Ich ging dann mal heim

Ein letztes Mal ich. Sie verzeihen, aber ich habe es versprochen. Denn, tatusch: Das Buch über meine Wanderung von Bregenz nach Wien ist da. Soeben erschienen, im Amalthea Verlag, erhältlich im Buchhandel.

Und Ihnen, werte Leserin und werter Leser, kann ich es sagen: Ich bin stolz wie Oscar und freue mich wie ein kleines Kind. Denn dass einmal Texte von mir zwischen zwei Deckeln und im Regal einer Buchhandlung stehen werden… na sagen wir, ich hätte viel Geld verloren. Umso mehr freut es mich, Ihnen dieses Bild zu präsentieren.

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Was steht nun im  Buch? Zunächst all die Geschichten meiner 1000 Kilometer durch Österreich, gekürzt, neu geschrieben, editiert, verworfen, erweitert. Ich erzähle von der Erkenntnis, die ich nicht suchte. Und: Ich gebe meine Erfahrungen und Tipps des Weitwanders weiter.

Nicht, dass ich nun dazu berufen wäre, gescheit zu tun. Aber für mich will ich das alles auch nicht behalten, weder warum Studentenfutter so gute Wandernahrung für mich war, noch wie selbst ein sechsfach operiertes Knie knapp 48.000 Höhenmeter absteigen kann. Es sind subjektive Tipps, aber bewährte.

Das Buch ist also die Mischung, die ich finden wollte: subjektiver Wander-Ratgeber, unterhaltsame Wegbeschreibung, vor allem aber eine Sammlung dessen, was man in zwei Monaten auf dem Weitwanderweg 01 erlebt.

Und, ach ja: Manche sagen, es wäre mit etwas Ironie versehen. Ich? Kann das nicht glauben.

Aus dem Buch: „Ich erwarte mir von meiner Zweimonatswanderung keine Bewusstseinsänderung. Ich will weder Gott noch mich finden, ich weiß eh, wo wir sind. Wer sich ohne große Fragen auf den Weg macht, kommt ohne große Antworten zurück.
Habe ich geglaubt.“

 

Sonst? Ich schreibe diese Zeilen auf Neuseelands Südinsel. Es geht mir blendend, auch weil sich mir in den vergangenen Tagen, nach einem Monat, endlich der Charakter dieses schönen Landes gezeigt hat. Eines schönen Landes, dem für mich ein wenig der Wahnsinn fehlt, der etwa Lateinamerika würzt. Täglich würzt. Nach dreieinhalb Monaten auf diesem intensiven Kontinent ließ mich Neuseeland etwas warten. Aber wie gesagt: Gerade trinke ich darauf, den Charakter gefunden zu haben, ein Glas Wein. Trotz meiner Verkühlung, die ich mir übrigens beim Tauchen im Milford Sound geholt habe. Aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte. Die Sie wie alle weiteren auf Kurier.at lesen können.

Ich sende vom anderen Ende der Welt wunderbare Grüße. Und wenn Sie mir was zu sagen haben: Lassen Sie es mich wissen. Ich freue mich.

Verzückt,
Axel N. Halbhuber



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 Axel Halbhuber am 27.02.2010  |   6 Kommentare

Neue Abenteuer…

Der 1. Oktober ist ein guter Tag, um sich zu neuen Abenteuern aufzumachen. Finde ich halt.

WR_091001_Wien-Madrid 019Also bin ich vergangenen Donnerstag zur einjährigen Reise aufgebrochen. Nach Österreich nun die Welt. Passt doch, finde ich halt.

Davor habe ich noch das Buch über die Wanderung fertig geschrieben. Denn mit alten Abenteuern im Kopf soll man nicht in neue starten. Finde ich nämlich. Das Buch wird übrigens im Frühjahr 2010 im Amalthea Verlag erscheinen. Ihr und Sie werden und werdet davon hören. Das bin ich dem lieben Leser schuldig. Finden wir doch alle.

Bleibt mir noch, Euch und Sie zum altbekannten Mitreisen bei den neuen Abenteuern einzuladen: http://kurier.at/interaktiv/blog/weltreise/

Und mich still in mein derzeit Costa Ricanisches Zimmer zurückzuziehen, den Rest des Gallo Pinto zu vertilgen und mich an den heutigen Tag auf dem Vulkan Poas zurückzuerinnern…

Liebe Grüße, Axel



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 Axel Halbhuber am 07.10.2009  |   Keine Kommentare

Letzte Erkenntnis. Die Tage danach.

Das Leben ist gleich wieder da. Weil es nämlich nie weg war. Es war immer in Wien, meinem Alltag. Ich hatte es für zwei Monate verlassen, nicht umgekehrt. Das alltägliche Leben ist nicht auf Bergen herumgewandert, hat keine neuen Menschen im Speziellen und Sichtweisen im Allgemeinen kennen gelernt. Es hatte keine Auszeit von den kleinen und kleinsten Problemen des großstädtischen Soziotops und auch nicht entsprechende Distanz zu den großen und elementaren Sorgen meiner Mitmenschen. Mein Leben war da, erhielt Rechnungen, beantwortete Anfragen und schwitzte den Urbansommer. Da ist es nur recht und billig, dass es beim Augenblick meiner Ankunft alles auf mich warf.

