Grenzgänger. Tag dreiunddreißig.

Der Gosaukamm ist schon besonders schön. Auch wenn er neben dem mächtigen Dachstein nur die größte Nebenrolle der Gegend abbekommen hat: Die Mischung aus wanderbaren Almen, schroffen Bergwegen und aalglatten Kletterwänden ist faszinierend. Kein Wunder, dass sich zwei Bundesländer den Gosaukamm teilen. Und so trat ich also am dreiunddreißigsten Tag über die Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich. Und in das vierte Bundesland meiner Wanderung ein. Bei der Rast auf dem Törleck schossen mir die vergangenen Bilder durch den Kopf. Bitte schön!

 

Tag 33 (2.8.2009): Stuhlalm – Törleck – über den Herrenweg nach Gosau. Sonne und Hitze kündigten an, was am Abend über uns fegte: Ein Gewitter, das alles zittern lässt, besonders Versicherungen. Der Herrenweg nach Gosau ist wirklich sehenswert schön, ein tolles Wandergebiet und kürzer als erwartet: Wieder viereinhalb Stunden unterwegs, davon vier auf den Beinen. (Ich muss sagen, die vier- bis fünf-Stunden-Tage mag ich am meisten. Da kommt man am frühen Nachmittag an und ist kaum erschöpft. Herrlich. Nur dass eben im Toten Gebirge wieder Schluss mit Frühschluss ist) Tipp des Tages: Umdrehen, immer wieder! Fast hätte ich beim forschen Schritt nach Vorne den Dachstein übersehen. Und man muss sagen: Immer eine Pracht. Wenn man auch bald einmal hinfahren sollte, denn der Gletscher schaut ein bisserl nach Sommergrippe aus.

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Bla-sen-frei! Elf Zigaretten geraucht, ein weißer Spritzer. Nein, zwei. Hund Niko Poldi scheint langsam zu akzeptieren, dass Wandern ein Dauerzustand ist Скайп для мобильного. Ich merke das an dem gleichmäßigen Trott, den er für immer weniger Ablenkungen verlässt, an seiner Bereitschaft, jeden kühlen Fleck zur Rast zu nutzen und an seiner schwanzwedelnden Freude, wenn ich in der Früh den Rucksack schultere.



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 Axel Halbhuber am 05.08.2009  |   4 Kommentare

Mitwanderer am Wort. Tag zweiunddreißig.

Wanderung32_NachtwächterStändiger Abschied gehört dazu. Man sieht den Berg in der Ferne auftauchen, besteigt ihn und verlässt ihn, bis er wieder am vergangenen Horizont verschwindet. Oder Menschen: Man trifft sie, führt satte Gespräche und verzichtet dafür auf den Austausch von Telefonnummern. Verabschiedet sich intensiv, aber nur so herzlich wie es eben authentisch ist. Wie auf der Körner-Hütte: Den Mann mit der bemerkenswerten Frisur getroffen, ins Gespräch gekommen, von ihm zu einer Bergmesse im Druiden-Stil eingeladen worden und gestaunt, als der Ex-Gendarm von seinem heutigen Wirken als Welser Nachtwächter und seinem erfüllten Leben sprach. Dann wieder gegangen.

Mit den Mitwanderern ist das ähnlich unaufgeregt. Nur, dass ich sie beim Abschied um eine Reflexion bitte.

 

Michi H. (39 Jahre, mitgewandert von Kufstein bis Lungötz)

„Nun sitze ich im EC „Vorarlberg“ und lasse mich von ÖBB und SBB nach zehn Wandertagen mit Axel und Co. bequem nach Zürich zurück bringen. „Vorarlberg“, wo Axels langer Weg begonnen hat. Die Alternative wäre der „Transalpin“ gewesen, hätte thematisch auch ganz gut gepasst. Sei’s drum, der Zug fährt gerade an Kufstein vorbei, wo mein Mitwandern begonnen hat. Hier nutze ich nun die Zeit um das Ver-Gangene (déja vu) ein bisschen zu reflektieren.

Wie kam ich überhaupt zum Mitwandern? Die Begeisterung bei mir dazu musste Axel erst gar nicht wecken, da hätte er offene Türen eingerannt. Ich war eh’ schon geistig auf diesen Zug aufgesprungen, als er mir das erste Mal mit all seiner Leidenschaft und Intensität von diesem Projekt erzählt hat. Nur noch ein Check der Urlaubsplanung und des Wanderplans und mein Entschluss stand fest: ich gehe mit! Von Kufstein bis Lungötz. Vom Inn zur Salzach. Und noch ein Stück weiter ins Lammertal. Ich bin zwar viel in den Bergen unterwegs, aber die Ecke mit Wilder Kaiser, Waidringer Steinplatte, Steinernes Meer, Hochkönig und Tennengebirge war von mir bisher noch unberührt.

Dann bei der Anreise: Im Panorama-Wagen des EC „Transalpin“ (jetzt kommt der doch noch zum Zug) der Blick steil hinauf in die Lechtaler Alpen, im Wanderung00_MichiHAmHPZeitraffer laufen die ereignisreichen Etappen von den ersten Juli-Tagen wie ein Film ab, nur bei strahlendem Kaiserwetter halt. Dieses blieb uns auch zum Großteil von Kufstein bis Lungötz treu.

Unsere Wege in diesem Abschnitt waren geprägt von steilen, teilweise verwachsenen, dafür umso wildromantischeren Aufstiegen. Von urwaldartigen Märchenwäldern. Von viel Wasser in Bächen und in über lange Zeit im Kalkfels ausgehöhlten Whirlpool-Becken. Von unzähligen steinigen Meilen (statt den im Arbeitsalltag dominierenden Meilensteinen). Und über all dem von den Logenplätzen mit dem Blick auf die Zillertaler Alpen und die gesamten Hohen Tauern. Am beeindruckendsten die glitzernde Gletscherwelt des Großvenedigers und seiner Trabanten und die kühnen Gestalten des Großen Wiesbachhorns und unseres Höchsten – des Großglockners.

