Ich ging dann mal heim

Ein letztes Mal ich. Sie verzeihen, aber ich habe es versprochen. Denn, tatusch: Das Buch über meine Wanderung von Bregenz nach Wien ist da. Soeben erschienen, im Amalthea Verlag, erhältlich im Buchhandel.

Und Ihnen, werte Leserin und werter Leser, kann ich es sagen: Ich bin stolz wie Oscar und freue mich wie ein kleines Kind. Denn dass einmal Texte von mir zwischen zwei Deckeln und im Regal einer Buchhandlung stehen werden… na sagen wir, ich hätte viel Geld verloren. Umso mehr freut es mich, Ihnen dieses Bild zu präsentieren.

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Was steht nun im  Buch? Zunächst all die Geschichten meiner 1000 Kilometer durch Österreich, gekürzt, neu geschrieben, editiert, verworfen, erweitert. Ich erzähle von der Erkenntnis, die ich nicht suchte. Und: Ich gebe meine Erfahrungen und Tipps des Weitwanders weiter.

Nicht, dass ich nun dazu berufen wäre, gescheit zu tun. Aber für mich will ich das alles auch nicht behalten, weder warum Studentenfutter so gute Wandernahrung für mich war, noch wie selbst ein sechsfach operiertes Knie knapp 48.000 Höhenmeter absteigen kann. Es sind subjektive Tipps, aber bewährte.

Das Buch ist also die Mischung, die ich finden wollte: subjektiver Wander-Ratgeber, unterhaltsame Wegbeschreibung, vor allem aber eine Sammlung dessen, was man in zwei Monaten auf dem Weitwanderweg 01 erlebt.

Und, ach ja: Manche sagen, es wäre mit etwas Ironie versehen. Ich? Kann das nicht glauben.

Aus dem Buch: „Ich erwarte mir von meiner Zweimonatswanderung keine Bewusstseinsänderung. Ich will weder Gott noch mich finden, ich weiß eh, wo wir sind. Wer sich ohne große Fragen auf den Weg macht, kommt ohne große Antworten zurück.
Habe ich geglaubt.“

 

Sonst? Ich schreibe diese Zeilen auf Neuseelands Südinsel. Es geht mir blendend, auch weil sich mir in den vergangenen Tagen, nach einem Monat, endlich der Charakter dieses schönen Landes gezeigt hat. Eines schönen Landes, dem für mich ein wenig der Wahnsinn fehlt, der etwa Lateinamerika würzt. Täglich würzt. Nach dreieinhalb Monaten auf diesem intensiven Kontinent ließ mich Neuseeland etwas warten. Aber wie gesagt: Gerade trinke ich darauf, den Charakter gefunden zu haben, ein Glas Wein. Trotz meiner Verkühlung, die ich mir übrigens beim Tauchen im Milford Sound geholt habe. Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte. Die Sie wie alle weiteren auf Kurier.at lesen können.

Ich sende vom anderen Ende der Welt wunderbare Grüße. Und wenn Sie mir was zu sagen haben: Lassen Sie es mich wissen. Ich freue mich.

Verzückt,
Axel N. Halbhuber



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 Axel Halbhuber am 27.02.2010  |   6 Kommentare

Neue Abenteuer…

Der 1. Oktober ist ein guter Tag, um sich zu neuen Abenteuern aufzumachen. Finde ich halt.

WR_091001_Wien-Madrid 019Also bin ich vergangenen Donnerstag zur einjährigen Reise aufgebrochen. Nach Österreich nun die Welt. Passt doch, finde ich halt.

Davor habe ich noch das Buch über die Wanderung fertig geschrieben. Denn mit alten Abenteuern im Kopf soll man nicht in neue starten. Finde ich nämlich. Das Buch wird übrigens im Frühjahr 2010 im Amalthea Verlag erscheinen. Ihr und Sie werden und werdet davon hören. Das bin ich dem lieben Leser schuldig. Finden wir doch alle.

Bleibt mir noch, Euch und Sie zum altbekannten Mitreisen bei den neuen Abenteuern einzuladen: http://kurier.at/interaktiv/blog/weltreise/

Und mich still in mein derzeit Costa Ricanisches Zimmer zurückzuziehen, den Rest des Gallo Pinto zu vertilgen und mich an den heutigen Tag auf dem Vulkan Poas zurückzuerinnern…

Liebe Grüße, Axel



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 Axel Halbhuber am 07.10.2009  |   Ein Kommentar

Letzte Erkenntnis. Die Tage danach.

