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Archiv für das Tag: hund

 

Poldis Pause

wanderung4_nikodaNiko da.

Heute Früh sind meine drei Mitwanderer Katrin, Livi und Pauli planmäßig abgereist. Hund Niko Poldi ist auch abgereist, aber nicht planmäßig. Er ist überanstrengt. Er geht zwar, wälzt sich in der Wiese und spielt mit Kieselsteinen im Bach. Aber sobald der Untergrund sandig oder kantenreich ist, humpelt er. (Ein bisschen habe ich das Gefühl, er humpelt besonders stark, wenn  ich ihn an die Leine nehme und es nach Aufbruch riecht, aber das will ich ihm nicht unterstellen.)

wanderung4_nikowegNiko weg.

So kann er leider nicht mit auf die nächste Teilstrecke (Lech-Fernpass), die sieben Tage ausschließlich über hohe Berge führenwird. Er braucht eine Pause, also ist er mit den drei Freunden in den Bus gestiegen. Und wie soll ich sagen? Unglücklich war er darüber nicht.

 

 

 

Aber keine Sorge: Niko Poldi will be back. Wenn er erholt ist. Denken wir eine Minute lang gemeinsam an ihn und wünschen ihm fette Knochen, schnell heilende Gelenke und tiefe Träume von der schönen Lassie…

wanderung4_nikoschneefeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch 30 Sekunden…

 

wanderung4_nikobrunnen

 

 

Danke!

 04.07.2009 | Tags: , | Ein Kommentar
 

Kärnten, ein Nachtrag.

wolayersee

 

 Ich habe es schon erwähnt: Von Sonntag bis Dienstag weilte ich in Kärnten. Nämlich eines der beiden Bundesländer, das nicht auf meiner Wanderroute liegt. Ja, das andere ist das Burgenland und nein, da braucht jetzt niemand blöd zu lachen, Berge und so, haha. Ich gehe schließlich am Ende auch durch Wien. Wenn ich schließlich am Ende durch Wien gehe…

Auf die Diskussion, ob drei Tage Kärntenberg vor einer zweimonatigen Wanderung über Österreichberg sinnvoll sind, lasse ich mich jetzt schlicht nicht ein. (Soll heißen: Ich zweifle ja eh selbst) Aber ich traf in Kärnten auch die Bergrettung. (Weil Wanderung in Kärnten gleich Presseeinladung der Generali, die wiederum die Bergrettung fest sponsert, die dafür wiederum einmal im Jahr Wirtschaftsjournalisten an Seil und Haken auf einen Gipfel geleitet.) Für mich eine gute Gelegenheit, Tipps einzuholen und Strecken zu besprechen. Ernüchtert zu werden, hinterfragt zu sein. Gute Wünsche und neidische Blicke mit auf den Weg zu bekommen. Oder einfach nur Hinweise, was denn im Rucksack sachdienlich sein könnte. Und was vertrottelt schwer und sinnlos.

Also habe ich gestern, dem Dienstag vor dem großen Start, ein bisschen umzupacken gehabt. Und jetzt eine großartige Möglichkeit, den obligaten und viel geforderten „Was ich alles im Rucksack habe”-Eintrag zu verfassen. An dieser Stelle sei all jenen gedankt, die mir in den vergangenen Monaten geraten haben: „Nimm das und das mit. Das hat eh kein Gewicht.”

Miteinander hat es 15 Kilo. Alle Ratschläge hätten 150.