All das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen, interessante Begegnungen lebendig wieder zu geben, das ist wohl Axels Profession. Emotional geht er dabei überall mit. Sei es mit einem sentimentalen Blick auf das Ver-Gangene. Mit glänzenden Augen auf die hohen Berge nah und fern. Mit Respekt vor tiefen Abgründen. Fluchend, wenn mal was nicht klappt. Vor Glück jauchzend, wenn’s wieder mal “afoch schee is” Скайп для мобильного. Unermüdlich und einfallsreich beim Organisieren der Unterkünfte bzw. beim Umdisponieren, falls es mal nicht so geht wie geplant. Zweifelnd und unruhig, wenn er mit seinem Blog in Rückstand gerät (es ist wirklich hart, so viel zu gehen und täglich darüber einen ausgereiften Blog zu verfassen). Hart zu sich selbst, vor allem dann, wenn es um die Zahnwurzel geht. Nachgebend, wenn eine Lösung für die Zahnschmerzen unumgänglich wird (Axel hat sich lange dagegen gewehrt). Wieder voll da (yesssss!), wenn sich derartige Probleme in Wohlgefallen auflösen. Traurig, wenn sich Mitwanderer verabschieden (müssen) – when it’s over, it’s over. Begeistert, wenn Niko Poldi ins Wasser springt und sich nachher in der Wiese wälzt (Axel überlegt sich dann, wieso er das nicht auch tut). Und überhaupt: dieser Hund Niko Poldi ist Klassenkasperl und Gruppenzusammenhalt in einem.

Gemeinsam haben wir wohl in den vergangenen zehn Tagen oder rund zweihundert Kilometern unsere Liebe zu den Bergen anständig und kräftig ausgelebt. Die Wellenlänge hat eindeutig gepasst. Und jetzt, zum Abschluss meiner Nachbetrachtung, eröffnet sich gerade wieder ein grandioser Blick in die Lechtaler Alpen …

Vielen Dank, lieber Axel! Komm gut nach Wien. Vielen Dank auch an die anderen Mitwanderer Iga, Laszlo, Manu, Marc und Michi F., welche ich alle als liebenswerte Menschen kennen gelernt habe. Jeden auf seine Art.

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PS: Als Nachtrag noch der (Bier-)Tipp des letzten Juli-Drittels am Weitwanderweg 01. Einerseits wird im Tiroler Unterland ein hervorragendes Huber-Bräu aus St. Johann ausgeschenkt. Man kann sozusagen getrost “A Hoibe Huba” (!) bestellen. Andererseits gilt im Salzburger Land: immer nach der S-Klasse Ausschau halten: Stiegl. Wohl bekomm’s!

PPS: Keine Blasen.“

 

Michi F. (36 Jahre, mitgewandert von Lofer bis Werfenweng)

Der heilige Jakob am Berg

Letztes Jahr im Herbst war ich Jakobspilger. 800 lange Kilometer in 28 Tagesetappen, von den Pyrenäen nach Santiago de Compostella. Zu Fuß, Wanderung00_MichiFAmHPversteht sich. Die Erleuchtung will schließlich verdient sein.

Erlangt hab ich sie trotzdem nicht. Drei Dinge aber habe ich unter anderem am Jakobsweg gelernt: erstens, beurteile niemanden nur aufgrund seines Aussehens oder seines augenscheinlichen Alters; zweitens, teile dir den Weg zu einem weit entfernten Ziel gut ein und überschätze dich dabei nicht; und drittens, glaub ja nicht, dass Frauen weniger schrecklich schnarchen können als Männer.

Nein, keine Erleuchtung, nur ein wenig mehr Reife hat mir der Jakobsweg gebracht. Ein paar einfache Erkenntnisse über mich selbst, die Menschen und das Leben an sich. Und ein paar magische Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Wieder zuhause war der Alltag schnell wieder da. 60-Stunden-Woche, Großstadt-Hektik, Lifestyle-Hedonismus, alles wie gehabt. Geblieben ist die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach Kontemplation auf langen Wegen.

Axel pilgert nicht, er wandert. Sagt er. Ohne große Erwartungen hat er sich einfach aufgemacht und geht von Bregenz nach Wien. Für die Österreich-Werbung. Nachzulesen täglich neu im Internet. So erzählt er es zumindest mehrmals am Tag all den fremden Menschen, die ihm am Weg begegnen. Die staunen dann zumeist und die Frage nach dem Warum wird erst gar nicht gestellt. Aber er erzählt es niemals ohne einen gewissen Stolz, und das lässt vermuten, dass es vielleicht doch nicht einfach so einfach ist, dass vielleicht doch mehr dahintersteckt als der Sommer-Job eines freien Journalisten im Web 2.0 Zeitalter.

5 Tage hab ich Axel bei seinem „Projekt“ begleitet. Von Lofer über Maria Alm bis nach Pfarrwerfen. Durch wilde Schluchten und über grüne Almen, durch das Steinerne Meer und entlang des Hochkönig-Massivs.

5 Tage volle Kanne Österreich, seine Berge und den damit verbundenen Tourismus, oder Fremdenverkehr, wie es früher einmal hieß. 5 Tage Speckbrot und Kas´pressknödel, Buttermilch und Soda-Radler, Lederhosen und Dirndlkleider, spartanische Alpenvereinshütten und Berghotels mit Vollausstattung. Das klingt zwar auch nicht nach Erleuchtung, doch auch hier gab es sie, die magischen Momente an ganz besonderen Orten und/oder mit ganz besonderen Menschen. Das Glühen der Berge, wenn die Sonne untergeht; der grenzenlose Blick auf schneebedeckte Gipfel in weiter Ferne; der frische Schluck aus eiskalten Bächen; Sterne, die ungestört vom schmutzigen Licht der Städte vor sich hin funkeln, dass einem der Mund offen stehen bleibt; die treuen Augen des besten Hundes der Welt (Niko Poldi, ich liebe dich auch!); tiefgehende Gespräche mit den Wanderkollegen (wenn auch nach mehreren Runden Schnaps). Tourismus (fast) ohne Hedonismus, Kontemplation im wahrsten Sinne des Wortes, weil hoch über dem Meeresspiegel. Nach diesen 5 Tagen bin ich mir jedenfalls sicher: Axel wandert nicht nur. Er pilgert doch. Spätestens am Ziel seiner Reise wird er das auch wissen.

