Der Aufstieg von Erpfendorf über den Gernkogel auf das Straubinger Haus ist von der Sorte „wahrscheinlich der anstrengendste, den ich je gegangen bin”. Und eben das ist multipler Blödsinn. Weil nämlich: Einerseits waren Sie, geschätzter Leser, bei noch keinem Aufstieg meines Lebens dabei, auch nicht beim Erpfendorfer. Und können ihn also genauso wenig nachvollziehen wie alle anderen Axel-biografischen Aufstiege. Andererseits war er natürlich auch nur der anstrengendste meines Lebens, solange ich in ihm verhaftet war, kaum oben war es halb so schlimm. Was bleibt ist die zwanghafte menschliche Neigung zum unerklärten Superlativ.
Immerzu war es bei uns „der schönste Urlaub”, „das beste Essen”, „der schlimmste Moment”, „der tollste Sex”… Dieses unqualifizierte Bewerten
treiben dir die Berge aus. Ein Beispiel? Der kometenhafte Aufstieg ab Erpfendorf war idyllisch, weil durch den Wald und über steile Wiesen. Er war voller Überaschungen, weil Bach-Schwimmbecken und verfallene Almhütten. Er war unberechenbar mühsam, weil Hitze ohne Wind. Und ja: Er war unfassbar anstrengend, weil gut 700 Höhenmeter ohne Umschweife. Aber der anstrengendste? Ob mehr Schweiß floss als bei allen anderen davor und danach? Weiß ich nicht, ist auch egal. Es gilt, sich auf die Eigenschaften zu konzentrieren. Andere Anstiege waren lehmig, verregnet, rutschig, hinterlistig. Und was weiß ich, welcher da der mühsamste war.
Worauf ich hinaus will? Deinen beschwerlichsten Weg von gestern kannst du meistens heute gleich in den Erinnerungspapierkorb legen. Deshalb musst du den Dingen einen Namen geben. Und ja, richtig: Das ist
wieder so eine Erkenntnis fürs Leben. Statt ein Erlebnis mit der Farblosigkeit eines namenlosen Superlativs kaltzustellen, lieber einmal sagen, wie Urlaub, Essen und Sex genau waren. Nicht nur best- und tollst-. Geben wir unserem Leben Namen und Farben.
Folglich: Der Gernkogel-Aufstieg von Erpfendorf war so anstrengend, wie kerzengerade hinauf eben ist. Ich würde ihm ein sattes Rot geben. (Aber im Übrigen ein großartiger Weg, lassen Sie sich nicht von den Einheimischen abschrecken und die alternative Forststraße einreden!) Als ich dann auf dem Straubinger Haus saß und der Schweiß getrocknet war, blieben nur die Bilder im Kopf: Blick auf das Unterland, das Kitzbüheler Horn und bis in die Hohen Tauern. Und, ach ja: Abends fegte dann ein Unwetter über uns,
wahrscheinlich das schwerste Unwetter meines ganzen Lebens…
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Tag 23 (23.7.2009): Stripsenjoch Haus – Kaiserbachtal – von Griesenau bis Erpfendorf per Taxi (nein, ich gehe keine Straßenkilometer mehr…) – über Gernalm-Steig zum Straubinger Haus. Sehr sonnig am Tag, Weltuntergang am Abend: Gewitter und 20 Minuten Hagel, danach Winter-Wonderland. Die Nachrichten verrieten aber, dass es anderswo in Österreich noch schlimmer war, trotzdem: Für den Berg Abenteuer genug. Trotzdem: Ein großartiges Erlebnis, vom Trockenen aus. Und noch immer kein gänzlich trockener Wandertag seit 1. Juli. Acht Stunden unterwegs, davon sechseinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Schwierige Wege gehen, die Herausforderung suchen.
Die zwei Blasen sind Geschichte, die Gegenwart gehört einer aufmüpfigen Unterhornhaut-Blase an der rechten Ferse. Elf Zigaretten geraucht, der
Rotwein vor dem Bettgang wird langsam zur ständigen Einrichtung.
Weil die Frage in einem Kommentar auftauchte, wo Hund Niko Poldi schläft: Der gute Wauwau und ich pflegen derzeit einen Disput um das Thema. Niko Poldi findet, mein Bett ist auch sein Bett. Ich verhalte mich dann wie folgt: Ich blicke ihm streng in die Augen, er schaut interessiert zurück живой цветок. Damit bin ich meist sicher, dass er seine Lektion gelernt hat und lasse ihn im Bett. Nein, das gehört sich nicht, aber das weiß er ja offensichtlich.
In eigener Sache: Danke, liebe Bergrettung, die ihr mich so toll auf eurer Homepage begleitet…!
Tags: bergrettung, einheimische, sex, superlativ, wetter



Niko Poldi ist bei mir nur auf Patchwork. Seine Fulltime-Besitzerin hat im Internet vier formschöne Pfotenschoner für schlimmen Untergrund wie Geröll besorgt. Hundert Euro. Ich habe sie in Kärnten ausprobiert: Hund Niko Poldi ist gegangen wie eine hüftkranke Giraffe und hat auch so gewinselt. Der eine Patschen ist der Kompromiss. Falls er sich verletzt.)

