Reden wir Tacheles: Meine aktuelle Karte von freytag & berndt (WK 372) ist gemeingefährlich. Mir ist das schon in der Planung der Wanderung aufgefallen: Wo der Wanderführer die Wortgruppen „absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit”, „Schwierigkeitsgrad F” (das ist der höchstmögliche, G
gibt es nicht mehr) und „extrem hochalpines Gelände” verwendet, malt man bei freytag & berndt eine durchgängige rote Linie in die Karte. Das bedeutet „leicht begehbarer Spazier- od. Wanderweg”. Aber gestern und heute wurde dieser Schwachsinn konkret, bitte denken Sie mit:
Von der Bergstation des Rüfikopfes zur Stuttgarter Hütte strichliert f & b die Wanderlinie, was einen „Bergwanderweg” kennzeichnet. Hollodaro, denkt man da, der Weg ist gar kein Problem für mich, dabei ist der sogar schwieriger als der durchgängig Rote. Gut ist das, denkt man sich, weil ja die Wege danach, von der Stuttgarter zur Leutkircher und weiter zur Kaiserjoch Hütte, dann sogar wieder durchgängig sind, also von f & b als leichte Spaziergänge klassifiziert. Ich behaupte, das ist falsch. Mein entscheidendes Argument: Ich bin die Wege gegangen, die von f & b offenbar nicht. Sicherungsseile, kleine Kletterstufen und winzig schmale Gratstücke mit beiderseits steilen Abhängen sind weder leicht, noch Spaziergang. Sondern schlicht furchtbar & bescheiden, wenn man nicht darauf eingestellt ist.
Meine Mitwanderer und ich sind gut drüber gekommen, aber wir haben uns schon gewundert. Familien mit Kindern, gehschwächere Menschen oder Berg-Neulinge wären nicht mehr zum Wundern gekommen. Die hätten Angst, würden fürchten & beten.
Uns hat die merkwürdige Liniengestaltung nur verunsichert, weshalb wir am siebenten Tag schon wieder vom Höhenweg abgestiegen sind. Um am achten dann wieder auf- und nach dem für uns unsicheren Stück wieder in den Wanderweg einzusteigen. Aber ich gebe zu: An dieser Verunsicherung ist nicht nur frei erfunden & bedrohlich schuld. Es gibt noch eine Sache, die unzuverlässig ist.
Womit wir noch einmal Tacheles reden: Scheiß Regen! Ja ich weiß, dass ich mich angesichts versinkender Landeshauptstädte und ausgelöschter Existenzen nicht über nasse Füße aufregen darf. Aber ehrlich, langsam zerfließe ich in gepflegter Zermürbtheit. Ich habe das heute beim leichten Spaziergang für mich so erklärt: Die drei Feind-Elemente der Wanderung sind Schweiß, Adrenalin und Wasser. Mit der schweißtreibenden Anstrengung komme ich zu Recht, wie gesagt, die Gelenke halten, was die Muskeln versprechen. Das Adrenalin bei steilen und schwierigen Stellen halte ich mit Testosteron-Salven in Schach. Aber Wasser attackiert an drei Fronten: Mit Blasen an den Füße, mit Kälte und Starrheit an den Knochen und mit der Rutschigkeit des Untergrundes.
Schon gut, ich höre auf zu jammern. Nur ein Satz noch: Grauslich daran ist die Routenumplanerei, die ständigen Rauf und Runters, weil ich gewisse Wegstücke im Zweifel lieber nicht gehe. Wer jetzt Weichei sagt, hat wahrscheinlich recht. Aber wie sagen meine Freunde von der Bergrettung so gerne: Die Mutigen sind alle schon im Himmel. Ich habe mich damit abgefunden, dass die Lechtaler Alpen (der gewaltigste und sakrischste Gebirgszug meiner Wanderung) bei diesem unbeständigen Wetter nicht ohne Modifikationen zu machen sind. Zumindest für mich nicht.
Im Übrigen: Meine Mitwanderin Nore hat eine Karte von Kompass. Die scheinen die Verteilung von durchgängigen, strichlierten und gepunkteten (Steige) Linien nicht zu würfeln. Fazit: Vergesst f & b. Und die Watthose in den Bergen nicht.
Tag 7 (7.7.2009): Leutkircher Hütte -Kaiserjoch Hütte – Abstieg nach Kaisers – Bus nach Bach (im Lechtal, das ist übrigens echt unbetastet, na bitte nicht widersprechen, oder wem wären die Orte Kaisers und Bach bei „Stadt, Land, Fluss” eingefallen?) Sanfter Regen, starker Regen, unbedeutende Regenpause, beim Abstieg starker Regen. Neun Stunden unterwegs, davon viereinhalb auf den Beinen und gut drei mit Überlegungen beschäftigt, ob und wie man weitergehen könnte. Tipp des Tages: Die Käseknödel-Suppe auf der Kaiserjoch Hütte! Eine böse Blase (große Zehe Unterseite links), sieben Zigaretten geraucht. Hund Niko Poldi, ich vermisse dich. Aber es ist besser für dich, diese Wege nicht zu gehen!
Tags: karten, lechtaler, regen





DURCHHALTEN FAXE!
der regen nimmt bestimmt bald ein ende….
wir denken an dich!
romi und Peter
und eure gedanken machen auch das wetter hier besser. wie wird das erst, wenn ihr mitgeht?
Ich bewundere, wie unbeirrt du krAXELst!