Boun Camino, lieber Axel! Dein Michi F.“

Tag 32 (1.8.2009): Lungötz – Scherlreith – Pommer Parkplatz – Stuhlalm – Theodor Körner-Hütte – zurück zur Stuhlam. Ganztags sonnig, sehr heiß, abends bewölkt, die angekündigten Gewitter blieben schon wieder aus. Ich wählte den kürzesten Weg von Lungötz zur Körner Hütte, wo ich schlussendlich eh keinen Platz bekam (dazu muss man sagen: Ich hatte zwar reserviert, aber aufgrund der Ruhetagsverschiebung von Lungötz nach Bad Goisern war ich einen Tag zu früh dran) Gut, dass auf der fünf Minuten entfernten Stuhlalm noch Platz war. Wie alle praktischen Dinge war auch dieser Weg zweckdienlich kurz, aber nicht erstrebenswert schön, weil viel Forststraße. Viereinhalb Stunden unterwegs, davon knapp vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Auf der Stuhlalm kommt der Kaiserschmarrn mit marinierten Erdbeeren. Ja, das ist ebenso lecker wie es ungewöhnlich klingt.

Die klitzekleine Blase (linke große Zehe oben) kann sich nicht zum Durchbruch entscheiden. Sieben Zigaretten geraucht, zwei Achterl Wein gezwitschert. Hund Niko Poldi durfte gestern ganz ausnahmsweise im Lager der Stuhlalm schlafen. Und obwohl da drei leere Matratzen gewesen wären, blieb er die ganze Nacht im ihm zugewiesenen Holzboden-Eckerl. Braaaver Niko!

Wanderung32_Abschied



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 Axel Halbhuber am 03.08.2009  |   2 Kommentare

Überbeeindruckt. Tag einunddreißig.

Wanderung31_WegweisererGanz nebenbei: Den Text der Gedenktafel auf dem Weg zur Hackel-Hütte fand ich schön. „Johann Stüdl, einer der Gründer des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, rastete hier, 85 Jahre alt, am 26. Mai 1924, auf seiner letzten Bergfahrt.“ Und ich sage jetzt gar nicht, wie toll unaufgeregt und menschlich diese Erinnerung ist. Weil ich nämlich aufpassen muss, dass ich beim Wandern und Reflektieren nicht ins uferlos Sentimentale abrutschte. Jaja, werte Leserin und werter Leser, das ist auch mir aufgefallen, aber was soll ich sagen: Die Berge und ihre Protagonisten sind einfach schön, regen zu Empfindung an und lassen einen emotional nicht aus. Daher mein Rührung-Tsunami der vergangenen Tage.

Da hat der Text gut gepasst, den mir ein Mitwanderer letzten Sonntag aus der bunten Krone riss und den ich nun endlich gelesen habe: Prof. Dr. Gerti Senger schreibt da über „Liebe in freier Natur“. Die stehe laut Umfragen an „vorderster Stelle der erotischen To-do-Liste.“ Von „Kapriolen schlagender Phantasie“ und Wanderung31_Gedenktafel„lockenden, verträumten Waldlichtungen“ schreibt Doktoressa Senger und dass sich „naja“, ihre Begeisterung für diese außerhäusliche Liebe „in Grenzen hält“. Dass ich das nun weiß, dachte ich. Weil sich diese „Outdoor-Version“ des Aktes im „Ernstfall oft als Strafe, verschärft durch hartes Lager“ und „in den Rücken bohrende Wurzeln und Steinchen, herausstellt“, denkt Senger.

An dieser Stelle befiel mich eine sanfte Angst, auf den weiteren 500 Kilometern kein Wurzelchen oder Steinchen mehr übersteigen zu können, ohne an diese Worte zu denken. Aber dann schwenkte Sexpertin Senger doch endlich um: „Ihr seelisches Paradies können Sie beim Wandern finden.“ Na Gott sei Wanderung31_TennengebirgeDank, Reststrecke gerettet. Wegen der Zweisamkeit, sagt Senger. Und weil „alle angesprochenen Sinne“ kombiniert mit einem „Kuss auf dem Rastplatz“ ein „paradiesisches Glück“ sein kann.

An dieser Stelle befiel mich eine unbändige, satte, bohrende und vernichtende Angst, dass es womöglich immer so klingt, wenn einer über das Wandern schreibt. Dass der Schreiber in den Bergen zwangsläufig scheitert, wenn er seine tief empfundenen Eindrücke, Sentiment und Emotion, in schnöde Worte gießen will. Dass sich der Leser dann denkt: Wuki, vollkommen wuki, der Halbhuber.

Da klingelte es in meinem Kopf: „Johann Stüdl, einer der Gründer des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, rastete hier, 85 Jahre alt, am 26. Mai 1924, auf seiner letzten Bergfahrt.“ Freilich, dafür bekommt man keinen Professor verliehen. Aber das sind Worte, unaufgeregt und menschlich. Nur, ganz genau: Darüber wollte ich ja nicht schreiben. Umpf.

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Wanderung31_ErschöpfungTag 31 (31.7.2009): Werfenweng – Dr. Heinrich Hackel-Hütte – Aualm – Lungötz. Ganztags sonnig mit Wolken, recht heiß, die angekündigten Gewitter blieben aus. Schöne Wanderung an den südlichen Hängen, am Schluss am südlichen Fuße des Tennengebirges, oft gute Blicke auf dessen Scharten, aber auch in die Ferne zurück und auf den Gosaukamm. Fünfeinhalb Stunden unterwegs, davon viereinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Zwischen Jochriedel und Lungötz geht man durch das Truppenübungsgebiet Aualm. Auch dort erkennt man den friedliebenden Zustand unseres Bundesheers, erinnert das Gebiet doch an einen Nationalpark. Sehr schön.