  • Steigeisenfeste Berg- oder leichte Trekkingschuhe. Wechselweise ein Paar am Fuß, eines im Rucksack. Der übrigens 70 Liter fasst.
  • Drei Paar Wandersocken, zwei davon dünn, eines mitteldick. Dazu Folgendes, und das gilt für alle Gewandutensilien: Es ist selbstverständlich mühsam und auch ein bisserl grauslich, täglich ein Paar zu tragen und das andere, soeben im Waschbecken ausgewaschene, zum Trocknen am Rucksack baumeln zu lassen. Es ist aber viel grauslicher (die hier notwendige Steigerungsstufe zu mühsam fällt mir nicht ein), noch mehr Kilo Gewand in den Rucksack zu pferchen.
  • Zweieinhalb Leibchen. Zwei Halbfunktions-Polos (aus einem Stoff, der das abgesonderte Schweiß-Flüssige nicht völlig aufsaugt) und ein Vollfunktions-Shirt. Das ist so wenig, dass es nur halb zählt.
  • Die Hose ist an den Beinen, nicht im Rucksack.
  • Drei Boxershorts. (Kein Wort!) Zwei eng anliegend, eine weiter geschnitten. (Kein Wort!)
  • Ein Fleece und eine Bergjacke, ineinander verzippbar (tolles Wort: verzippbar, verzippbar, verzippbar).
  • Teleskop-Wanderstöcke, oh ja, sehr wichtig.
  • Eine Haube, Handschuhe, röhrenartiges Hals- und Kopftuch. (Das ist total in, sagt man. Im Fachgeschäft)
  • Eine digitale Spiegelreflex, dieses HP 2140-Mini-Notbook (formvollendet, funktionell und federleicht), meinen Orange-Datenstick (formvollendet und federleicht), ein GPS (ohne Wanderkarten darauf, bitte kein Wort!) und natürlich alle Ladegeräte dazu. Alleine das würde einen Esel rechtfertigen, lieber Auftraggeber.
  • Ein Klettersteig-Set. Zur Sicherheit auf ausgesetzten Wanderwegen. (Einigen wir uns einfach darauf, dass Schwindelfreiheit immer eine Frage der potentiellen Absturzhöhe ist)
  • Biwacksack, Gamaschen & Regelschutz (für echten Rock n Roll-Rain), Hüttenschlafsack, Erste Hilfe-Klumpert, das nötigste Waschzeug (Bürste, Pasta, Nagelschneider, klitzekleines Duschgel, aus)
  • Wandkarten. Ja, trotz GPS. Romantik muss sein
  • Einen Schuh für den Hund. (Jaja, sehr witzig. Das kam so: Hund patschen2Niko Poldi ist bei mir nur auf Patchwork. Seine Fulltime-Besitzerin hat im Internet vier formschöne Pfotenschoner für schlimmen Untergrund wie Geröll besorgt. Hundert Euro. Ich habe sie in Kärnten ausprobiert: Hund Niko Poldi ist gegangen wie eine hüftkranke Giraffe und hat auch so gewinselt. Der eine Patschen ist der Kompromiss. Falls er sich verletzt.)
  • Pfeiferl, Sonnencreme, Taschenmesser. Müsliriegel vom Feinsten (Danke, Frau Coach!). Den Rest vergesse ich im Sinne der kurzweiligen Lesefreundlichkeit.

Nur eines noch: Den Alpenvereinsausweis und den Nachweis, Bergrettungs-Förderer zu sein. Weil diese Mitgliedschaften eventuelle Bergekosten decken. Schlechtes Karma? Werter Leser, seien Sie nicht naiv!

 01.07.2009 | Tags: , , , , , | 6 Kommentare
 

We have a dream. So yes, we can.

Ich wollte gestern an sich über meine finale Pack-Schlacht schreiben. Ich wollte. Den ganzen Tag über. Aber was soll ich sagen: Wenn man die Behausung auflöst. Wenn man den Rucksack, den man seit Wochen vor sich herschiebt wie einen kasachischen Kärntenurlauber mit schiefer Nase (sprich: von einem Eck ins andere stellt), endlich doch packt, aber nur weil man muss. Wenn man noch eine Reservierung für die ersten Hütten am Weg und noch ein Rezept für ein entzündungshemmendes und schmerzmilderndes Medikament ertelefonieren muss. Dann kommt man nicht zum Schreiben.

Auch nicht zum Luftholen, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bin dann gestern Richtung Kärnten gefahren, aber nur bis Graz. Auf dem Weg noch Freunde besuchen, quasi letztes Abendmahl. (Das ist jetzt stilistisch ein bisserl von Wolf Haas gestohlen, quasi Entschuldigung) Und jetzt kommt es: Ich schreibe gar nicht übers Einpacken. Gar nix über meine unfassbare große Freude, dass mein hin-, her- und fast abgeschobener Rucksack samt Technik (digitale Spiegelreflexkamera, GPS, Handy und Mini-Laptop – hier übrigens ein kurzes aber inbrünstiges Hoch auf das HP 2140 Mini-Notebook: formvollendet, federleicht und saugut, sowie auf den Datenstick von Orange: formvollendet, federleicht und saugut. Natürlich alles samt stromversorgendem Kabelsalat) völlig überraschend nur unfassbar leichte 12,3 Kilo wiegt. (also pro Wandertag nur 0,246 Kilo, ja natürlich ist das falsch gerechnet, liebes Lesermathegenie, es sind vielmehr 615 Tageskilo, aber ehrlich, was macht da jetzt mehr Lust aufs Wandern?) Gar nix über die 15 Zentimeter Restplatz im Rucksack, obwohl sogar die schwereren Bergschuhe und das gesamte Notfallsbiwak-Klettersteig-Sicherheitshalber-Das-Auch-Noch-Equipment schon drin sind. Ich schreibe lieber über besuchte Freunde.