Das klingt nach Klagen. Soll es nicht sein. Eine Woche nach dem Passieren des Ortsschildes geht es mir noch immer gut. Freunde nennen mich „glücklich und entspannt“, auf Menschenansammlungen klopft man mir auf die Wanderung22_Hinterstoder-SpitalAmPhyrn090808-09 175Schulter und bezeichnet mich als „den Wanderer“. Und nahezu jeder interessiert sich für meine jüngste Ver-Gangenheit, die einen privat, die anderen beruflich. Mir kann das alles nur gefallen und vor allem nichts anhaben. Weil mir beim Weitwandern eine zweite Haut gewachsen zu sein scheint. Die wie ein Filter nur das Feine an mich lässt. Das Ölige perlt ab.

Ich erzähle das, weil mir die Zeit gleichermaßen fehlt und abgeht, in der ich jeden meiner Tage reflektiert habe. Immer wenn ich beim Wandern den Computer aufgedreht und mich an Sie, werte Leserinnen und Leser, gewandt habe, ist mir der Tag durch den Kopf gegangen. Das Gute ins Köpfchen, das Schlechte ins Hinweg. Diesen Luxus des permanenten Tagesbuchs fürs Gemüt leistet man sich im gelebten Alltag nicht, weil man nicht kann, weil man nicht will, weil man nicht glaubt, dass man kann und daher nicht will. Man tut es einfach nicht. Schade darum, sehr schade.

Damit habe ich meine letzte Erkenntnis der Wanderung wohl erst hinterher gewonnen. Gar nicht dabei, sondern danach. Und gar nicht beim Wandern, sondern beim Schreiben. Dabei, wenn ich so nachdenke,  ist mir diese Erkenntnis immer wieder über den Weg gelaufen: Als mein Sentiment so vehement auf das Ver-Gangene hingewiesen hat und mich zum Rückblicken zwang. Als mir beim Anblick der westlich gelegenen Horizonte immer wieder wassrig im Auge wurde. Als mir regelmäßig der Satz „Das Wichtigste am Gehen ist das Stehen“ einschoss. Aber erst jetzt, wo ich mich wieder im Alltag niedergesetzt habe, verstehe ich es richtig.

Und so verabschiede ich mich mit meinem letzten Tipp des Tages: Wer nicht jeden Abend an den Tag zurückdenkt, ist keinen Meter wirklich gegangen.

 

Ich danke, eindringlich und aufrichtig, für Ihre und eure Aufmerksamkeit.


Axel N. Halbhuber

 

p.s. Drei letzte Sätze in eigener Sache:

Es wird ein Buch über meine Wanderung geben, ich arbeite gerade daran, über den Erscheinungstermin werde ich an dieser Stelle informieren.

Und am 1.Oktober starte ich die nächste Reise, etwas weiter, etwas länger, nämlich um die ganze Welt, worüber an anderer Stelle, aber in gewohnter Form zu lesen sein wird, und worüber ich Ende September ebenfalls hier informieren werde.

Bleiben Sie mir gewogen.

 

Das war’s.



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 Axel Halbhuber am 08.09.2009  |   4 Kommentare

Post-Eingang. Tag 60+.

Erinnern wir uns kurz an Andreas zurück: Sehr sympathischer Deutscher, den ich auf der Pühringer Hütte im Toten Gebirge getroffen hatte. Er wandert gerne weit, jedes Jahr. Und heuer dachte er: Warum nicht Österreich, warum nicht den o1-er? Wir tranken an jenem Abend darauf, gemeinsam schon mit dem Weg fertig zu sein, schließlich war er im Osten gestartet.

Und wissen Sie was: Menschen in den Bergen halten ihre Versprechen. Also hat mir Andreas wie erbeten ein paar tolle Zeilen Reflexion aus seiner Sicht geschickt. Danke sehr! Und bitte schön:

Wanderung21_PühringerHütte-Hinterstoder090807 006“Tja weißt Du, mit der Arbeit, da hilft nur Augen zu und durch. Auch wenn man Freude dran hat, ist es doch wieder eine Riesenumstellung. Das ist vielleicht auch, was mich am Weitwandern (wo hört eigentlich wandern auf und fängt weitwandern an?) so fasziniert, dieser vollkommen andere Blickwinkel, den man nach einigen Tagen erhält. Ich hab jetzt mit Absicht nicht gesagt worauf dieser “andere Blickwinkel” gerichtet ist, weil das bestimmt bei jedem andere Bereiche betrifft und speziell bei mir ganz, ganz viele. Da treten plötzlich andere Dinge in den Mittelpunkt, werden, halt das ist jetzt falsch: zeigen, wie wichtig sie sind. Скайп для мобильного Man wird auf etwas Ursprüngliches reduziert, Durst, Hunger, Kälte, der Körper, melden sich und bestimmen die Handlungen. Das ist nicht schlimm, man muss es bloß begreifen und wieder lernen auf im normalen Leben verkümmerte, nein eher in den Hintergrund getretene Sinne zu lauschen (na hören ist wohl besser an der Stelle). Bei mir ist das, wie ich in den letzten Jahren merkte, ein Prozess der einige Tage dauert, bis man wieder angekommen ist in der Wanderung. Dann ist vieles ringsum viel weniger bedeutend, es kann mal regnen, man kann mal kein Essen oder kein Quartier bekommen, und trotzdem stimmt alles, es “passt” wie ich es bei Euch so oft gehört hab.