Wanderung31_NikoSprungDie klitzekleine Blase (linke große Zehe oben) strafe ich mit Ignoranz. Schon wieder Feier-Abend, diesmal sanfter: Mitwanderer Michi H. und Laszlo verlassen mich, zu dritt tranken wir eine Flasche Wein, alleine rauchte ich zwölf Zigaretten Скайп для мобильного. Zu Hund Niko Poldis großer Freude gibt es bei der Aualm einen kleinen, sauberen Teich. Er ist gesprungen (Hund Niko Poldi springt mit vollem Anlauf vom Ufer Weg und schafft gut zwei Meter), hat sich geschüttelt und im Gras gewälzt, dazu harmonisch gebellt. Wir hatten unser Gaudium.

Wanderung31_NikoNachSprung



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 Axel Halbhuber am 02.08.2009  |   7 Kommentare

Drum schweige, wer etwas zu sagen hat. Tag dreißig.

Mir ist das Alter begegnet. Wie sooft auf meiner Wanderung, diesmal auf dem Weg von der Erich Hütte zum Arthur Haus. Kein exorbitantes Alter, sondern ein jugendliches. Sieben Frauen und Männer über sechzig. Auf einer Wanderung30_WegZumArthurHausAlmhütte zur Rast. Sie waren vergnügt und lachten. Sie wirkten zufrieden mit dem Wetter, den Bergen und sich selbst. Sie sangen einfach so ein Lied, mehrstimmig und kunstvoll, dabei vollkommen unprätentiös und zum Panorama der klaren Hochkönig-Felsen passend. (höre dazu den Phonecast Nummer 12) Sie störten die anderen Gäste nicht, aber nahmen sie durch das Singen ohne Gesten in ihre Runde auf. Sie genossen die Welt und ließen sie an sich teilhaben.

Und ich weiß nicht, ob es an der märchenhaften Naturszenerie lag oder an meiner grundsätzlichen Sympathie gegnüber Wiener Volksdichtern: Mir fiel Ferdinand Raimund ein. Der das Hohe Alter sprechen lässt. Das sich dem Bauer Fortunatus Wurzel aufdrängt, ihm keine Ruhe gibt und keine andere Wahl, als sich vom Alter beseelen zu lassen. Das ihm durch sein eigenes Tun und wortlos den Rat gibt, sein Leben anders zu leben. Um mehr Freude zu genießen.

Wanderung30_SängerrundeSooft ich ältere Menschen auf meinem Weg treffe, sooft habe ich das Gefühl, sie sagen mit etwas, ohne es auszusprechen. (Simon & Garfunkel nennen das in „Sound of Silence“ „talking without speaking“) Sie prahlen nicht mit ihrer Weisheit. Auch weil es dieser Weisheit innewohnt, nicht zu bekehren. Sondern einfach zu singen, ohne Rücksicht auf peinliches Gekicher. Dem wiederum der Neid innewohnt, dass man selber nicht auch manchmal einfach lossingt. Sie nehmen sich heraus, auf der Alm zu sitzen und die Gipfel anderen zu überlassen. Weil sie durch ihre Augen eine größere Fernsicht haben als von da oben.

Wer Raimund mag, neigt wahrscheinlich zum ausgeprägten Sentiment, das ist mir schon klar. Und hier oben, mitten zwischen Kuhfladen und Bergwegen, will ich mich auch gar nicht dagegen wehren. Überließe mir die Märchenfee einen Wunsch, würde ich sagen: „Ich möchte empfinden wie diese Menschen und mit ihrem Wissen durch die Welt gehen. In meinem übermütigen Körper. Mit meiner jugendlich inbrünstigen Stimme tatsächlich lossingen. Genießend, dass die Welt mich für verrückt erklären könnte.”

Wanderung30_KuhAufWegTag 30 (30.7.2009): Erich Hütte – Arthur Haus – Pfarrwerfen – mit dem Taxi nach Werfenweng. Sonnenschein bis mittags, dann zunehmend bewölkt und windig, fast bis stürmisch, Regengüsse ab 17.05 Uhr. Um 17 Uhr hatten wir Pfarrwerfen und das dortige Wirtshaus erreicht, grins. Sehr malerischer und einfacher Hangweg, ab dem Arthur Haus teils wilder Hangabstieg. Acht Stunden unterwegs, davon sechs auf den Beinen. Tipp des Tages: Der gute Schnaps im Wenger Alpenhof, Werfenweng. Das erinnert mich an einen Nachtrag: Auch der Enzian-Honig-Schnaps am Ingolstädter Haus ist einen Ausrutscher wert. Schmeckt wie Hustensaft für Große. Toll.

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Eine klitzekleine Blase (linke große Zehe oben, die ist überhaupt das Blasenmekka), Feier-Abend: Der halbe Weg ist geschafft und Mitwanderer Michi F. verlässt uns nun, es wurde also spät. Daher neunzehn Zigaretten, drei Achterl Rot und fünf Schäpse. Und ja, das ist interessant: Von drei Uhr bis acht Uhr zu schlafen entspannt mich mehr als von Mitternacht bis sechs Uhr Скайп для мобильного. Hund Niko Poldi hat auf effizientes Gehen umgestellt, läuft nicht mehr vor und zurück, sondern trottet in unserem Tempo. Schlaues Wautzi.



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 Axel Halbhuber am 31.07.2009  |   11 Kommentare

Wie geht es Axel? Tage acht- und neunundzwanzig.

Wanderung28_AxelUndNikoIch bin im Steinernen Meer ertrunken und dem Schicksal wirklich dankbar, dass ich dieses Bild anbringen kann. An sich wollte ich auf den Wellen dieses Gebirges surfen, in seine Kargheit eintauchen oder es leichtfüßig durchschwimmen. Aber eben, sehen Sie: Nichts ist so schön wie im Steinernen Meer zu ertrinken.

