Ich wollte gestern an sich über meine finale Pack-Schlacht schreiben. Ich wollte. Den ganzen Tag über. Aber was soll ich sagen: Wenn man die Behausung auflöst. Wenn man den Rucksack, den man seit Wochen vor sich herschiebt wie einen kasachischen Kärntenurlauber mit schiefer Nase (sprich: von einem Eck ins andere stellt), endlich doch packt, aber nur weil man muss. Wenn man noch eine Reservierung für die ersten Hütten am Weg und noch ein Rezept für ein entzündungshemmendes und schmerzmilderndes Medikament ertelefonieren muss. Dann kommt man nicht zum Schreiben.
Auch nicht zum Luftholen, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich bin dann gestern Richtung Kärnten gefahren, aber nur bis Graz. Auf dem Weg noch Freunde besuchen, quasi letztes Abendmahl. (Das ist jetzt stilistisch ein bisserl von Wolf Haas gestohlen, quasi Entschuldigung) Und jetzt kommt es: Ich schreibe gar nicht übers Einpacken. Gar nix über meine unfassbare große Freude, dass mein hin-, her- und fast abgeschobener Rucksack samt Technik (digitale Spiegelreflexkamera, GPS, Handy und Mini-Laptop – hier übrigens ein kurzes aber inbrünstiges Hoch auf das HP 2140 Mini-Notebook: formvollendet, federleicht und saugut, sowie auf den Datenstick von Orange: formvollendet, federleicht und saugut. Natürlich alles samt stromversorgendem Kabelsalat) völlig überraschend nur unfassbar leichte 12,3 Kilo wiegt. (also pro Wandertag nur 0,246 Kilo, ja natürlich ist das falsch gerechnet, liebes Lesermathegenie, es sind vielmehr 615 Tageskilo, aber ehrlich, was macht da jetzt mehr Lust aufs Wandern?) Gar nix über die 15 Zentimeter Restplatz im Rucksack, obwohl sogar die schwereren Bergschuhe und das gesamte Notfallsbiwak-Klettersteig-Sicherheitshalber-Das-Auch-Noch-Equipment schon drin sind. Ich schreibe lieber über besuchte Freunde.
Die haben sich dereinst kompliziert verliebt, er Wien, sie Graz. Er pendeln, sie doppelt alleine erziehend. Er Lehrer, sie Doktoressa. Er frische Trennung für die Liebe. Dann haben sie gemeinsam einen alten Bauernhof gekauft. Alt im Sinne von Planierraupe, nicht im Sinne von Roseggers Waldheimat. Damals war Herbst 2006. Jetzt gibt es dort Pferd, Gänse, Hühner, eine Kuh (die übrigens am Muttertag kalbte), aber auch neue Wandteile (wo das alte Holz vermorschte), ein repariertes Dach, ein Badezimmer, eine Stube mit mühsam eingezogenem uralten Holzpfosten als Deckenträger, Pflastersteine vor der Türe, eine schnieke Edelstahl-Küche. Aber nicht, dass man jetzt glaubt: Beide arbeiten nach wie vor in ihren Jobs, sie gehen allen Pflichten total nach. Aussteiger sind sie höchstens nach Dienstschluss. Ach ja: Und davor, manchmal ab fünf Uhr morgens.
Der Punkt ist: Sie machen es. Sie leben den Traum. Sie haben den Bauernhof nicht nur gekauft, sie machen ihn zu ihrem Leben. Andere wollen es machen und reden am Ende davon, wie toll es gewesen wäre. Einen Bauernhof kaufen, eine Weltreise machen, mit den Walen schwimmen, ein Iglu bauen, ein Instrument oder eine fremde Sprache lernen, wasauchimmer: Im eigenen Wunsch vollkommen und restlos aufzugehen, das ist doch mal ein Motto fürs Stammbuch.
Proklamation: Ich verabscheue das Könnte und plädiere für das Tun.
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Jetzt sitze ich wieder im Auto, diesmal bis Kärnten. Das verwirklichte Idyll hinter mir. Meinen eigenen Traum vor mir. Der Rucksack neben mir. Er ist derzeit fast mein bester Freund. Wäre da nicht Hund Niko Poldi. Der tut übrigens so, als ob ihm wurst wäre, was da auf uns beide zukommt, daher auch nichts dazu sagt. Aber das Glänzen in den Augen, das verrät ihn.
Tags: freunde, hund, leben, niko, rucksack, traum





wie flockig die gespräche, wie dicht die zeit, wie kurz ihre dauer, wenn wir reden, essen und trinken?
klingt wie eine liebeserklärung? sollte wohl weniger pathosbeladen sein, eher dings!
aber du jetzt wandern (nicht nur auf und ab, auch in dich und dir entgegen), letztes abendmahl, dann ich viele gedanken (ams, rudi, tarock, manu, geburtstag, und so), auch wehmut. und nicht dass ich vergesse, auch a bissl freudiger neid, weil du jetzt dein leben auf zwei beinen und in einem rucksack. das wird ne geile zeit (ist geklaut, ich weiß).
freu mich auf admont, die esel habe ich gestern noch zum training geschickt. eye of the tiger nichts dagegen
Hallo Axel!