Jede von meinen “größeren” Wanderungen (für mich waren die schon ganz schön!), die ich in den letzten Jahren gemacht habe, hat mir ähnliche und vollkommen unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen beschert. Um Dir das für die 01-Wanderung beschreiben zu können fang ich mal früher an: ich bin eigentlich immer gerne in den Bergen (auch wenn Ihr in Österreich da bestimmt oft was anderes da drunter versteht als ich Flachländer) unterwegs gewesen, doch das erste lange Stück waren vor zwei Jahren die Pyrenäen, der GR auf der französischen Seite vom Atlantik zum Mittelmeer. Bis ich in Banyuls die Füße ins Wasser stellen konnte, hab ich genau das durchgemacht was ich Dir vorher beschrieben hab. Darüber hinaus beeindruckte vor allem die relative Einsamkeit, die Ursprünglichkeit neben der stellenweise totalen Vermarktung der Bergwelt. Auch das Wandern hab ich dort, ganz kurz, als Massenbewegung erlebt, als ich den Jakobsweg in Saint-Jean-Pied-et-Port kreuzte. Das war im letzten Jahr auf Korsika anders. Da ging eine das Fassungsvermögen der Hütten weit übersteigende Zahl von Wanderern am selben Tag los und dies prägte dann natürlich auch meinen Tagesablauf (rechtzeitig auf der Hütte sein, sehr teure Verpflegung, Probleme an Engstellen auf dem Weg). Das drängt sich dann oftmals in den Vordergrund obwohl die Insel landschaftlich ein Traum ist.

Ja und dies Jahr war ich mal wieder in Österreich unterwegs, man kennt schon einiges vom Land, hat keine (fast keine) Verständigungsprobleme und kann auf ein Wegenetz zurückgreifen, dass meiner Ansicht nach einzigartig gut ausgebaut und markiert ist (da kann man nur mit dem Führer zum Weitwanderweg losgehn). Die Unterkünfte sind gut und die Verpflegung hervorragend – und dann geht man los von Rust und hat seine Probleme den Weg zu finden, die Markierung in der Ebene vorm Marzerkogel war meiner Ansicht nach miserabel. In Mattersburg gibt’s abends kein Quartier, so dass ich gleich zur Burg Forchtenstein weitergehn musste. Nach drei, vier Tagen ändert sich dann alles, ich hatte “meinen Trott” gefunden und die Wege wurden in den Bergen besser.  Man merkt aber dass in den tieferen Lagen nicht so häufig gewandert wird, auch bei Euch nutzt man das Auto möglichst weit, die Frage warum ist mir nach wunderschönen Talwanderungen (z.B. von der Loferer Alm zur Kammerköhralm) immer noch nicht begreiflich. Auf meiner Tour hab ich die schwierigeren Abschnitte, wie am Dachstein, auf den Varianten umgangen, muss aber sagen, dass der Weg dort auch sehr schön war. Da ich in diesem Jahr in Erpfendorf geendet hab, werd ich dort im nächsten wieder einsteigen.

Es war schön, es war wunderschön, voll gepackt bis an den Rand mit Erlebnissen, Begegnungen, Erfahrungen.

Ich hoff, ich hab Dich nicht zu dolle mit den Erinnerungen eines nun doch schon älteren Herrn gelangweilt und wünsch Dir alles Gute.”

Nein, Andreas, das hast du nicht. Danke!

p.s. Übermorgen werde ich wieder schreiben. Dann zum letzten Mal.



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 Axel Halbhuber am 06.09.2009  |   Keine Kommentare

Antworten danach

Der Moment des Ankommens ist der richtige, um sich selbst entscheidende Fragen zu stellen und passende Antworten zu geben. Auf Fragen wie…

  • Wie geht es mir jetzt?
  • Was will ich jetzt als Erstes machen?
  • Was nehme ich aus zwei Monaten Bergen mit?
  • Was bleibt für mich über?
  • Werde ich wieder so einen Weg gehen?

Interview mit Axel nach der letzten Etappe auf YouTube



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 Österreich Werbung am 31.08.2009  |   3 Kommentare

Angekommen. Tag neunundfünfzig.

 Wanderung59_OrtsschildEs ist schwierig. Einerseits möchte jeder Ankommende, dass man ihn begrüßt. Man wünscht sich Menschen, die Spalier bilden, denen man in die Arme fallen kann, die einem auf die Schulter klopfen. Auch weil man dann sieht, dass andere interessiert, was man in den vergangenen zwei Monaten gemacht hat, wie man sich verändert hat und ob der Axel heute nun wirklich sein geliebtes Wien wiederbetritt.