Dass mir die Steine bis zum Hals stehen, wurde mir bewusst, als eine liebe Freundin am Telefon zögerlich sagte: „Axel, du klingst grantig, das macht mir Sorgen.“ Das war der Ursprung einer Welle, die mich im Laufe des Tages überrollen sollte. Dazu mischte sich die Ruhe (umpf, ich muss es einfach sagen: vor dem Sturm) des Wanderns im Steinernen Meer. Die flache Steinwüste Wanderung28_SteinernesMeerdüsterschluckt an sich schon jeden Laut, kombiniert mit dem dämpfenden Hochnebel an diesem Tag, herrschte Stille. Selten hörst du einen Stein unter deinen Füßen wackeln. Noch seltener reißt dich der schrille Schrei eines Murmeltiers aus den Gedanken, den der Nebel aber sofort schluckt. Sonst Stille.

Meine Gedanken wurden also nicht extern gestört, sondern intern. Durch das regelmäßige, abschwellende und aufbrandende Schmerzen meines linken oberen Sechsers. Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht. Am nächsten Morgen sollte mir dann der Maria Almer Dentist Schwaiger eröffnen, dass mein linker oberer Sechser den Nerv völlig weggeschmissen hat und seine Wurzel dringend Behandlung Wanderung28_NikoBeimAbstiegbraucht. Ganz genau: Das beunruhigt einen 32jährigen auf Projektwanderung, der bislang gerade einmal zwei Plomben hat und den Zahnarzt auf dessen Anraten nur im Jahresrhythmus besucht.

Zwischen den Zahnschmerzen (ich kann es nicht sagen: ja, sie waren ziehend, nein, nicht pochend, keine Warm-Kalt-Süß-Empfindlichkeit, kein Druckschmerz, wasweißich) holte mich mein Großhirn zum Rapport: „Junger Freund“, fing es freundlich an „wir haben da was zu besprechen. Ich halte seit einem Monat die ganze Meute zusammen, Knöchel und Knie ganz besonders, aber es zeichnet sich eine mächtige Revolte ab. Das Immunsystem bereitet einen nächtlichen Fieberschub vor, der Kreislauf will dich Schach Mattheit setzen, und der Zahn spielt auch nicht grundlos das Lied vom Tod. Und ganz ehrlich, mein Freund“, jetzt machte es auf verbündet „ich scheiß‘ langsam auch aufs tägliche kreative Mitdenken.“

Diese Worte hallten auf der nebelschwangeren Bühne des Steinernen Meers gewaltig lange nach. Und wie ein Horn dröhnte ein Satz in meinem Kopf: Ich Wanderung28_Riemannhaushabe einen Einbruch der allerfeinsten Güte. Erste Hilfe: Abstieg ins zivilisierte Maria Alm, statt einer weiteren Hüttennächtigung in der Höhe, noch dazu im wenig einladenden und nebelumschwärmten Riemann-Haus.

In der Nacht spulte mein Körper das angekündigte Programm ab. Am Morgen ließ ich meine Mitwanderer alleine ziehen, ging zum Schwaiger-Doktor und ließ mich wurzelbehandlungstechnisch entjungfern. Er war sanft. Dann rastete ich. Ich nahm den Bus zu dem Punkt auf der Straße, der am nächsten zur Erich-Hütte liegt. Und wanderte, spazierte, nein: Ich schlenderte eine halbe Stunde zum Etappenziel. Jetzt sitze ich auf der Terrasse, Blick auf Großglockner, Dachstein und Hochkönig. Die Sonne streichelt mich gesund. Der Text schreibt sich wie von selbst. Der Zahn ist wieder Untertan. Die Mitwanderer sind noch am Weg. Erfolgreiche Gegenmaßnahmen.

Und ja: Ich bin mir bewusst, dass ich hiermit Schwäche zeige. Aber erstens wundert es mich seit einem Monat, wo die bleibt. Zweitens muss man ganz allgemein immer hinhören, wenn Freunde einen „grantig“ nennen. Und in der Ruhe des Steinernen Meers kommt man im Speziellen drittens gar nicht umhin.

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Tag 28 (28.7.2009): Ingolstädter Haus – Riemann Haus – Maria Alm. Bewölkung, was im Steinernen Meer gut tut, bei vollem Sonnengleiß fühlt man sich zwischen den Felsen wie eine Backofenpizza. Leichte Nieseltropfen beim Abstieg nach Maria Alm, über den wir gesondert reden sollten. Acht Stunden Wanderung28_AbendstimmungErichhütteunterwegs, davon sechseinhalb gegangen. Tipp des Tages: Das Riemannhaus wirkt wenig einladend, daher Abstieg nach Maria Alm! Das ist ein unfassbar malerisches Örtchen. Keine Blasen, fünf Zigaretten, zwei Achterl Rot. Ach ja: Und zwei Parkemed 500, was nichts gebracht hat. Hund Niko Poldi liebt Schneefelder mehr als mich, mehr als uns alle, glaube ich.

Tag 29 (29.7.2009): Maria Alm Zentrum – Praxis Dr. Schwaiger – Maria Alm Zentrum – Bus nach Dienten – Bus nach Erich-Hütte Parkplatz – Erich Hütte. Leise treten und das nur eine halbe Stunde lang. Keine Wolke am blauen Himmel Скайп для мобильного. Tipp des Tages: Alles daran setzen, die Erich-Hütte zu kaufen, hier einziehen und jeden Tag nur schauen. Zwölf Zigaretten, drei Achterl Weißwein (meinen geliebten Grünen Veltliner). Hund Niko Poldi genoss den Quasi-Ruhetag und tat nicht einmal so, als ob er lieber am Berg wäre.

Aus der Sicht meiner Mitwanderer Michi H., Michi F. Laszlo war der Tag anders: Maria Alm – mit der Gondel zur Natrun Hütte – Hinterthal – Mußbachalm – Pichlalm – Erich Hütte. Sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Besonderheiten: Heidelbeerwald und Walderlebnis-Parcours am Natrun. Schöner Weg mit tollem Blick auf die Silhouette des Steinernen Meers, den Sonnblick und den Großglockner.