Bei mir gehts morgen los. Starte allerdings im Osten .. vielleicht trifft man sich ja in der Mitte.
LG
georg
hallo axel!
als ehemalige schulkollegin von dir und auch große wanderfreundin bin ich beim heutigen “kurierdurchblättern” in der früh sofort auf dein vorhaben aufmerksam geworden. ich finde es voll cool, dass du dir diesen traum erfüllst und 2 monate nur in den bergen bist! ich werde deine route per internet weiter verfolgen und wünsche dir jetzt schon alles gute dafür!
Lg, sabine
hallo axel!
als ehemalige schulkollegin von dir und selbst auch große wanderfreundin bin ich heute morgen beim durchblättern des kurier sofort auf dein vorhaben aufmerksam geworden. ich finde es voll cool, dass du dir diesen traum erfüllst und zwei monate nur in den bergen bist! ich werde deine route über das internet weiterverfolgen und wünsche dir jetzt schon alles gute dafür!
lg, sabine
Axel -
mich freut Dein Reisen, und nochmehr Dein Schreiben. Bin gespannt, wie’s Dir ergeht. Ich plädiere mit Dir für das unesotherische Tun, und freue mich auf weitere Berichte!
Aus der Ferne in die Berge -
Kla.
Ich hab den 01 Wanderweg zusammen mit meiner Schwester und einem Freund in den Jahren 1999 – 2004 gemacht.
Wir haben ca, 1500 km zurückgelegt, haben 22 Gipfel über 2000 m und 9 Gipfel über 2500 m erklommen (einige zusätzliche Gipfel). Es war das schönste Erlebnis!!! (unser Alter 58 – 68 Jahre, Rucksackgewicht 10 kg)
hallo axel, bin den weg vor 30 jahren (1979/1980) begleitet durch den Kurier und den Orf unter dem damaligen Motto “wanderbares Österreich” gegangen, vielleicht kannst dir noch alte Hüttenbücher zeigen lassen, bin heute 58 Jahre, war eine tolle erfahrung, wünsche dir alles gute, ein schönes wetter und gute Kniegelenke, lg. nikolaj
Hallo, Axel!
Berg heil, denk an deinen wanderbaren Klassenpapi, ab & zu! Vielleicht begegnen wir uns auf dem Hochkönig oder im Ennstal oder im Wienerwald…
Alles Gute, vor allem gutes Wetter, gute Gedanken und gute Gelenke!
Wolfgang
denk an di us da “falscha richtung” – schöne grüass in die hoamatlicha berg und an wundrschöna schtart! gerti
Liebe 01-Kenner Nikolaj und Helga, falls ihr Tipps habt, meldet euch einfach. Ich kann sie alle brauchen.
Und, lieber Georg: Das ist ja der Hammer, wir sollten uns jedenfalls was ausmachen. Eine Art Gipfeltreffen versuchen. Wo bist du denn am 1. August?
Sehr spannend das ganze. Werde dich aufmerksam beobachten.
Die Schulzin sendet Krafteinteilung und gutes Wetter
zwei paar schuhe (berg und hohe laufschuhe) trockene socken,gute fersenpflaster, gehstöcke zum bergabgehen, tut nach einer weile mehr weh als das bergaufgehen, ich war auch untrainiert drum geh es langsam an, auf gewitter achten (man riecht es mit der zeit) gewitter am berg ist nicht lustig, achte auf gute ausrüstung,(wasserflasche!!!) ich hatte damals ende juni extreme schneeverhältnisse, …. du wirst sehen man kommt nicht nur mit weniger gewicht sondern auch mit einer anderen einstellung ans ziel, wünsche dir schöne ausblicke… der weg ist dein ziel, lg. nikolaj
Hallo Axel!
Gute Tipps: für den Wienerwald such Dir jemandem, der mit Dir mitgeht, ist furchtbar einsam, kein Handy geht und einige Hütten hatten Ruhetag! Weiters Hüttenübernachtung, vorbestellen!! Uns ist es 2x am Anfang passiert, daß wir biwakieren mußten,zwischen Schneeberg und Rax und am Seeberg, wir haben dann sofort einen Biwaksack gekauft. Wir hatten im August Schnee, also auf alles gefaßt sein.
Es wird bestimmt sehr anstrengend, aber das Glücksgefühl am Ende ist unbeschreiblich. Wir haben es mit einem Glas Sekt am Bodensee gefeiert.
Liebe Grüße
Helga