Andererseits stehen die Willkommener dem Ichselbst im Weg. Dem Selbst, auf das ich mich nun zwei Monate konzentrieren konnte. Was heißt: Auf das ich mich konzentrieren musste. Denn du kannst alle schwierigen Wege meiden, den Himmel immer akribisch genau lesen, um dich vor dem Gewitter unterzustellen. Du kannst Pläne ändern und Unangenehmes umgehen. Aber dir selber entkommst auf so einer Wanderung nicht. Der Kopf denkt und du hörst es. Die Augen schauen und du siehst es. Der Charakter rebelliert und du reagierst.

Und mit eben diesem ganzen Ich, den geschundenen Gelenken, dem überfälligen Sentiment und einem hochaktiven Kopf, wärst du in dem Moment gerne allein. Wenn du auf Wien hinunterschaust. Wenn du die Metallstange in der Hand hältst, auf der das Wiener Ortsschild angeschraubt ist. Wenn du nach 1000 Kilometern den letzten halben Meter machst.

Ich war nicht alleine. Ob das jetzt besser oder schlechter war? Ich weiß es nicht. Das ist ja eben schwierig.

Aber wieder zu Hause zu sein, es tatsächlich zu Ende gebracht zu haben, durch Österreich von Bregenz nach Wien gegangen zu sein, das fühlt sich gut an.

Wahnsinnig gut.

P.S. In der kommenden Woche werde ich an dieser Stelle noch mein Danach-Denken dokumentieren. Quasi Epilog. Und außerdem habe ich da noch eine andere Idee… Nein, jetzt wird einmal angekommen. Was weiß ich, welche Teile von mir noch am Weg sind und Verspätung haben. Wir lesen uns!

Tag 59 (28.8.2009): Mayerling – Heiligenkreuz – Sittendorf – Kreuzsattel – Seewiese – Parapluieberg – Perchtoldsdorf – Rodaun (Wien). Sonne und auf den Waldstücken durchaus erträglich feine Hitze. Eine würdige, abwechslungsreiche und verdammt einfache Schlussetappe. Sechs Stunden unterwegs, davon vier auf den Beinen. Tipp des Tages: Zweimal ankommen. Einmal für dich und einmal für deine Freunde.

Keine Blase. Viele Zigaretten geraucht, einiges an Achterln. (Zuerst war offizieller Willkommens-Heurigen in Perchtsholdsdorf/Rodaun mit der Österreich Werbung. Dann war privater Willkommens-Heurigen mit meinen Freunden in Wien. Fragen Sei also lieber nicht…) Hund Niko Poldi hat gespürt, was Sache ist. Mir schien sogar, er hat sich geweigert, die Bergrettungs-Kenndecke abzulegen. Lieber Niko Poldi, in vollem Bewusstsein des von mir verworfenen Superlativs: Du bist der beste Hund der Berge. Du bist der beste Gefährte an meiner Seite. Du bist der bedeutendste Mitwanderer. Du bist einzigartig. Ich danke dir, ich liebe dich.



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 Axel Halbhuber am 30.08.2009  |   8 Kommentare

G’schichtln aus dem Wienerwald. Tag achtundfünfzig.

Wanderung58_ArnsteinhöhleIch muss das hier einfach loswerden: Umso tiefer man in den Wiener Speckgürtel eindringt, umso näher man dieser Stadt kommt, desto mehr riecht das Leben nach Alltag. Mit allem was dazu gehört. Jawohl, ich darf das sagen, ich bin schließlich Vollblutwiener: Ich stehe auf urige Heurigen, bekomme beim Singsang der choralen Matrosenknaben feuchte Augen und habe schon mal am Naschmarkt Obst gekauft, dessen Namen ich nicht aussprechen kann. Wien, du liebst mir und ich liebe du. Das wissen wir beide. Aber gerade eben clasht mich deine Kultur ganz gewaltig.

Natürlich kann ich das nicht objektiv belegen, da brauchen Sie gar nicht erst weiterzulesen. Wie immer liegt es im subjektiven Detail: In Telefonaten (die jetzt übrigens wieder dauerhafter möglich sind, da wären wir beim ersten Punkt) geht es plötzlich zum Beispiel um Kleidung. Gewand. Stil beim Anziehen. Da kann man sich eh schon denken: Ich habe es in den vergangenen Wochen ganz großartig genossen, von meinen drei Leiberln, Boxershorts und Sockenpaaren Wanderung58_VorMayerlingeinfach immer die anzuziehen, die am wenigsten streng rochen. Der Stil spielte da eine Rolle so untergeordnet wie ein Sadomaso-Sklave.

Dann werden die Menschen, naja sagen wir: organisierter. Hält der Termin eh? Hatten Sie noch was aus der Minibar, ah ja Mannerschnitten, macht noch eins zwanzig bitte? Schick‘ mir das per Mail? Ich plane jetzt auch so eine Wanderung, wie kommt man denn zu Sponsoren? Irgendwie schlägt mir das alles auf den Magen. Nicht dass ich gleich einen Kübel brauche, aber hätten Sie wenigstens ein kleines Sackerl? Sie können es mir auch per Mail schicken. Aber kommen wir zu Schönerem: Die unfassbare Romantik des Wienerwalds.

