Der Wirt der schnieken Stallenalm grinste das Grinsen des Einheimischen. Er stand in seiner fleckenlosen Leserhose vor uns, das Flinserl blitzte am Ohrläppchen. Der Klemmerichsteig zur Loferer Alm, das sei kein Weg. Die Forststraße sei bekömmlicher. Wir mögen keine Forststraßen, also gingen wir den Klemmerichsteig. Und wie soll ich sagen: Der blanke Urwald, wunderschön. Genau das suchen Stadtmenschen auf dem Berg. Beschwerlich? Nicht, solange man den Blick hat, wo er hingehört. Zwischen regelmäßigen Schönheitsbekundungen dachte ich über den Wirt nach: Wieso sagen dir die Tiroler im Oberland beim seilversicherten Weg über Felsen, man könne ihn mit dem Rollstuhl rauffahren? Und im Gegenzug wird man hier unterländisch auf die Forststraße empfohlen, sobald der Weg nicht Turnschuh-tauglich ist? Hätte ich mir jüngst nicht den Superlativ an sich verboten, wäre der Klemmerichsteig nun der schönste Weg meiner Alpin-Historie. In meiner Welt gehörte er unter Natur- und Denkmalschutz gestellt und als wahres Naturerlebnis beworben, warum ist er dem Stallen-Chef ein Hindernis? Und dann fiel es mir ein: Wegen des Blickwinkels.
Wie das mit neuen Erkenntnissen so ist, wurde diese Antwort alsbald bestätigt. Im großartigen Haus Gertraud auf der großartig gelegenen Loferer Alm. Da saßen wir – meine Mitwanderer Manuela, Michi und ich – nach dem Essen bei der zweiten Flasche St.
Laurent. Jaja, das musste einfach mal sein. Aber darum geht es jetzt nicht.
Denn am Nebentisch saß Gertraud-Chef Peter, vertieft in der dritten Falsche Weißwein und einem Gespräch mit seinem Freund. Beide Bayern, beide pfundig. Ich weiß nicht, worüber die beiden davor sprachen, aber dann kamen wir ins Plaudern. Und nach fünf Minuten wusste ich über diese beiden Männer in den bestenserhaltenen 60ern, dass sie 46 beziehungsweise 47 Jahre verheiratet sind, vier beziehungsweise fünf Kinder haben und sieben beziehungsweise zwölf Enkel. Die genauen Anzahlen habe ich mir so gut gemerkt, wie zwei Flaschen schweren Rotweins es eben erlauben. Aber das weiß ich noch ganz genau: Ich habe die beiden gefragt, was sie zu meiner Generation sagen, wenn sie keine Kinder will, weil dann das eigene Leben vorbei sei. Oder nur eines und das möglichst spät. Noch genauer weiß ich, was sie geantwortet haben: Das kann man niemandem erklären, der sein eigenes Kind noch nicht im Arm hält. Dass man nie möchte, dass die Kinder groß werden. Dass sie traurig sind, weil ihre jüngsten Enkel jetzt auch schon sieben sind und jetzt etwas fehlen würde. Dann haben sie die vierte Flasche aufgemacht und ein bisschen verklärt geschaut. Beide randvoll mit groß- und väterlichem Stolz. Und mit Leben, dass die schummrige Stube gestrahlt hat. Blickwinkel.
Eine liebe Freundin hat an dem Tag noch zu mir gesagt, wie sehr sie sich darüber freue, dass ich die Wanderung wirklich schaffe. Und dass sie schon skeptisch gewesen wäre, körperliche Verfassung und so. Aber sie wisse, warum ich das so durchziehe: Wegen meines Zugangs, mental. Wegen des Blickwinkels.
Wie soll ich sagen: Was soll ich da noch sagen?
Tag 24 (24.7.2009): Straubinger Haus – Steinplatte – Klemmerichsteig – Loferer Alm. Sonnig-wolkig, abends Dauerregen. Und noch immer kein gänzlich trockener Wandertag seit 1. Juli. Sieben Stunden unterwegs, davon sechs auf den Beinen. Tipp des Tages: Glaube nie einem Hüttenwirt in fleckenloser Lederhose, dass die Forststraße schöner ist. Er meint schlicht „unspektakulärer”. Und: Auf der Loferer Alm sollte man im Haus Gertraud schlafen, des Essens, des Ambientes oder schlicht der Gastfreundlichkeit wegen.
Eine Blase an der rechten Ferse, unproblematisch. Zehn Zigaretten geraucht, mit den Mitwanderern zwei Flaschen (pssst!) St. Laurent gezwitschert. Bundesland-Begrüßung sozusagen.
Hund Niko Poldi hat seit zwei Tagen nur Frischgekochtes wie Nudeln mit Würstel bekommen. Fazit: Ich wäre gerne mein Hund.
Tags: leben, lofer, menschen, mental, warum












Blogistan Panoptikum KW30 2009…
Jede Menge Facebook-News, ein munterer Wanderer, der per pedes Österreich durchquert und eine ravende Hochzeitsgesellschaft – das Blogistan Panoptikum von datadirt und Linzerschnitte jetzt mit 10% breiterem Themenspektrum!
……
… ein wahres Hundeleben, tolles Menü: Auch Radrennfahrer essen Nudeln für Höchstleistungen. Aber wenn Du mit Deinem Hund tauschen könntest, würdest Du vier Euro für eine Dose Hundefutter bezahlen?
würstel? würstel sind gacki. würstel sind mit separatorenfleisch. würstel sind mit schwein. würstel sind nix für meinen poldi… niko: zu hause kriegst wieder deine bio-dosen, versprochen. die mit 80 prozent fleischanteil und naturreis und olivenöl.
). dein frauli!
gestern bekam hund niko katzenfutter, weil die hundedosen im lokalen adeg zu groß waren. er hat es genossen…