Um das zu klären: Natürlich habe ich Hund Niko nicht gefragt, ob er mit mir im Sommer von Bregenz nach Wien wandern möchte. Er hätte ohnehin nicht geantwortet. Das ist immer so: „Na, heute mit Rinderlunge oder lieber Huhn?“ Kein Laut. „Ein Wassi?“ Wieder keiner. „Machst noch Haufi?“ Nix.
Oh doch, ich würde mehr auf die Befindlichkeiten des schwarzen Hundes Niko eingehen. Spräche er mit mir. Oder gäbe er Zeichen, Laute, mimische oder gestische Wünsche. Aber Hunde tun das nicht, auch nicht Hund Niko. Trotzdem werden sie gefragt. Wie sonst nur Babys: „Hast du weh weh?“ „Wo ist der Schnulli?“ „Bist du schon müde. Gell?“ Kein Mucks! Wie auch mit zwei oder sieben oder elf Monaten? Daher holen die Fragesteller die Antwort postwendend bei dem sprechfähigen Sprachrohr des Babys ab. Mutter etwa.
Anders bei Hunden, anders auf der Hundewiese: „Na wer bist denn du?“ wird immer an den Hund gerichtet. Ohne postwendenden Seitenblick auf den Besitzer. „Und wie alt bist du denn?“ Ignorieren de luxe. Und dann immer derselbe Hammer: „Ein Mandi oder ein Weibi?“
Hund Niko ist ein kastriertes Mandi, sechs Jahre alt. Laut denen, die auf der Hundewiese nicht mit mir reden, sind das etwa 40 Menschenjahre. Er heißt auch Poldi, seit die Griechen im Euro 2004-Finale überraschend auch die Portugiesen geschlagen haben. Der griechische Torhüter hieß Nikopolidis. Ja, blöde Wette. Aber Hund Niko hat dagegen nichts gesagt.
Vorigen September habe ich auch mit Hund Niko geredet. Den gesamten Binnelgrat entlang. Das ist ein hundiger Steig auf der zweiten Tagesetappe (Bregenzer Hütte – Damüls). Mir fast zu dings, Hund Niko eh wurscht. Ich habe auf ihn eingeredet, er solle ruhig bleiben, langsam gehen und brav sein. Er hat es über sich ergehen lassen. Und mich so, therapeutisch wertvoll, über den Steig gebracht.
Am 2. Juli gehe ich den Binnelgrat wieder. Hund Niko Poldi wird nichts sagen.