Den zu durchwandern ist nun tatsächlich eine Wonne. Ich tat das heute mit der sehr lieben Freundin Susanna und ihren großartigen Kindern Hannah und Philip, dem schon gestern ausgelobten Friedrich Fritz und einem Mitwanderer, den ich hier anonym sein lasse. Er verkörperte für mich nämlich eben das Wienerische, wegen dem ich mir gerade überlege, ob ich nicht vielleicht etwas Wichtiges in Bregenz vergessen habe. Ach so ja, Romantik: Peilstein, Ruinen, Höhlen, Helenental, Mayerling, Gott ist das alles hübsch, spazieren Sie da auch mal durch!

Ich muss noch was zu Wien sagen: Bitte, meine geliebte Heimatstadt, die ich nie tauschen würde, komm mir nicht ganz so, wenn ich dich morgen wieder betrete. Nimm mich in deine schönsten Arme und streichle mir durchs Haar. Halte deine charmante Urbankomik noch ein bisschen fern, schick deine Großstadtseite auf die Donauinsel und gib mir ein, zwei Tage. Möge dein großartiger Grant mich noch ein paar Tage verschonen und deine liebenswert schlitzohrige Geschäftemacherei mich übersehen. Begrüße mich mit „Derfs a bisserl mehr sein“ und „Nur kane Welln“, sonst muss ich mich noch amoi ein bisserl über die Heisa haun. Bussi, ich freue mich auf dich.

Wanderung58_FritzNikoAxelPhilipTag 58 (27.8.2009): Weissenbach an der Triesting – Peilsteinhaus – Mayerling. Sonne und recht trockene Hitze. Das ist echtes Wanderspazieren, für die Augen, für die Beine, es ist schön. Für Kinder, Familien und Genießer. Sechs Stunden unterwegs, davon dreieinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Mit Kindern gehen, die schauen sich das anders an.

Keine Blase. Neun Zigaretten geraucht, kein Alkohol. Hund Niko Poldi feierte heute sein zweites Comeback. Er will weitergehen, allerdings bei tieferen Temperaturen. Heute legte er sich zur Kühlung in eine Gatschlacke. Aber er sah so zufrieden aus, was soll ich tun?



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 Axel Halbhuber am 28.08.2009  |   6 Kommentare

Habemus Fritzam. Tag siebenundfünfzig.

Wanderung57_FritzMessradNatürlich hatte ich ein bisschen Angst vor dem Tag. Oder sagen wir: Respekt. Dem Tag, an dem Friedrich Fritz Peterka in mein Leben und mit mir auf den Weg treten würde. Ganz genau: Der Friedrich Fritz, der von einigen als Weitwanderpapst bezeichnet wird. Weit-Wander-Papst. Beim Frühstück schepperte mir das Händchen bis zum Zertrümmern des Frühstückseies. Die Füße schmierte ich mir mehrfach mit der Ringelblumensalbe ein (ich bin von Hirschtalg umgestiegen, nein ohne Grund, es gab lediglich keine Hirschtalgsalbe mehr. Naja, Ringelblumen zieht schneller ein, riecht aber besser) und zurrte das Schuhwerk besonders fest. Ich startete zu meinem Tag mit dem Mann, der im Guinness Buch der Rekorde steht: alle zehn österreichischen Weitwanderwege in 143 Tagen. Der Mann, der mir seit Beginn der Wanderung genau auf die Füße geschaut hat und durchaus kritisch kommentierte. Dieser vorvorletzte Tag würde meine Reife besiegeln, oder mein Scheitern.

Friedrich Fritz stieg aus dem Zug. Leichter Rucksack, Wadeln wie Turbolader und ein Messrad in der Hand. Dazu muss man sagen: Friedrich Fritz geht mit mir, um die Weg01-Variante nach Wien fertig zu vermessen. Denn er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, rotweißrote Wanderwege genau zu erfassen. Später sollte ich noch bemerken: Friedrich Fitz schreibt alle Daten in Tabellen, mit Höhenmeter und der Temperatur, mit genauer Gehzeit und wahrscheinlich auch Wanderung57_FritzBeimAufzeichnenmeinem äußerlichen Zustand. Natürlich machte mir Friedrich Fritz Angst. Wir marschierten los, er hinter mir. „Ich gehe mein Tempo, kümmere dich nicht.“

Ich trabte los, gestochen vom Hafer des Ehrgeizes, Friedrich Fritz im Rücken. Und nach wenigen Metern brach das Eis, weil es fast 30 Grad hatte vielleicht, ich glaube aber deswegen: Friedrich Fritz sagte trocken: „Ich werde ein bisschen langsamer gehen.“ Ich unterdrückte meinen persönlichen Jubel, zog innerlich aber die Lampionbeleuchtung auf. Ich fühlte mich wie der ehrfürchtige Knabe nach der Firmungswatschen, der höchste Hirte hatte mir soeben die Absolution erteilt. Klingt lächerlich? War es auch.