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 Axel Halbhuber am 30.07.2009  |   Ein Kommentar

Der Heilige Laurentius. Tag siebenundzwanzig.

So ist das: Am Ende des siebenundzwanzigsten Tages hatte ich plötzlich zwei Erscheinungen. Zuerst stand Laszlo vor mir. Ja, genau der Laszlo, der geländegängige Ungar, der mich die ersten zehn Tage begleitet hatte Wanderung27_NikoGeschultertund jetzt einfach auf der Terrasse des Ingolstädter Hauses ums Eck bog. Der Laszlo, dessen Liebesgeschichte in meinem Blog so viele neugierig gemacht hatte, wer dieser Laszlo denn ist. Nun, was ich sagen kann: Er ist einer, der nach Lofer fährt, auch wenn er mich telefonisch nicht erreicht. Der auf den Berg geht, auch wenn er nicht sicher ist, ob er mich dort trifft. Und der durch diese sympathisch sture Überzeugung zur Überraschung des Tages werden kann. Dieser Laszlo ist wieder dabei, womit wir nun fünf wandernde Freunde sind: Laszlo, Michi F., Michi H., Axel und Niko, der Hund.

Als wir da in den sonnenbestrahlten Felsen des Ingolstädter Hauses saßen, erschien uns der Heilige Laurentius. Der ist 27, geht von Klosterneuburg Weidling nach Santiago. Jakobsweg ab der Haustüre, ohne Geld, Wanderung27_Großglocknernächtigen bei Bauern, im Rucksack fast nur getrocknete Melanzani. Wenig wunderlich, dass wir mit ihm reden wollten. Hier die Essenz des Gesprächs.

Warum gehst du den Jakobsweg, wenn es doch in Klosterneuburg ein Stift gibt?

„Dort sind wohlbeleibte Chorherren, das ist eher ein finanzielles Imperium. Aber ich bin hingegangen, habe es zur Weidlinger Kirche geschafft. Dann bin ich nach Mariazell gegangen. Und jetzt erweitere ich lediglich den Radius. Aber es geht gar nicht um die Kirche.“

Warum dann Santiago und nicht, sagen wir: Novosibirsk?

„Mir hat jemand eine Muschel geschenkt und gesagt, warum gehst du nicht den Jakobsweg? Ich könnte eh überall anders hingehen, aber Spanisch und Französisch liegen mir mehr als Russisch. Ich bin einfach gegangen, zuerst bis Maria Ansbach, dort war mein Kartenmaterial Wanderung27_Laurentiuszu Ende und ich hatte dort die letzte Person, bei der ich nächtigen konnte. Dann habe ich mir gedacht: Jakobsweg.“

Dieses Abenteuer des Heiligen Laurentius begann vor Jahren, mit einem Ausflug zum Wilden Kaiser und einer plötzlichen Krankheit ebendort, mit viel Durchfall und dem resultierenden Gereinigt-Sein, mit folgendem zweitägigen Gehen und nur fünf getrockneten Marillen Nahrung am Tag. Mit totaler Entleerung und dem guten Gefühl, nicht gefangen zu sein, in dem „stagnativen Leben zwischen zwei Häusern, nämlich der Universität für Jazzgesang und der Baustelle eines Hauses, in das einmal die gesamte Familie ziehen soll, insgesamt neun Menschen“, mit der Idee außerhalb dieser zwei Gefängnisse zu sein.

Was erwartest du dir vom intensiven längeren Gehen, wenn diese zwei Tage schon so erkenntnisreich waren?

„Stabilität. In den zwei Tagen habe ich gemerkt, wie schön es ist, ohne Haben nur zu sein. Ich habe sieben Geschwister und wenn neun Menschen um einen Gulaschtopf sitzen, lernt man schnell zuzugreifen. Hier am Weg esse ich an einer getrockneten Marille zehn Minuten.“

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Диеты

Wo willst du ankommen?

„So ein Weg hat viele Komponenten und ich will ihn um keine Komponente beschneiden. Ich gehe ihn nicht, um ihn durchzuhalten, weil ich das die ganze Schulzeit gemacht habe. Ich will ihn voll gehen, das habe ich in der Schule nie gemacht. Und ich möchte also viel mehr auf meine Intuition hören, auf die Frage, ob ich jetzt etwas für den Alltag gelernt habe oder nur, durch die Lande zu gehen? Da geht es auch um Erdung und Rhythmus.“

Was erwartest du dir, wenn du in Santiago ankommst?

(lacht) „Einen Riesenrummel, sonst nichts.“

Wie heißt der Trieb, der dich zu alledem veranlasst?

„Das totale Raus. Eine Nonne hat einmal gesagt: Weisheit wartet jeden Tag vor deiner Türe.“

Wanderung27_BeimAufstiegOhne Geld, angewiesen auf Andere, der eigene Weg ohne Kompromisse – dein Gehen strotzt vor Egoismus. Hast du keine Angst, dass deine Freundin sich trennt?

„Ich glaube nicht an Trennung.“

Was, wenn sie daran glaubt?

„Das Lebensmodell in unserer Gesellschaft ist so: Wir gehen zuerst alleine, dann zu zweit und schlussendlich als Gruppe, Familie. Aber vielleicht habe ich bei diesem Modell etwas übersehen. Denn Einzelhelden gibt es nicht mehr.“

Ja, der Bub wirkt gesalbt. Nur das Lächeln verrät den Heiligen Laurentius ein bisschen, wenn einer seine Reise mit „oarg“ oder „pfau“ adelt. Das gefällt ihm und dann wird er zum Einzelhelden. Er versinkt darin, dieses Fremdbild zu inhalieren. Er verwendet dann Worte wie „Dualität“ und sagt Sätze wie „Das Leben ist die Kompensation des Lebens“ oder „Der Tod ist die Kompensation des Lebens.“ Spätestens da bin ich auch versunken, im Steinernen Meer. Des Gespräches wegen. Oder des Rotweins. Aber der kompensierte sich ganz durch sich selbst.