Das Leben ist gleich wieder da. Weil es nämlich nie weg war. Es war immer in Wien, meinem Alltag. Ich hatte es für zwei Monate verlassen, nicht umgekehrt. Das alltägliche Leben ist nicht auf Bergen herumgewandert, hat keine neuen Menschen im Speziellen und Sichtweisen im Allgemeinen kennen gelernt. Es hatte keine Auszeit von den kleinen und kleinsten Problemen des großstädtischen Soziotops und auch nicht entsprechende Distanz zu den großen und elementaren Sorgen meiner Mitmenschen. Mein Leben war da, erhielt Rechnungen, beantwortete Anfragen und schwitzte den Urbansommer. Da ist es nur recht und billig, dass es beim Augenblick meiner Ankunft alles auf mich warf.

Das klingt nach Klagen. Soll es nicht sein. Eine Woche nach dem Passieren des Ortsschildes geht es mir noch immer gut. Freunde nennen mich „glücklich und entspannt“, auf Menschenansammlungen klopft man mir auf die Wanderung22_Hinterstoder-SpitalAmPhyrn090808-09 175Schulter und bezeichnet mich als „den Wanderer“. Und nahezu jeder interessiert sich für meine jüngste Ver-Gangenheit, die einen privat, die anderen beruflich. Mir kann das alles nur gefallen und vor allem nichts anhaben. Weil mir beim Weitwandern eine zweite Haut gewachsen zu sein scheint. Die wie ein Filter nur das Feine an mich lässt. Das Ölige perlt ab.

Ich erzähle das, weil mir die Zeit gleichermaßen fehlt und abgeht, in der ich jeden meiner Tage reflektiert habe. Immer wenn ich beim Wandern den Computer aufgedreht und mich an Sie, werte Leserinnen und Leser, gewandt habe, ist mir der Tag durch den Kopf gegangen. Das Gute ins Köpfchen, das Schlechte ins Hinweg. Diesen Luxus des permanenten Tagesbuchs fürs Gemüt leistet man sich im gelebten Alltag nicht, weil man nicht kann, weil man nicht will, weil man nicht glaubt, dass man kann und daher nicht will. Man tut es einfach nicht. Schade darum, sehr schade.

Damit habe ich meine letzte Erkenntnis der Wanderung wohl erst hinterher gewonnen. Gar nicht dabei, sondern danach. Und gar nicht beim Wandern, sondern beim Schreiben. Dabei, wenn ich so nachdenke,  ist mir diese Erkenntnis immer wieder über den Weg gelaufen: Als mein Sentiment so vehement auf das Ver-Gangene hingewiesen hat und mich zum Rückblicken zwang. Als mir beim Anblick der westlich gelegenen Horizonte immer wieder wassrig im Auge wurde. Als mir regelmäßig der Satz „Das Wichtigste am Gehen ist das Stehen“ einschoss. Aber erst jetzt, wo ich mich wieder im Alltag niedergesetzt habe, verstehe ich es richtig.

Und so verabschiede ich mich mit meinem letzten Tipp des Tages: Wer nicht jeden Abend an den Tag zurückdenkt, ist keinen Meter wirklich gegangen.

 

Ich danke, eindringlich und aufrichtig, für Ihre und eure Aufmerksamkeit.


Axel N. Halbhuber

 

p.s. Drei letzte Sätze in eigener Sache:

Es wird ein Buch über meine Wanderung geben, ich arbeite gerade daran, über den Erscheinungstermin werde ich an dieser Stelle informieren.

Und am 1.Oktober starte ich die nächste Reise, etwas weiter, etwas länger, nämlich um die ganze Welt, worüber an anderer Stelle, aber in gewohnter Form zu lesen sein wird, und worüber ich Ende September ebenfalls hier informieren werde.

Bleiben Sie mir gewogen.

 

Das war’s.



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 Axel Halbhuber am 08.09.2009  |   4 Kommentare

Post-Eingang. Tag 60+.

Erinnern wir uns kurz an Andreas zurück: Sehr sympathischer Deutscher, den ich auf der Pühringer Hütte im Toten Gebirge getroffen hatte. Er wandert gerne weit, jedes Jahr. Und heuer dachte er: Warum nicht Österreich, warum nicht den o1-er? Wir tranken an jenem Abend darauf, gemeinsam schon mit dem Weg fertig zu sein, schließlich war er im Osten gestartet.