Weil Friedrich Fritz nicht nur ausgesprochen wettkampflos wandert, sondern auch einen weiten Horizont hat. Ich gebe es ja zu: Ich dachte, dieser Mann hat etwas Belehrendes und vor allem kein Verständnis für einen wie mich, der vor acht Wochen rauchend und trinkend, untrainiert auf diesen Weg aufbrach. Der sich mal mit dem Auto mitnehmen lässt, um ein paar Asphaltkilometern zu entgehen. Der den Satz „Das Wichtigste am Gehen ist das Stehen“ zum obersten Credo erhoben hat. Friedrich Fritz hat mir die Blödheit solcher Vorurteile vor Augen geführt, als ob er Lessing den Nathan diktiert hätte. „Ich finde es schön, Wanderung57_FritzRastetdass Du als Junger das Weitwandern wieder einmal bekannter machst.“ Spricht so ein Verbissener?

Warum ich das erzähle? Weil es wirklich schön ist, wenn zwei mit unterschiedlichen Motivationen einen Weg gehen. Einer mit Messrad, einer mit dem Lenz. Weil es wirklich schön ist, dass Friedrich Fritz sich dem Wandern derart verschrieben hat, als Papst aber noch immer mit einem kleinen Schäfchen reden kann. Weil wir beide Fremden heute etwas gemeinsam gemacht haben, obwohl wir uns so unähnlich sind. Ich behaupte: Dieses Gefühl für gelebte Toleranz bringen einem die Berge bei. Weil ehrlich: Das klingt schon ein bisschen nach Patentrezept.

Tag 57 (26.8.2009): Waidmannsfeld – Hohe Mandling – Waxeneckhaus – Auf dem Hals – Auf der Wurzen – Weissenbach an der Triesting. Sonne und feuchte Wanderung57_PilzVorMarkierungHitze. Man merkt nun deutlich, das Hochgebirge ist zu Ende: Waldwege, Wiesen und viele Föhren. Sehr idyllisch. Knapp sieben Stunden unterwegs, davon fünfeinhalb auf den Beinen. Tipp des Tages: Leben und leben lassen.

Keine Blase. Dreizehn Zigaretten geraucht, ein Achtel Rotwein (Zum Wildragout in meinem Herbergsgasthaus. Übrigens das erste Glas Rotwein, das ich mit zwei Fliegen darin serviert bekam. Nun ja.) Morgen kommt der Niko, lalalalala. Ich freu‘ mich auf Hund Niko, lalalala.



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 Axel Halbhuber am 28.08.2009  |   5 Kommentare

Manchmal muss man alleine sein. Tag sechsundfünfzig.

Wanderung56_SonnenaufgangFischerhütteSoll ich Ihnen was sagen: Bislang haben mich 32 Menschen beim Wandern begleiten. Und zwei Hunde. Das ist schier unfassbar. Weil mir auf diese Art 32 Menschen gezeigt haben, dass sie auch gerne Wandern. Dass sie meine Leidenschaft teilen. Dass meine Begeisterung sie begeistert. Und genau das ist es: Freude an derselben Sache. Menschen um sich zu haben, die über die gleichen Witze lachen. Bei denselben Filmen weinen. Den Sonnenuntergang genau so berührend finden. Den Weg genau so beschwerlich, den Ausblick ebenso schön. Menschen, die kommentieren wie Michi H.: „…am Schneeberg dann. Beim Kaiserstein. An der letzten großen Klippe vor Wien. Wanderung56_KaisersteinBlickWienGanz an der Kante draußen. Schneebergdörfl und Puchberg unten ganz klein. Das Wiener Becken verschwommen im morgendlichen Dunst. Der letzte, weite(!) Blick zurück auf’s VerGangene…“

Ich stand genau da. Schaute zurück, sah bis zum Hochschwab. Schaute vor, sah da ganz vorne Wien. Als ich auf dieser Klippe stand, am viertletzten Wandertag, wurde mir anders. In mir rührte sich Entschlossenheit, dabei wollte ich Rührung. Ich erwartete eine Träne. Ich stand wie versteinert da, die Augen weit offen. Aber Tränen lassen sich nicht zwingen. Dass wir uns richtig verstehen: Alles war stimmig, ich freute mich auf die vor mir liegenden Mamauwiese, Dürre Leitn, Öhler und Plattenstein. Alles gut 1000 Höhenmeter Wanderung56_AufFadensteigtiefer als mein Standort. Es ging mir gut, aber die Rührung mir fehlte wie der Suppe das Salz. Hallo! Träne!!! Sie ließ sich nicht zwingen.