P.S. Wir haben den Heiligen Laurentius auf die Übernachtung eingeladen. Und auf ein Essen. Damit hat er sich den Verzehr einer weiteren getrockneten Melanzani erspart. Und wir uns deren Anblick. Der Gesalbte hat es uns gedankt, indem er bei unserem Abmarsch in der Früh für uns gejodelt hat. Und das war dann wirklich schön.

Tag 27 (27.7.2009): Hirschbichl – Kaltwasserstube – Kaltbrunnalm – Dießbachstausee – Ingolstädter Haus. Sonnenschein, wol-ken-los! Sieben Stunden brutto, davon nur fünf gegangen. Denn das Wichtige beim Gehen ist ja das Stehen. Und ehrlich: Wer freien und klaren Blick auf den Großglockner hat, hält gerne inne. Tipp des Tages: Eindeutig die Sonnenfelsen neben dem Ingolstädter Haus. Hinsetzen und bis zum Sonnenuntergang verharren! Keine Blasen, neun Zigaretten, ein Vierterl Rot (übrigens sehr gut).

Was ist schwarz und schläft, sobald wir auf der Hütte sind? Richtig: Hund Niko Poldi ist müde. Aber keine Angst, er ist noch immer fit und vergnügt, versucht nur seine Kräfte für Schneefeld-Tollereien zu sparen. Außerdem habe ich heute für eventuelle Leitern im Abstieg geübt, den Hund zu Schultern. Ich habe nun eine Schramme im Gesicht und Hund Niko Poldi keine Angst mehr vor dem Schultern.

Wanderung27_MitwandererMichi&MichiVorStausee



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 Axel Halbhuber am 29.07.2009  |   3 Kommentare

Antworten. Tag sechsundzwanzig.

Wanderung26_MitwandererMichiMitFreundZur Klarstellung: Die Berge zwischen Lofer und Maria Alm haben in punkto Handyempfang bei den Lechtaler Alpen gelernt. Nur deswegen konnte ich die werte Leserinnen- und Leserschaft über die vergangenen drei Tage noch nicht informieren. Und genau deswegen häuften sich in den Kommentaren die Fragen. Und eben deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Antworten.

  • Am zweiundzwanzigsten gewanderten Tag meiner Reise ist dem Himmel der Regen ausgegangen. Es war ganztags trocken. Was wieder einmal Wanderung26_BlickLofererSteinbergebeweist, dass Petrus auch nur mit Wasser kocht.
  • Die vom Weitwanderweg-Führer vorgeschlagene Tagesetappe Lofer – Ingolstädter Haus halte ich schlicht für größenwahnsinnig. Selbst wenn man den Weg direkt geht, was wir ob des Naturjuwels Strohwollner Schlucht nicht getan haben, können einem die Füße das am Ende des Tages nicht verzeihen.
  • Außerdem bleibt man dann zu kurz in Hirschbichl. Wer dort länger sitzt, wird früher oder später von dem Mann, der einst Dienst am hiesigen Grenzübergang versah, einen gejodelt bekommen. Nein, das kann er nicht und ja, der Mann ist verhaltensauffällig. Aber: Solche Menschen zu treffen, die Mitteilungsbedürfnis und Dachschaden auf solch Wanderung26_GoldiFansympathische Weise vereinen, ist eine Bereicherung. Dachschaden ist zu hart? Der Mann hat mitten auf der Straße zehnmal einen Skispringer imitiert und dazu „Andi Goldberger“ geschrien. Dann hat er gejodelt.
  • Über Sex spricht man nicht, nicht einmal in den Bergen. Nur soviel: Zur Brautschau lohnt sich der Aufstieg nicht, weil die Frauen in der Unterzahl, meistens mit dem Mann ihrer Begierde und am nächsten Tag immer weg sind.
  • Hund Niko Poldi hat gar nichts gegen Würsteln. Weil ich aber gestern im Wanderung26_LeimbichlGräbenOrt war, eilte ich in den Supermarkt. Der bot Hundefutter nur in Industriemengen, also kaufte ich für Niko Poldi Katzenfutter. Hund Niko Poldi hat gar nichts gegen Katzenfutter.

Tag 26 (26.7.2009): Lofer – Strohwollner Schlucht – Hundalm – Leimbichlgräben – Hirschbichl. Sonnenschein, punkt! Wir hatten beschlossen, den geplanten Ruhetag in Lofer zu opfern, um die mörderische Neun-Stunden-Etappe Lofer-Ingolstädter zu zerbrechen. Bevor sie nämlich uns bricht. Weil dann aber nur vier Stunden Gehzeit blieben, haben wir uns für eine Umgehungs-Fleißaufgabe entschieden. Ja, das klingt wuki für einen, der von Bregenz nach Wien geht, aber so ist das Wanderung26_KühlenUndWaschenhalt. Fazit: Sechs Stunden unterwegs, davon gut fünf auf den Beinen. Tipp des Tages: Fleißaufgaben und Weitwanderungen verhält sich wie Schokolade und Chili: anfänglich komisch, aber doch irgendwie mmmmh.

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Hund Niko Poldi geht es saugut. Er liebt den Berg und der Berg liebt ihn. Was mich wirklich begeistert: Er läuft immer ein bisschen vor zum Gruppenersten, dann wieder zurück, um zu sehen, ob es allen gut geht. Und gestern dann der Hammer: Er kommt zurück, ich sitze, um kurz zu rasten. Er läuft aufgeregt her und schleckt mir das Gesicht ab. Niko Poldi kümmert sich um mich. Ich liebe diesen Hund.



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 Axel Halbhuber am 29.07.2009  |   Keine Kommentare

Good bye, Tirol! Tag fünfundzwanzig.

Seit gestern bin ich in Salzburg. Tirol war 18 Tage lang und wunderbar. Zeit, auf das Vergangene zurückzuschauen.

