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G’schichtln aus dem Wienerwald. Tag achtundfünfzig.

Wanderung58_ArnsteinhöhleIch muss das hier einfach loswerden: Umso tiefer man in den Wiener Speckgürtel eindringt, umso näher man dieser Stadt kommt, desto mehr riecht das Leben nach Alltag. Mit allem was dazu gehört. Jawohl, ich darf das sagen, ich bin schließlich Vollblutwiener: Ich stehe auf urige Heurigen, bekomme beim Singsang der choralen Matrosenknaben feuchte Augen und habe schon mal am Naschmarkt Obst gekauft, dessen Namen ich nicht aussprechen kann. Wien, du liebst mir und ich liebe du. Das wissen wir beide. Aber gerade eben clasht mich deine Kultur ganz gewaltig.

Natürlich kann ich das nicht objektiv belegen, da brauchen Sie gar nicht erst weiterzulesen. Wie immer liegt es im subjektiven Detail: In Telefonaten (die jetzt übrigens wieder dauerhafter möglich sind, da wären wir beim ersten Punkt) geht es plötzlich zum Beispiel um Kleidung. Gewand. Stil beim Anziehen. Da kann man sich eh schon denken: Ich habe es in den vergangenen Wochen ganz großartig genossen, von meinen drei Leiberln, Boxershorts und Sockenpaaren Wanderung58_VorMayerlingeinfach immer die anzuziehen, die am wenigsten streng rochen. Der Stil spielte da eine Rolle so untergeordnet wie ein Sadomaso-Sklave.

Dann werden die Menschen, naja sagen wir: organisierter. Hält der Termin eh? Hatten Sie noch was aus der Minibar, ah ja Mannerschnitten, macht noch eins zwanzig bitte? Schick‘ mir das per Mail? Ich plane jetzt auch so eine Wanderung, wie kommt man denn zu Sponsoren? Irgendwie schlägt mir das alles auf den Magen. Nicht dass ich gleich einen Kübel brauche, aber hätten Sie wenigstens ein kleines Sackerl? Sie können es mir auch per Mail schicken. Aber kommen wir zu Schönerem: Die unfassbare Romantik des Wienerwalds.

Den zu durchwandern ist nun tatsächlich eine Wonne. Ich tat das heute mit der sehr lieben Freundin Susanna und ihren großartigen Kindern Hannah und Philip, dem schon gestern ausgelobten Friedrich Fritz und einem Mitwanderer, den ich hier anonym sein lasse. Er verkörperte für mich nämlich eben das Wienerische, wegen dem ich mir gerade überlege, ob ich nicht vielleicht etwas Wichtiges in Bregenz vergessen habe. Ach so ja, Romantik: Peilstein, Ruinen, Höhlen, Helenental, Mayerling, Gott ist das alles hübsch, spazieren Sie da auch mal durch!

Ich muss noch was zu Wien sagen: Bitte, meine geliebte Heimatstadt, die ich nie tauschen würde, komm mir nicht ganz so, wenn ich dich morgen wieder betrete. Nimm mich in deine schönsten Arme und streichle mir durchs Haar. Halte deine charmante Urbankomik noch ein bisschen fern, schick deine Großstadtseite auf die Donauinsel und gib mir ein, zwei Tage. Möge dein großartiger Grant mich noch ein paar Tage verschonen und deine liebenswert schlitzohrige Geschäftemacherei mich übersehen. Begrüße mich mit „Derfs a bisserl mehr sein“ und „Nur kane Welln“, sonst muss ich mich noch amoi ein bisserl über die Heisa haun. Bussi, ich freue mich auf dich.

Wanderung58_FritzNikoAxelPhilipTag 58 (27.8.2009): Weissenbach an der Triesting – Peilsteinhaus – Mayerling. Sonne und recht trockene Hitze. Das ist echtes Wanderspazieren, für die Augen, für die Beine, es ist schön. Für Kinder, Familien und Genießer. Sechs Stunden unterwegs, davon dreieinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Mit Kindern gehen, die schauen sich das anders an.

Keine Blase. Neun Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Hund Niko Poldi feierte heute sein zweites Comeback. Er will weitergehen, allerdings bei tieferen Temperaturen. Heute legte er sich zur Kühlung in eine Gatschlacke. Aber er sah so zufrieden aus, was soll ich tun?

 28.08.2009 | Tags: , , | 6 Kommentare
 

6 Kommentare zu “G’schichtln aus dem Wienerwald. Tag achtundfünfzig.”

  1. Michi says:

    Nach anfänglichen Misstönen dann doch noch ein bisserl Johann Strauss (die zaghaften Zitherklänge, bevor es mit dem 123 losgeht …)!
    Bevor Du (oder bist Du schon da) die Stadtgrenze überschreitest, erinnere Dich an die 3 Tafeln, die vor ein paar Jahren an den Stadteinfahrten aufgestellt waren. Und gib’ Dich dem endgültig hin!
    “Endlich …
    … wieder …
    … daham!

  2. Hundefreund says:

    Anwort auf die Gatschlackenfrage: Lege Dich dazu! In anderen Urlaubsorten zahlt man dafür teures Geld! Was ist denn Niko Poldi für ein g’scheiter Hund!(Bewunderndes Kopfschütteln) Alles Gute Euch beiden auf den letzten Metern PS: Eine Antwort bist mir noch schuldig geblieben: Was hat Niko heute gegessen?

  3. ajo says:

    And now, the end is near
    My friend, I’ll say it clear,
    You’ve traveled each and ev’ry mountain -
    Axel, ich gratuliere zu deiner gelungenen Tour. Es gibt kaum etwas schöneres als verwirklichte Träume. Und, frei nach Frank Sinatra:
    And more, much more than this, you did it your way.

  4. Anita says:

    Hallo Axel!
    Wir finden es einfach toll wie du diese Wanderung durch Österreich gemeistert hast. Aber auch ein wenig neidisch.
    Vielleicht machst du einmal eine Wanderung nach Klosterneuburg, wir würden uns freuen.
    Anita, Alex, Benny, Jasmin und Patrick Rohschitz

  5. An diesem Tag aß Niko wieder einmal Katzenfutter. Und wie soll ich sagen: Er liebt es. Miawoff!

  6. und wer ihn nicht kennt: AJO sieht auch so gut aus wie der Sinatra Frank ;-)

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