Ich atmete durch und machte mich an den letzten langen Abstieg. Machte mich daran, wieder einmal einen Tag lang alleine zu gehen, mit niemandem zu reden. Mich hinzusetzen, wo mich der Hintern auf den Boden zieht. Und vor allem: Mich nur auf mich zu konzentrieren. Es gelang mir nicht gleich, mir schoss ein Email von Mitwanderin Steffi ein: „…das Glücks- und Hochgefühl, wenn man sein Ziel erreicht hat, ist unbezahlbar – was red ich, Du kennst es ja und Du wirst es bald in tausendfacher Ausführung erleben. Als Ingrid und ich im Auto Richtung Wien saßen, stellte sich bei uns sowas wie, hmm, Wehmut ein. Und es war ganz seltsam plötzlich wieder in die Stadt zu kommen. Wir wären eigentlich lieber in Wanderung56_ErstesEdelweißden Bergen geblieben. Danke, schön war’s.(Auch wenn dieser Satz schon oft verwendet wurde, er trifft es doch.)“

Plötzlich war mir klar, warum ich wieder einmal allein sein sollte. Wollte. Um dieses Gefühl wieder zu erleben, pur und unverdünnt. Meinen Blick aufs Glück wieder zu schärfen. Da lag es doch: Wien, das Ziel, das Ende einer langen Reise. Nur auf mich und mein Gefühl zu fokussieren, nicht auf das, was Mitwanderer sehen. Nicht die Ausblicke bewundern, die sie bewundern. Selber schauen. Ich roch also an Blumen. Blieb stehen, wo es mir gefiel. Und dann tatusch: Am Öhlerschutzhaus aß ich ein Würstel. розовые герберы Und nach zwanzig Minuten fiel mir auf, was sich da als Topfpflanze vor mir räkelt und was ich die ganze Zeit nicht gesehen hatte: Edelweiß. Edelweiß, das ich mir auf meiner Wanderung so lange wünschte und nie gesehen hatte. Ich schmunzelte über die List des Schicksals.

Wanderung56_PlattensteinEine Stunde später erreichte ich die geschlossene Gauermann Hütte. Die direkt neben dem felsigen Plattenstein-Gipfel liegt. Da war kein Mensch, weit und breit nicht. Ich setzte mich zum Gipfelkreuz, blickte Richtung näher gerücktem Wien. Schaute ins Tal, das tief unten an der Felswand lag. Spürte die Sonne auf meiner Haut brennen. Inhalierte die wolkenlose Luft und die Stille. Ich wusste genau, dass ich mich wieder einmal in einem der Momente befinde, die man niemandem vermitteln kann. Nicht mit Bildern, nicht am Telefon, schon gar nicht mit Worten. „Macht gar nichts“, sagte ich leise. Und wischte mir die Träne von der Wange.

Tag 56 (25.8.2009): Fischerhütte – Fadensteig – Dürre Leitn – Mamauwiese – Öhlerschutzhaus – Plattenstein – Ungerberg – Frohnberg – Waidmannsfeld. Sonne und trockene Hitze. Da der Weg nach dem Fadensteig aber großteils durch den Wald ging, ein herrliches Wanderwetter und schöne Lichtspiele. Sieben Stunden unterwegs, davon knapp sechs auf den Beinen. Wanderung56_WaldSchönTipp des Tages: Einerseits der Kaiserstein oberhalb der Fischerhütte. Andererseits der Plattenstein neben der Gauermann Hütte. Orte, um zu sich zu finden.

Keine Blase, da kommt auch keine mehr. Sieben Zigaretten geraucht, kein Alkohol (Wie auch, so alleine in Waidmannsfeld, wo es keine Lokale gibt, die offen hätten. Ich habe mir also eine Pizza aus Pernitz liefern lassen. Die erste Pizza seit langem. Mit Schinken, Salami, Pfefferoni, nah Sie wissen eh, so auf Rusticana-Style. Hieß aber Pizza Roberto. Egal.) Und, lieber vermisster Hund Niko Poldi: Du hättest auch eine Pizza bekommen. Con Carne per Cane.



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 Axel Halbhuber am 27.08.2009  |   Ein Kommentar

Über das Aussteigen im Speziellen. Tag fünfundfünfzig.

Wanderung55_MichiFischerhütteÜber 2000 Höhenmeter ist man per Du. Vor allem mit dem Leben. Hier oben begegnet man sich aufrecht, aber nicht untertänig. Auch dem Leben gegenüber nicht. Und deswegen kannst du hier schon mit 25 eine breite Brust haben. So wie Fischerhütten-Wirt Michi. Der steht sowas von im Leben und gestern Abend am Otto Haus stand er vor mir: „Bist du jetzt der Axel? Ich hole dich ab und geh morgen mit dir auf meine Hütte rüber.“

Ich gebe zu, das hat mich dual gefreut: Der Wachthüttelkamm war mir als Abstiegsteig nicht geheuer, da gleicht ein eingeborener Hüttenwirt und Wanderung55_WachthüttelkammBergretter schon einiges im Kopf aus. Noch am Otto Haus haben wir darüber geredet und kamen über die Sätze „jaja, ich bin schon schwindelfrei“ über „solche Wege sind halt auf der Karte schwierig zu bewerten“ recht bald zu der alten Diskussion um die Einschätzung von versicherten Steigen im Besondern und die Frage, wer soll Bergsteigen, wer soll wandern und wer lieber gar nichts im Allgemeinen. Aber das gehe ich hier nun nicht nochmal durch. Viel wichtiger: Es hat mich zweitens gefreut, weil Michi ein ganz Netter ist. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste.

