenkung. Jeder Fehltritt wäre der letzte. Genau das ist es: Der Binnel ist nicht nur ein Grat. Er ist eine Gratwanderung. Angst und Freude auf vierzig Zentimetern Wegbreite. Wann hat man beim Sex je soviel zu verlieren? Oben angekommen ist es ähnlich: Man sieht die Welt und hat das Gefühl, sie dreht sich nur um einen selbst. Und manche rauchen eine.

wanderung2_freschen31Wir haben uns trotzdem mit dem Wegkommen beeilt, das Wetter rollte mit lautem Donner von Westen heran. Da will man nicht kuscheln, sondern diese zwölf Stunden lange, 29 Kilometer weite und knappe 2500 Auf- und Ab-Höhenmeter anstrengende Tagesetappe beenden. Und was soll ich sagen: Nach kurzem Stopp am Freschenhaus waren die verbleibenden drei Stunden nach Damüls wie eine Wanderung am Grat. Und das Gefühl am Ziel war wie am Freschen. Nur ohne Gipfel.

Tag 2 (2.7.2009): Kehlegg (Gasthaus Firstblick) – Hoher Freschen – Damüls. Sonnig, schwül, spätes Gewitter. Monstertour: Zwölf Stunden unterwegs, davon neuneinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Früher Aufbruch (halbacht ist fast zu spät, vom Freschenhaus bis Damüls ist es schon noch weit! Eine abklingende Blase (kleine Zehe links), neun Zigaretten geraucht.

Traurig: Hund Niko Poldi humpelt, er scheint überanstrengt zu sein.

 04.07.2009 | Tags: , , , , , | 2 Kommentare
 

Erste Änderung…

wanderung1_spiegel… am ersten Tag. Und: Ja, ich fühle mich dabei ausgezeichnet. Es ist auch ganz leicht gewesen, nämlich weil das Leben einem manchmal wirklich zur Hilfe eilt. In etwa so:
Meine Etappengefährten und ich sind um 17 Uhr in Kehlegg (die Vorarlberger variieren zwischen „der Weg nach Kehlegg”, „der Weg ins Kehlegg” und „der Weg aufs Kehlegg” als ob es völlig wurscht wäre, ob Kehlegg nun ein Ort, eine geografische Einheit oder ein Berg ist. Und ehrlich: Ist es auch.) im herrlichen Gasthaus Firstblick (weil Blick auf den Dornbirner Fist) gesessen, sie im Kampf mit dem Hungergefühl, ich im Kampf mit meinem Blog. Der guten Stimmung stand im Weg, dass wir noch über drei Stunden Weg vor uns hatten. (Die einheimische Gasthaus-Chefin nennt das „naja, gut zwei Stunden”) Und dann kawumm. Ein Wolkenbruch, dass du die Tropfen für Hagelkörner hältst. Und so sehr uns das Gewitter den ganzen Tag mit Abwesenheit geärgert hatte (weil sein mühsamer Stellvertreter, die Schwüle, dominierte) – wir tanzten innerlich. Äußerlich wechselten wir gegenseitig Bekundungen aus, wie traurig das jetzt aber auch ist. Aber nur bis wir Zimmer bei der einheimischen Frau Wirtshaus erbeten und bei unserer eigentlichen Zieletappe storniert hatten.

Natürlich ist eine Art Scheitern: Planänderung, Etappenverkürzung, das alles am ersten Tag. An dieser Stelle mögen sich die Zyniker an jene wenden, die mir seit Wochen einimpfen: Nix übertreiben, langsam angehen, gerade am Anfang nicht erzwingen, das gefährde das gesamte Projekt. Liebe Freunde, ihr habt recht, ich beuge mich. Weil den ganzen ersten Tag (der im übrigen mit drei Stunden Gehsteig-Wanderung beginnt, so ist das halt zwischen Bregenz und Dornbirn) die hämmernde Frage „Warum” auf mich eindrosch. Sie ist wie eine lästige Fliege: Sie schwirrt dir um den Kopf und geht dir mächtig am Popo. In jedem verdammten Moment, auf jedem vermaledeiten Höhenmeter und nährt ihre Kraft aus jedem ekelhaften Kilo in meinem Rucksack. Warum macht die Romantik am ersten Tag einer Wanderung eigentlich immer blau?

Die Frage im Gewand der Fliege lässt sich nicht vertreiben, nur in Schach halten. Durch das Absingen von Liedern. „Wie beim ersten Mal”. „First Cut is the deepest”. „Beim ersten Mal tats noch weh”.

Ich sage es offen: Es war für den ersten Tag einfach genug und einen solchen Firstblick tritt man nicht mit Füßen. Schon gar nicht mit geschwollenen. Ich dusche jetzt, lege mich ins Kuschelbett. Und summe „Die erste große Liebe” von Wolfgang Ambros.

wanderung1_nikoTag 1 (1.7.2009): Bregenz Hauptbahnhof – Kehlegg (statt Bregenzer Hütte). Grauenhaft schwül, spätes Gewitter. Sieben Stunden unterwegs, davon fünf neben der Straße. Tipp des Tages: von Bregenz bis Dornbirn nimmt man den Bus, basta! Eine Blase (kleine Zehe links), zwölf Zigaretten geraucht.

 02.07.2009 | Tags: , , | 3 Kommentare