Tag 25 (25.7.2009): Loferer Alm – Wasserfallweg – Loderbichl – mit der Gondel nach Lofer. Bewölkt mit Leichtregen-Schauern. Und noch immer kein gänzlich trockener Wandertag seit 1. Juli. Eineinhalb Stunden bergab gewandert, zehn Minuten zu Tal gefahren, eine Stunde Besorgungen erledigt. Tipp des Tages: Wer einen Weg geht, der Wasserfallweg heißt, kann unmöglich an der Stelle vorbeirennen, die dem Wasserfall am nächsten ist. Im Gegenteil: Rucksack runter und hinter den Wasserfall gehen, so muss das sein. Die Blase an der rechten Ferse ist ein Spaziergang. Dreizehn Zigaretten geraucht, kein Alkohol.
Hund Niko Poldi zahlte im heutigen Quartier (dem wirklich empfehlenswerten, weil wunderschönen, von freundlichen und sehr hilfsbereiten Menschen geführten Haus Dankl in Lofer) vier Euro. Dafür gab es heute Dosenfutter für ihn. Er genoss es лучшие лилии.



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 Axel Halbhuber am 27.07.2009  |   7 Kommentare

Tag vierundzwanzig. Oder: Drei Blickwinkel.

wanderung24_stallenalmDer Wirt der schnieken Stallenalm grinste das Grinsen des Einheimischen. Er stand in seiner fleckenlosen Leserhose vor uns, das Flinserl blitzte am Ohrläppchen. Der Klemmerichsteig zur Loferer Alm, das sei kein Weg. Die Forststraße sei bekömmlicher. Wir mögen keine Forststraßen, also gingen wir den Klemmerichsteig. Und wie soll ich sagen: Der blanke Urwald, wunderschön. Genau das suchen Stadtmenschen auf dem Berg. Beschwerlich? Nicht, solange man den Blick hat, wo er hingehört. Zwischen regelmäßigen Schönheitsbekundungen dachte ich über den Wirt nach: Wieso sagen dir die Tiroler im Oberland beim seilversicherten Weg über Felsen, man könne ihn mit dem Rollstuhl rauffahren? Und im Gegenzug wird man hier unterländisch auf die Forststraße empfohlen, sobald der Weg nicht Turnschuh-tauglich ist? Hätte ich mir jüngst nicht den Superlativ an sich verboten, wäre der Klemmerichsteig nun der schönste Weg meiner Alpin-Historie. In meiner Welt gehörte er unter Natur- und Denkmalschutz gestellt und als wahres Naturerlebnis beworben, warum ist er dem Stallen-Chef ein Hindernis? Und dann fiel es mir ein: Wegen des Blickwinkels.

Wie das mit neuen Erkenntnissen so ist, wurde diese Antwort alsbald bestätigt. Im großartigen Haus Gertraud auf der großartig gelegenen Loferer Alm. Da saßen wir – meine Mitwanderer Manuela, Michi und ich – nach dem Essen bei der zweiten Flasche St. wanderung24_hausgetraudcheffreundLaurent. Jaja, das musste einfach mal sein. Aber darum geht es jetzt nicht.

Denn am Nebentisch saß Gertraud-Chef Peter, vertieft in der dritten Falsche Weißwein und einem Gespräch mit seinem Freund. Beide Bayern, beide pfundig. Ich weiß nicht, worüber die beiden davor sprachen, aber dann kamen wir ins Plaudern. Und nach fünf Minuten wusste ich über diese beiden Männer in den bestenserhaltenen 60ern, dass sie 46 beziehungsweise 47 Jahre verheiratet sind, vier beziehungsweise fünf Kinder haben und sieben beziehungsweise zwölf Enkel. Die genauen Anzahlen habe ich mir so gut gemerkt, wie zwei Flaschen schweren Rotweins es eben erlauben. Aber das weiß ich noch ganz genau: Ich habe die beiden gefragt, was sie zu meiner Generation sagen, wenn sie keine Kinder will, weil dann das eigene Leben vorbei sei. Oder nur eines und das möglichst spät. Noch genauer weiß ich, was sie geantwortet haben: Das kann man niemandem erklären, der sein eigenes Kind noch nicht im Arm hält. Dass man nie möchte, dass die Kinder groß werden. Dass sie traurig sind, weil ihre jüngsten Enkel jetzt auch schon sieben sind und jetzt etwas fehlen würde. Dann haben sie die vierte Flasche aufgemacht und ein bisschen verklärt geschaut. Beide randvoll mit groß- und väterlichem Stolz. Und mit Leben, dass die schummrige Stube gestrahlt hat. Blickwinkel.

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Eine liebe Freundin hat an dem Tag noch zu mir gesagt, wie sehr sie sich darüber freue, dass ich die Wanderung wirklich schaffe. Und dass sie schon skeptisch gewesen wäre, körperliche Verfassung und so. Aber sie wisse, warum ich das so durchziehe: Wegen meines Zugangs, mental. Wegen des Blickwinkels.

Wie soll ich sagen: Was soll ich da noch sagen?

 

Tag 24 (24.7.2009): Straubinger Haus – Steinplatte – Klemmerichsteig – Loferer Alm. Sonnig-wolkig, abends Dauerregen. Und noch immer kein gänzlich trockener Wandertag seit 1. Juli. Sieben Stunden unterwegs, davon sechs auf den Beinen. Tipp des Tages: Glaube nie einem Hüttenwirt in fleckenloser Lederhose, dass die Forststraße schöner ist. Er meint schlicht „unspektakulärer”. Und: Auf der Loferer Alm sollte man im Haus Gertraud schlafen, des Essens, des Ambientes oder schlicht der Gastfreundlichkeit wegen скачать фото цветы.
Eine Blase an der rechten Ferse, unproblematisch. Zehn Zigaretten geraucht, mit den Mitwanderern zwei Flaschen (pssst!) St. Laurent gezwitschert. Bundesland-Begrüßung sozusagen.
Hund Niko Poldi hat seit zwei Tagen nur Frischgekochtes wie Nudeln mit Würstel bekommen. Fazit: Ich wäre gerne mein Hund.



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 Axel Halbhuber am 26.07.2009  |   4 Kommentare