Erst heute hatte ich Zeit, das zu bemerken, 1100 Meter im Ab- und 1500 im Aufstieg lang. Auf denen mir Michi immer wieder etwas erzählte, über das Höllental zum Beispiel: „Da gab es den Hübner, das war der erste, der sich da rein getraut hat. Über den gibt es ein Buch, das war das erste, das ich gelesen habe. Weil sonst hab ich als Kind nicht so unbedingt lesen müssen. Überhaupt war das mit den Lehrern so eine Sache.“ Wir tauschten Lausbuben-Geschichten aus, denn auch der Blogschreiber Ihres Wanderung55_MichiInWeichtalklammVertrauens, liebe Leserinnen und Leser, war kein Vaserl. „Aber heute kommen meine alten Lehrer mich auf der Hütte besuchen. Ich sage immer: Du musst im Leben einen Schmäh haben und rechnen können.“ Michi hat einen Schmäh. Wenn er über den Schneeberg redet. Seinen Schneeberg, den er in guten Jahren bis zu 70 Mal bestiegen hatte. Wenn er über Bergrettungseinsätze und Selbstüberschätzung der Menschen spricht. Und am meisten, wenn er über seine Kathi erzählt, seine 22jährige Freundin, die mit ihm die Hütte betreibt. Die immer wieder angerufen hat, während wir am Weg waren. Weil sich eine Aushilfe vorstellen gekommen ist. Oder eine Frage betreffend der Baustelle aufgetaucht ist, die Fischerhütte bekommt gerade Wasser und Kanal. „Sie vermisst mich auch und macht sich halt auch Sorgen“, sagte Michi.

Bei solchen Sätzen ist Hüttenwirt Michi sanft und überzeugt. Bei anderen Geschichten ist er direkt und bestimmt. Wenn er etwa über die Schwierigkeiten, eine Hütte auf 2049 Meter zu führen, redet. Oder Geschichten erzählt, was ihm Wanderung55_HüttenwirtinKAthida oben alles unterkommt. „Einmal hat eine Frau angerufen und gefragt, ob eh Wind ist. Sie möchte gerne die Asche ihres verstorbenen Vaters am Schneeberg verstreuen.“ Oder ein Anrufer, der sagte, er möchte nun einmal eine Skitour auf dem Schneeberg machen. Und also wissen, wo man sich da die Ski an- und wo wieder abschnallt? „Na wir schnallen sie an, wenn der Schnee anfängt und ab, wo er aufhört. An manchen Tagen rufen hundert solche Leute an, da wirst deppert.“ Aber das hat Michi im Griff. Solche Anrufer im Besondern und das Leben im Allgemeinen.

Nur wenn ihn bei knallvollem Hüttenbetrieb wieder einmal ein Gast herholt und fragt: „Wie wird man eigentlich so ein Aussteiger?“, dann könnte er ihn am liebsten von seinem Schneeberg werfen. Tut er nicht, sondern sagt stattdessen: „Ich habe vier Angestellte, eine sauschwierige Logistik und arbeite sechs Monate wie ein Viech. Wo bin ich ein Aussteiger?“ Im Übrigen wäre das gar nichts für ihn, denn so gerne mir Michi die 700 Fotos vom vergangenen Wanderung55_FischerhütteGangNeuseeland-Urlaub mit Kathi zeigen will: „Länger als einen Tag am Strand halte mich nicht aus. Wo wir hinfliegen, muss es auch Berge geben. Und mehr als drei Wochen brauche ich keinen Urlaub.“ Kathi seufzt leise, aber mit dem Blick eines verliebten Mädchens und Michi direkt ins Gesicht.

P.S. Die beiden gaben mir das Zimmer mit Blick Richtung Wien und Michi zeigte mir, wie ich das Bett verschieben soll, um aus dem Fenster nach Hause zu sehen. Ich danke euch beiden. Für diesen Tag und diesen Abend im Besonderen. Und dass es solche wie euch gibt im Allgemeinen.

Wanderung55_SonnenuntergangFischerhütteTag 55 (24.8.2009): Otto Haus – Wachthüttelkamm – Weichtal Haus/Höllental – Weichtalklamm – Kienthaler Hütte –Hochschneeberg/Klosterwappen – Fischerhütte. Sonnenschein. Achteinhalb Stunden unterwegs: fünfeinhalb auf den Beinen, eineinhalb beim gemeinsamen Rasten und ich alleine eineinhalb am Klosterwappen. Tipp des Tages: Die Fischerhütte im Allgemeinen. Die Gipfelpalatschinken, die Gespräche mit Kathi und Michi, die Atmosphäre da oben und der Blick auf das ganze Land und mein Wien im Speziellen.

Keine Blase. Zehn Zigaretten geraucht, abends zwei Spritzer weiß. Mein lieber Hund Niko Poldi, da hast du heute nichts versäumt, denn nach dem Wachthüttelkamm, den du gepackt hättest, wärest du an der Weichtalklamm gescheitert, senkrechte Eisenleitern und so. Da hätte ich dich schultern müssen, wobei: Das wäre auch ein Spaß geworden. Das holen wir nach. Ich vermisse dich.

Wanderung55_FischerhütteBlickWienAusZimmerfenster



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 Axel Halbhuber am 26.08.2009  |   2 Kommentare