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Mein reduziertes Leben. Oder: Niko lebt.

Um die Entrüstungsstürme einzudämmen: Natürlich lebt Hund Niko. Und er hat es in den sechs Jahren Hundsein zu Menschlichem gebracht. So wie jeder Hund irgendwann in einer Kommunikationsnische mit seinem Besitzer landet: Er legt den Kopf schief, wenn er nicht versteht, er streckt den Hals, wenn er etwas hört. Er grummelt, wenn es ihm zuviel wird und bellt vergnügt, wenn noch mehr geht. Er fordert, verneint, gibt Nähe und hat Angst. Ich liebe diesen Hund Niko. Und ja, mir scheint, er liebt mich auch.

Das musste gesagt sein, denn seit meinem gestrigen Eintrag wollten mich einige dem Höllenhund zum Fraß vorwerfen. Weil ich Hund Niko so nüchtern beschrieben habe.

Nur Hund Niko hat wie immer nichts dazu gesagt. 

Natürlich haben mich all die Empörten gestört. Beim Packen. Schließlich reise ich nach der Österreich-Durchwanderung einmal um die Welt, ein Jahr lang. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur eben soviel: Insgesamt werde ich 15 Monate weg sein. Für so lange Zeit, gibt man alles auf, auch die Unterkunft.

Eine Freundin, die mich gestern auch gestört hat, tat es nicht wegen Hund Niko. Sondern nur so.

how is life? hat sie geskypt.

ich packe es in kisten.

wieviel kisten hat dein leben?

dank trennung, rückzug in die untermiete und wohnungsbrand gar nimmer viel. es ist ein reduziertes leben, sehr gut.

chaos1

 Sie sagte dann nichts mehr. Denn sie kennt die Geschichten dazu. Die Geschichte von der großen Wohnung, die ich vor zwei Jahren nach einem Liebesaus verlassen habe. Um von einer lieben Freundin (again platonisch) in Untermiete aufgenommen zu werden. Sie kennt die Geschichte, wie es ist, von 100 Quadratmeter auf 12 umzuziehen. Und ich habe ihr damals berichtet, als die Wohnung, in der diese 12 Quadratmeter als Zimmer versteckt sind, abgebrannt ist. Und wie wenig da von 12 Quadratmetern übrig bleibt.

Will sagen: Meine Sachen stehen seit zwei Jahren strategisch verteilt: In Kellern, um auf eine größere Wohnung zu warten. In meinem kleinen Kämmerlein, um mir auf die Nerven zu gehen. Oder im Himmel für Brandopfer, um mir erst recht nicht abzugehen.

Und jetzt reduziere ich gerade weiter. In einen Rucksack passen keine 12 Quadratmeter.

 24.06.2009 | Tags: , , , | 7 Kommentare
 

7 Kommentare zu “Mein reduziertes Leben. Oder: Niko lebt.”

  1. harald says:

    Einen Großteil seines Lebens in Kisten zu haben, heißt im Gegenzug auch ein Stück Ungebundenheit (will jetzt nicht sagen Freiheit) auf jedem Schritt mit sich zu tragen. Das kann die Schritte einfacher machen.
    Sehnsucht nach Wohnung? Na klar, irgendwie sind wir im Grunde unseres Verlangens alle irgendwie Wohnung, ob nun allein oder zweisam.
    Es muss ja nicht gleich Versailles sein! Obwohl – …. irgendwie muss ich jetzt an Carla Bruni denken

  2. spottstrophe says:

    das irdische lässt sich auf 12 quadratmeter komprimieren, nicht aber die sehnsucht nach unendlichkeit.
    freu mich auf jeden eintrag.

  3. Just N. Addict says:

    der hund weiss schon, wovon er spricht
    http://www.youtube.com/watch?v=TJkd86i3PgM

  4. Martina B. says:

    stimmt nicht die freundin hat geantwortet: reduce to the max – aber axel h. war nicht mehr online!

  5. Joshie says:

    immerhin plaudert niko nix aus

  6. Peter says:

    das verpacken in kisten hat den vorteil, dass man sich bei jedem mal packen und umräumen, dann doch von unnötigem trennt und so viel ballast verloren geht, der sich sonst über die jahre einfach ansammelt. zumindest wars bei mir so…

  7. anni und karl says:

    wünschen einen guten start und pass gut auf deine mitwanderer,besonders auf katrin auf. werden die beiträge natürlich gespannt verfolgen.
    liebe grüße

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