Und wissen Sie was: Menschen in den Bergen halten ihre Versprechen. Also hat mir Andreas wie erbeten ein paar tolle Zeilen Reflexion aus seiner Sicht geschickt. Danke sehr! Und bitte schön:

Wanderung21_PühringerHütte-Hinterstoder090807 006“Tja weißt Du, mit der Arbeit, da hilft nur Augen zu und durch. Auch wenn man Freude dran hat, ist es doch wieder eine Riesenumstellung. Das ist vielleicht auch, was mich am Weitwandern (wo hört eigentlich wandern auf und fängt weitwandern an?) so fasziniert, dieser vollkommen andere Blickwinkel, den man nach einigen Tagen erhält. Ich hab jetzt mit Absicht nicht gesagt worauf dieser “andere Blickwinkel” gerichtet ist, weil das bestimmt bei jedem andere Bereiche betrifft und speziell bei mir ganz, ganz viele. Da treten plötzlich andere Dinge in den Mittelpunkt, werden, halt das ist jetzt falsch: zeigen, wie wichtig sie sind. Скайп для мобильного Man wird auf etwas Ursprüngliches reduziert, Durst, Hunger, Kälte, der Körper, melden sich und bestimmen die Handlungen. Das ist nicht schlimm, man muss es bloß begreifen und wieder lernen auf im normalen Leben verkümmerte, nein eher in den Hintergrund getretene Sinne zu lauschen (na hören ist wohl besser an der Stelle). Bei mir ist das, wie ich in den letzten Jahren merkte, ein Prozess der einige Tage dauert, bis man wieder angekommen ist in der Wanderung. Dann ist vieles ringsum viel weniger bedeutend, es kann mal regnen, man kann mal kein Essen oder kein Quartier bekommen, und trotzdem stimmt alles, es “passt” wie ich es bei Euch so oft gehört hab.

Jede von meinen “größeren” Wanderungen (für mich waren die schon ganz schön!), die ich in den letzten Jahren gemacht habe, hat mir ähnliche und vollkommen unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen beschert. Um Dir das für die 01-Wanderung beschreiben zu können fang ich mal früher an: ich bin eigentlich immer gerne in den Bergen (auch wenn Ihr in Österreich da bestimmt oft was anderes da drunter versteht als ich Flachländer) unterwegs gewesen, doch das erste lange Stück waren vor zwei Jahren die Pyrenäen, der GR auf der französischen Seite vom Atlantik zum Mittelmeer. Bis ich in Banyuls die Füße ins Wasser stellen konnte, hab ich genau das durchgemacht was ich Dir vorher beschrieben hab. Darüber hinaus beeindruckte vor allem die relative Einsamkeit, die Ursprünglichkeit neben der stellenweise totalen Vermarktung der Bergwelt. Auch das Wandern hab ich dort, ganz kurz, als Massenbewegung erlebt, als ich den Jakobsweg in Saint-Jean-Pied-et-Port kreuzte. Das war im letzten Jahr auf Korsika anders. Da ging eine das Fassungsvermögen der Hütten weit übersteigende Zahl von Wanderern am selben Tag los und dies prägte dann natürlich auch meinen Tagesablauf (rechtzeitig auf der Hütte sein, sehr teure Verpflegung, Probleme an Engstellen auf dem Weg). Das drängt sich dann oftmals in den Vordergrund obwohl die Insel landschaftlich ein Traum ist.

Ja und dies Jahr war ich mal wieder in Österreich unterwegs, man kennt schon einiges vom Land, hat keine (fast keine) Verständigungsprobleme und kann auf ein Wegenetz zurückgreifen, dass meiner Ansicht nach einzigartig gut ausgebaut und markiert ist (da kann man nur mit dem Führer zum Weitwanderweg losgehn). Die Unterkünfte sind gut und die Verpflegung hervorragend – und dann geht man los von Rust und hat seine Probleme den Weg zu finden, die Markierung in der Ebene vorm Marzerkogel war meiner Ansicht nach miserabel. In Mattersburg gibt’s abends kein Quartier, so dass ich gleich zur Burg Forchtenstein weitergehn musste. Nach drei, vier Tagen ändert sich dann alles, ich hatte “meinen Trott” gefunden und die Wege wurden in den Bergen besser.  Man merkt aber dass in den tieferen Lagen nicht so häufig gewandert wird, auch bei Euch nutzt man das Auto möglichst weit, die Frage warum ist mir nach wunderschönen Talwanderungen (z.B. von der Loferer Alm zur Kammerköhralm) immer noch nicht begreiflich. Auf meiner Tour hab ich die schwierigeren Abschnitte, wie am Dachstein, auf den Varianten umgangen, muss aber sagen, dass der Weg dort auch sehr schön war. Da ich in diesem Jahr in Erpfendorf geendet hab, werd ich dort im nächsten wieder einsteigen.

Es war schön, es war wunderschön, voll gepackt bis an den Rand mit Erlebnissen, Begegnungen, Erfahrungen.

Ich hoff, ich hab Dich nicht zu dolle mit den Erinnerungen eines nun doch schon älteren Herrn gelangweilt und wünsch Dir alles Gute.”

Nein, Andreas, das hast du nicht. Danke!

p.s. Übermorgen werde ich wieder schreiben. Dann zum letzten Mal.



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 Axel Halbhuber am 06.09.2009  |   Keine Kommentare