Je tiefer und dunkler das Tal desto höher und schöner ist das Gipfelkreuz. Das hab ich auf meiner Wanderung festgestellt.
Und ja… ich weiß… ich hab auch noch einige Kilometer vor mir. Vielleicht kommen wir ja gleichzeitig ans Ziel?
Hier etwas über das man wenn man möchte beim herumhatschen länger nachdenken kann:
“Leben ist nicht genug”, sagt die Waldbiene. “Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu”
ich danke, frau kathi. und: ja, hatschen wir im geiste gemeinsam. ende august ist dann alles wieder besser. so machen wir das, ich erinnere dich daran.
lieber axel!
eine meldung aus wien:
* dem niko poldi gehts wieder gut, der hat die ersten beiden tage ausschließlich geschlafen und gefressen. im büro konnte er nicht mal die kollegInnen begrüßen (das tut er sonst lautstark, hüpfend, wedelnd, jaulend), ist im büro gelegen, alle viere ausgestreckt und hat sich nicht gerührt. die wanderung hat ihn geschafft – aber die pfoten sind wieder heil.
* auch hier gibts neben regen nur regen
* ich war heut beim kräuterpfarrer im waldviertel, die ringelblumensalbe bekommt der niko präventiv auf die pfoten geschmiert. der unfassbar gute mohnschnaps ist nur für mich – du kriegst ein stamperl, wenn du wieder da bist
… und immer immer wieder geht die sonne auf
sandra und niko poldi aus wien.
Ich vermisse dich, Niko Poldi.
“Sicherungsseile, kleine Kletterstufen und winzig schmale Gratstücke mit beiderseits steilen Abhängen sind weder leicht, noch Spaziergang. Sondern schlicht furchtbar & beschissen, wenn man nicht darauf eingestellt ist.”
Ich glaub, Sie sollten ganz einfach nicht in die Berge gehn…
Mein lieber Alois! Sie sprechen mir aus der Seele. Nach dem kartenbedingten Blindflug durch die Lechtaler frage ich mich auch zunehmend, ob ich nicht eher in der Ebene bleiben soll. Oder mir sogar noch ein Loch buddeln, um weiter unten zu sein. Alleine, was soll ich machen, um von Bregenz nach Wien zu kommen, muss der eine oder andere Berg sein, wissen Sie. Aber mit einem solchen Fex wie Ihnen würde es mir besser gehen. Also, wann darf ioch mit Ihnen rechnen?
Lieber Alois!
Es tut mir in der Seele weh, wenn ich die Bergsteig-präpo seh´
tenz- ing norgay hat schon gsagt
eigentlich ist steil der Grat.
Trotzdem hats ihm Spaß gemacht
Wundertaten sind vollbracht
wennst nicht den Berg sondern dich bezwingst
und dann am Gipfel stehst und singst
Die Frage ist nicht ob du´s dastehst
sondern die Antwort findest
wenn du gehst.
Eine Höhenängstlerin, die immer auf Berge gehen wird.
Liebe Claudia!
Bergfex Alois kann nicht verstehn
warum Städter auf die Berge gehn -
sie schnaufen, schwitzen, fluchen viel, ist halt doch kein Kinderspiel!
“Wieso?” fragt der Alois dann, “wenn das doch nicht jeder kann!”
“Ist nicht jeder fit wie ich!” prahlt der Alois fürchterlich.
Laß ma ihm die klane Freud, is doch sche wia da Alois stroiht!
Das mit der Linie in der Karte ist subjektiv, einerseits vom Eintragenden her und andererseits vom Leser her. Der Nordalpenweg 01 ist und bleibt ein hochalpiner Weg, manche sagen sogar Steig. Deshalb ist bei widrigen Verhältnissen noch eine Schwierigkeitsstufe drauf zu setzen. Aber das siehst du ohnedies…
Firtz, da hast du recht. Aber “leichter Spaziergang” ist er so oder so keiner. Da irrt f & b einfach. LG aus Biberwier
[...] Hosenschissern wie mir stößt nämlich selbst die montane Toleranz an ihre Grenze, siehe Alois. Dabei habe ich es so klar gesagt: Ich gehe wandern. Das ist in meinem Gedankenlexikon: „Wandern, [...]
Hi Axel,
sorry, dass ich erst so spät auf deinen Tag 7 eingehe, aber ich hab’s leider erst heute mitgekriegt…
Ich muss dich leider ein wenig korrigieren: Die F&B-Karte irrt hier nicht, denn wie du in der Legende nachlesen kannst, gilt das neue Wegekonzept mit den 3 Schwierigkeitsgraden (durchgezogen rot für leicht) nur in Vorarlberg. Der von dir beschriebene Weg liegt aber schon in Tirol und dort gab es zur Zeit der Kartenherstellung noch keine offizielle Klassifizierungen vom Land Tirol, vom Tourismusverband oder sonst einer höheren Stelle. Aus diesem Grund ist in der Legende auch angegeben: “Gilt für Vorarlberg”
In der ganz neu erschienen WK 374 Montafon-Silvretta (ersetzt die WK 372) wurde die Klassifizierung aber bereits für das gesamte Kartenblatt vorgenommen, sodass es in Zukunft zu keinen Missverständnissen wie dem Deinen mehr kommen kann.
Hallo Patrik! Danke für die Info, das beruhigt mich im Namen aller künftigen Wandersfrauen und -männer. Lg Axel
[...] er in seinem beitrag schon ausführlich beschrieben hat, ist die verwendete karte von freytag & berndt für a&f. seine argumente sollte man am [...]