Natürlich hatte ich ein bisschen Angst vor dem Tag. Oder sagen wir: Respekt. Dem Tag, an dem Friedrich Fritz Peterka in mein Leben und mit mir auf den Weg treten würde. Ganz genau: Der Friedrich Fritz, der von einigen als Weitwanderpapst bezeichnet wird. Weit-Wander-Papst. Beim Frühstück schepperte mir das Händchen bis zum Zertrümmern des Frühstückseies. Die Füße schmierte ich mir mehrfach mit der Ringelblumensalbe ein (ich bin von Hirschtalg umgestiegen, nein ohne Grund, es gab lediglich keine Hirschtalgsalbe mehr. Naja, Ringelblumen zieht schneller ein, riecht aber besser) und zurrte das Schuhwerk besonders fest. Ich startete zu meinem Tag mit dem Mann, der im Guinness Buch der Rekorde steht: alle zehn österreichischen Weitwanderwege in 143 Tagen. Der Mann, der mir seit Beginn der Wanderung genau auf die Füße geschaut hat und durchaus kritisch kommentierte. Dieser vorvorletzte Tag würde meine Reife besiegeln, oder mein Scheitern.
Friedrich Fritz stieg aus dem Zug. Leichter Rucksack, Wadeln wie Turbolader und ein Messrad in der Hand. Dazu muss man sagen: Friedrich Fritz geht mit mir, um die Weg01-Variante nach Wien fertig zu vermessen. Denn er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, rotweißrote Wanderwege genau zu erfassen. Später sollte ich noch bemerken: Friedrich Fitz schreibt alle Daten in Tabellen, mit Höhenmeter und der Temperatur, mit genauer Gehzeit und wahrscheinlich auch
meinem äußerlichen Zustand. Natürlich machte mir Friedrich Fritz Angst. Wir marschierten los, er hinter mir. „Ich gehe mein Tempo, kümmere dich nicht.“
Ich trabte los, gestochen vom Hafer des Ehrgeizes, Friedrich Fritz im Rücken. Und nach wenigen Metern brach das Eis, weil es fast 30 Grad hatte vielleicht, ich glaube aber deswegen: Friedrich Fritz sagte trocken: „Ich werde ein bisschen langsamer gehen.“ Ich unterdrückte meinen persönlichen Jubel, zog innerlich aber die Lampionbeleuchtung auf. Ich fühlte mich wie der ehrfürchtige Knabe nach der Firmungswatschen, der höchste Hirte hatte mir soeben die Absolution erteilt. Klingt lächerlich? War es auch.
Weil Friedrich Fritz nicht nur ausgesprochen wettkampflos wandert, sondern auch einen weiten Horizont hat. Ich gebe es ja zu: Ich dachte, dieser Mann hat etwas Belehrendes und vor allem kein Verständnis für einen wie mich, der vor acht Wochen rauchend und trinkend, untrainiert auf diesen Weg aufbrach. Der sich mal mit dem Auto mitnehmen lässt, um ein paar Asphaltkilometern zu entgehen. Der den Satz „Das Wichtigste am Gehen ist das Stehen“ zum obersten Credo erhoben hat. Friedrich Fritz hat mir die Blödheit solcher Vorurteile vor Augen geführt, als ob er Lessing den Nathan diktiert hätte. „Ich finde es schön,
dass Du als Junger das Weitwandern wieder einmal bekannter machst.“ Spricht so ein Verbissener?
Warum ich das erzähle? Weil es wirklich schön ist, wenn zwei mit unterschiedlichen Motivationen einen Weg gehen. Einer mit Messrad, einer mit dem Lenz. Weil es wirklich schön ist, dass Friedrich Fritz sich dem Wandern derart verschrieben hat, als Papst aber noch immer mit einem kleinen Schäfchen reden kann. Weil wir beide Fremden heute etwas gemeinsam gemacht haben, obwohl wir uns so unähnlich sind. Ich behaupte: Dieses Gefühl für gelebte Toleranz bringen einem die Berge bei. Weil ehrlich: Das klingt schon ein bisschen nach Patentrezept.
Tag 57 (26.8.2009): Waidmannsfeld – Hohe Mandling – Waxeneckhaus – Auf dem Hals – Auf der Wurzen – Weissenbach an der Triesting. Sonne und feuchte
Hitze. Man merkt nun deutlich, das Hochgebirge ist zu Ende: Waldwege, Wiesen und viele Föhren. Sehr idyllisch. Knapp sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Leben und leben lassen.
Keine Blase. Dreizehn Zigaretten geraucht, ein Achtel Rotwein (Zum Wildragout in meinem Herbergsgasthaus. Übrigens das erste Glas Rotwein, das ich mit zwei Fliegen darin serviert bekam. Nun ja.) Morgen kommt der Niko, lalalalala. Ich freu‘ mich auf Hund Niko, lalalala.






Respekt, Respekt! Wieder ein Tag ohne Nikolalala und ich hab deinen Beitrag trotzdem mit Tränen vollen Augen und lachendem Herzen vom ersten bis zum letzten Wort genossen! Danke! Geniess das Wiedersehen mit deinem vierbeinigen Genossen – er fehlt mir auch schon!
Es hat nicht sollen sein …
Ich wäre gerne mit gewandert …
ohne Auto …
Umzug nach Wien …
bin aber täglich gewalkt/gelaufen …
Grüsse an Habemus Fritzam …
Ihr währed ein DREAM Team …
Den Blog weiter führen, weiter wandern,
4, 6, 2, 3, 7, 8, 10, 5, 9 all die großen und kleinen Wege in Österreich
und wenn 365 Tage täglich wenigsten 1 Mit Wanderer sind das 730 Weitwanderer,
im Jahr 3 Tausendevierhundertsechzig usw.
Dann noch die ÖBB, öffentlichen Verkehr einbinden …
Es könnte wieder ein BOOM wie 1980 entstehen.
Axel u. Habemus Fritzam die Wieder beleber, das wäre echte Wiederbelebung,
des Weitwandern in Österreich.
statt gib mir Kohle, wirklich laufen, walken wandern muß nicht sein …
Erich M.
Für alle, die NICHT dabei waren: Allein während der drei Tage mit Axel (und Niko) spürte ich das, was Weitwandern durch Österreich ausmacht – Freude und Demut für das was Österreich ist, Heimat, Geborgenheit, Vertrautheit. Wie schön doch Österreich ist! Übrigens: Danke und nochmals Danke an die Österreich Werbung und Axel & Niko für Idee, Ausführung, usw.
oh schau, Poetisches zu den letzten Metern… Gefällt mir gut.
Fitz, dir auch besonderen Dank. Du bist ein großartiger Mitwanderer und ich neige mein Haupt vor dem, was du fürs Wandern machst. Und eines hast du eindrucksvoll bewiesen: Weitwandern steigert die Toleranz. Danke, Fritz und auf bald!