bauernhof_harald1Die haben sich dereinst kompliziert verliebt, er Wien, sie Graz. Er pendeln, sie doppelt alleine erziehend. Er Lehrer, sie Doktoressa. Er frische Trennung für die Liebe. Dann haben sie gemeinsam einen alten Bauernhof gekauft. Alt im Sinne von Planierraupe, nicht im Sinne von Roseggers Waldheimat. Damals war Herbst 2006. Jetzt gibt es dort Pferd, Gänse, Hühner, eine Kuh (die übrigens am Muttertag kalbte), aber auch neue Wandteile (wo das alte Holz vermorschte), ein repariertes Dach, ein Badezimmer, eine Stube mit mühsam eingezogenem uralten Holzpfosten als Deckenträger, Pflastersteine vor der Türe, eine schnieke Edelstahl-Küche. Aber nicht, dass man jetzt glaubt: Beide arbeiten nach wie vor in ihren Jobs, sie gehen allen Pflichten total nach. Aussteiger sind sie höchstens nach Dienstschluss. Ach ja: Und davor, manchmal ab fünf Uhr morgens.

Der Punkt ist: Sie machen es. Sie leben den Traum. Sie haben den Bauernhof nicht nur gekauft, sie machen ihn zu ihrem Leben. Andere wollen es machen und reden am Ende davon, wie toll es gewesen wäre. Einen Bauernhof kaufen, eine Weltreise machen, mit den Walen schwimmen, ein Iglu bauen, ein Instrument oder eine fremde Sprache lernen, wasauchimmer: Im eigenen Wunsch vollkommen und restlos aufzugehen, das ist doch mal ein Motto fürs Stammbuch.

Proklamation: Ich verabscheue das Könnte und plädiere für das Tun.

Jetzt sitze ich wieder im Auto, diesmal bis Kärnten. Das verwirklichte Idyll hinter mir. Meinen eigenen Traum vor mir. Der Rucksack neben mir. Er ist derzeit fast mein bester Freund. Wäre da nicht Hund Niko Poldi. Der tut übrigens so, als ob ihm wurst wäre, was da auf uns beide zukommt, daher auch nichts dazu sagt. Aber das Glänzen in den Augen, das verrät ihn.

 28.06.2009 | Tags: , , , , , | 13 Kommentare
 

Wer ist Niko Poldi?

wanderung_niko11Um das zu klären: Natürlich habe ich Hund Niko nicht gefragt, ob er mit mir im Sommer von Bregenz nach Wien wandern möchte. Er hätte ohnehin nicht geantwortet. Das ist immer so: „Na, heute mit Rinderlunge oder lieber Huhn?“ Kein Laut. „Ein Wassi?“ Wieder keiner. „Machst noch Haufi?“ Nix.

Oh doch, ich würde mehr auf die Befindlichkeiten des schwarzen Hundes Niko eingehen. Spräche er mit mir. Oder gäbe er Zeichen, Laute, mimische oder gestische Wünsche. Aber Hunde tun das nicht, auch nicht Hund Niko. Trotzdem werden sie gefragt. Wie sonst nur Babys: „Hast du weh weh?“ „Wo ist der Schnulli?“ „Bist du schon müde. Gell?“ Kein Mucks! Wie auch mit zwei oder sieben oder elf Monaten? Daher holen die Fragesteller die Antwort postwendend bei dem sprechfähigen Sprachrohr des Babys ab. Mutter etwa.

Anders bei Hunden, anders auf der Hundewiese: „Na wer bist denn du?“ wird immer an den Hund gerichtet. Ohne postwendenden Seitenblick auf den Besitzer. „Und wie alt bist du denn?“ Ignorieren de luxe. Und dann immer derselbe Hammer: „Ein Mandi oder ein Weibi?“

Hund Niko ist ein kastriertes Mandi, sechs Jahre alt. Laut denen, die auf der Hundewiese nicht mit mir reden, sind das etwa 40 Menschenjahre. Er heißt auch Poldi, seit die Griechen im Euro 2004-Finale überraschend auch die Portugiesen geschlagen haben. Der griechische Torhüter hieß Nikopolidis. Ja, blöde Wette. Aber Hund Niko hat dagegen nichts gesagt.

Vorigen September habe ich auch mit Hund Niko geredet. Den gesamten Binnelgrat entlang. Das ist ein hundiger Steig auf der zweiten Tagesetappe (Bregenzer Hütte – Damüls). Mir fast zu dings, Hund Niko eh wurscht. Ich habe auf ihn eingeredet, er solle ruhig bleiben, langsam gehen und brav sein. Er hat es über sich ergehen lassen. Und mich so, therapeutisch wertvoll, über den Steig gebracht.

Am 2. Juli gehe ich den Binnelgrat wieder. Hund Niko Poldi wird nichts sagen.

 24.06.2009 | Tags: , , | 6 Kommentare